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US-Notenbank: Hier bleibt alles wie es ist!


01.02.24 11:00
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Das FOMC kam am gestrigen Tage zu seiner ersten Notenbanksitzung des gar nicht mehr so jungen Jahres zusammen und "konferierte" über das weitere Vorgehen der FED, so die Analysten der Nord LB.

Wie allseits erwartet, belasse sie die FED Funds Target Rate bei 5,25% bis 5,50% und setze damit den Kurs des Abwartens fort. Außerdem werde die Abschmelzung der Bilanzsumme fortgesetzt und damit das Rad der Kapitalmarktintervention zurückgedreht. Viel wichtiger für die Märkte sei aber eine Indikation darüber gewesen, wann es denn nun endlich mit den Leitzinsen wieder runtergehen könnte.

Im Dezember 2023 hätten die Marktbeobachter nahezu jubiliert, habe die FED nämlich für das Jahr 2024 Zinssenkungen in Aussicht gestellt. Damit sei der sogenannte Tightening Bias in einen Easing Bias gedreht worden. Dies besage, dass die Neigung einer Notenbank von einem Erhöhungszyklus in einen Senkungszyklus drehe; die Betonung liege dabei aber auf Neigung. In der Euphorie habe man sich hie und da allerdings aggressiven Zinssenkungsfantasien hingegeben. Diesen Hoffenden sei gestern jedoch eine Absage erteilt worden - eine Senkung der Target Rate bereits im März sei "nicht sehr wahrscheinlich".

Man könnte konstatieren, dass ausgerechnet die robuste Wirtschaft der USA schuld an dem hohen Zinsniveau sei und man deshalb weiterhin unter dieser Last zu ächzen hätte. Die U3-Arbeitslosigkeit, welche bekanntlich als offizielle Zahl angesehen werde, habe zuletzt nach wie vor bei erfreulichen 3,7% gelegen. Die Zahl der neu geschaffenen Stellen habe zuletzt sogar positiv überraschen können. Die Nachfrage nach Personal sei also hoch und der Arbeitsmarkt entsprechend resilient. Das BIP für 2023 habe sogar so etwas wie eine Jahresendrally hingelegt und habe mit starken 3,3% im 4. Quartal überrascht. Es bestehe hier also kein Anlass zur Sorge. Das Rezessionsgespenst verbreite seinen Schrecken derzeit eher anderswo.

Bei der Inflation habe Mr. Powell gestern mit den jüngsten Daten des PCE, einer weiteren Zeitreihe zur Messung der Teuerungsrate neben dem CPI argumentiert. Obwohl sich diese aufgrund ihrer etwas anderen Parameter näher an der 2%-Marke befinde als die CPIs (PCE: 2,6%, CPI: 3,4%), so sei die Inflation aus Sicht des FOMC noch immer zu hoch. Erst wenn diese "auf breiter Front" nachhaltig heruntergehe, denke man erst wirklich ernsthaft über eine Senkung der Leitzinsen nach.

Vielleicht hätten die Notenbanker dabei auch gewisse Risiken für die Lieferketten im Hinterkopf, obwohl paradoxerweise auf die Stärke selbiger hingewiesen worden sei. Für die USA zentral sei dabei sicherlich die Problematik des niedrigen Wasserstandes im Panamakanal. Generell seien Schifffahrtsrouten aktuell ein heikles Thema für die Weltwirtschaft.

Aufgrund der relativen Stärke der US-Wirtschaft würden die Analysten weiterhin davon ausgehen, dass frühestens zum 2. Halbjahr mit Zinssenkungen zu rechnen sein dürfte. Die zähe letzte Meile bei der Inflationsbekämpfung, die starke Situation auf dem Arbeitsmarkt und die gute Konjunkturzahlen würden der FED auch keinen wirklichen Anlass geben, zinsseitig zu intervenieren. Dies dürfte sich aber im Laufe des ersten Halbjahres aus Sicht der Analysten ändern.

Die Stimmung des Produzierenden Gewerbes sei bei der letzten Umfrage des ISM nämlich weiterhin schlecht gewesen und der Dienstleistungssektor habe sich gerade so im expansiven Bereich halten können. Auch der Immobiliensektor, sowohl privat als auch gewerblich, befinde sich weiterhin in einem gewissen Krisenmodus. Es würden sich also die Anzeichen einer aufkommenden Schwächephase summieren.

Das FOMC habe jüngst über das weitere Vorgehen der Notenbankpolitik konferiert und sich dabei, wie erwartet, auf eine weiter abwartende Haltung geeinigt. Das Komitee belasse die FED Funds Target Rate bei 5,25% bis 5,50%. Gleichzeitig setze die FED den Abbau ihrer Bilanzsumme fort. Jerome Powell habe bei der Pressekonferenz den Richtungswechsel vom Tightening Bias hin zum Easing Bias bekräftigt. Die Neigung der Notenbank die Zinsen zu senken sei damit mittlerweile größer als sie anzuheben. Eine Absage sei dabei jedoch all jenen erteilt worden, die sich voreilige Zinssenkungen erhofft hätten.

Die Konjunktur der USA habe sich zuletzt nämlich nach wie vor robust präsentiert. Eine Schwächephase dürfte ihr dennoch in den kommenden Monaten bevorstehen. Es würden sich nämlich die negativen Anzeichen aus verschiedenen Sektoren mehren, allen voran aus dem Produzierenden Gewerbe und der Immobilienwirtschaft. (01.02.2024/alc/a/a)