US-Verbraucherpreisinflation und EZB-Wirtschaftsprognosen im Fokus


06.06.22 09:00
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Der Datenkalender für die Eurozone ist kommende Woche dünn besetzt, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG.

Der Stimmung unter Finanzmarktteilnehmern (Sentix Index) dürfte sich ein wenig aufgehellt haben. Nach dem zuletzt heftigen Rückgang der Industrieproduktion in Deutschland und Spanien sei im April mit einem Rebound zu rechnen. Der mittelfristige Trend zeige in der Eurozone aber nach unten. Diesem Wirtschaftssektor drohe die nächste Rezession, noch bevor in vielen Euroländern das Vor-Corona Outputniveau erreicht sei.

Die gesamte Aufmerksamkeit gelte aber in der kommenden Woche der EZB. Angesichts der stetig steigenden Inflation - im Mai sei die Teuerung mit 8,1% p.a. erneut deutlich über den Erwartungen gewesen - würden vom Gros der Kommentatoren Zinsanhebungen immer sehnlicher erwartet. Allerdings habe Präsidentin Lagarde zuletzt viel Spannung aus der Sitzung genommen. Immerhin habe sie den weiteren Fahrplan schon sehr klar umrissen: Ende der Nettoanleihekäufe im Juli und im Juli und September eine Zinsanhebung um je 25 Basispunkte (BP). Darauf sollten weitere Schritte von je 25 BP folgen, um eine Normalisierung der Geldpolitik zu erreichen.

Spannend werde, wie sich Lagarde zum Tempo und Ausmaß des Zinsanhebungszyklus äußere. Es ist aber anzunehmen, dass sich die EZB nicht vorab festlege. Immerhin hätten sich bedeutende Ratsmitglieder zuletzt klar für einen datenabhängigen Pfad ausgesprochen. Am Markt werde bis Jahresende ein Einlagesatz von 0,5% gepreist und weitere Zinsanhebungen von 25 BP beinahe jede Sitzung bis Mitte 2023. Im Herbst 2023 ende laut Marktvorstellungen der Zinszyklus mit einem Einlagesatz zwischen 1,5 und 1,75%. Sollte sich die Inflation getrieben durch eine starke Nachfrage auf hohem Niveau festfressen, so dürfte die EZB auf eine restriktive Geldpolitik umschwenken und dabei die Leitzinsen stärker anheben als gepreist.

Werde sich aber die Konjunktur nachhaltiger eintrüben als befürchtet, so seien die aktuellen Markterwartungen wohl etwas zu aggressiv. Somit seien auch die neuen Wirtschaftsprognosen der EZB von hohem Interesse. Klar sei, dass die Inflationsschätzungen vom März (2022: 5,1%, 2023: 2,1%, 2024: 1,9%) merklich erhöht und die BIP-Prognosen (2022: 3,7%, 2023: 2,8%, 2024: 1,6%) nach unten revidiert werden müssten. Die Notenbank dürfte in den neuen Prognosen weiterhin unterstellen, dass die angebotsseitigen Schocks (Lieferketten, Corona Effekte, Rohstoffpreise) bis 2024 ihre Wirkung verlieren würden und sich die Inflation auf den EZB Zielwert einpendele. Zudem rechne die EZB wohl mit einer Konjunkturbelebung in den kommenden Quartalen.

Am EUR-Zinsmarkt sei in der abgelaufenen Woche ein deutlicher Aufwärtsdruck zu verspüren gewesen. Die zehnjährige Bund Rendite sei über die 1%-Marke gestiegen und insbesondere für kurze Laufzeiten sei der Aufwärtsdruck ausgeprägt gewesen. Kurz vor der nächsten EZB-Zinssitzung und in Anbetracht der jüngsten Inflations-Überraschungen hätten sich die gepreisten Erwartungen zur EZB-Zinsnormalisierung verschärft.

Aber auch aus Übersee habe es Rendite-Aufwärtsdruck gegeben. Insbesondere nachdem entgegen den Erwartungen der ISM Index (verarbeitendes Gewerbe) einen Anstieg auf 56,1 Punkte verzeichnet habe, hätten sich US Treasury Renditen wieder nach oben orientiert. Trotz hoher Inflationsraten und anhaltenden Angebotsengpässen spiegele die ISM Umfrage eine belebte Nachfrage gepaart mit Konjunktur-Optimismus wider. Sorgen um eine deutlichere globale Abkühlung der Konjunktur, welche die Finanzmärkte in den letzten Wochen beschäftigt habe, seien damit, auch in Kombination mit den Lockerungen in China, besänftigt worden.

Neben der EZB stehe nächste Woche sicherlich auch die Veröffentlichung der US-Verbraucherpreisinflation im Fokus. Für eine Entspannung der zugrundeliegenden Inflationsdynamik sei es noch zu früh, auch wenn die Inflation im Vergleich zum Vorjahresmonat nicht weiter steigen sollte. Die US-Inflation habe im März wohl ihren Höhepunkt erreicht, die Inflationsrate im Mai werde aber wohl nahe an jener im April liegen. Für ein Abweichen von der erwarteten Zinserhöhung der FED um 50 BP in der darauffolgenden Woche würde es aber wohl einer deutlichen Überraschung bedürfen. (Ausgabe vom 03.06.2022) (06.06.2022/alc/a/a)






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