US-Leitzinsanhebung um 75Bp - zur Inflationsbekämpfung wird Rezession toleriert


22.09.22 09:45
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Wenig überraschend hat die FED gestern Abend die FED Funds Target Rate zum dritten Mal in Folge um 75 Basispunkte auf nunmehr 3,25% angehoben, so die Analysten der Nord LB.

Auf diesen Schritt sei im Vorfeld angesichts einer hartnäckig hohen Inflationsrate und anhaltender Inflationssorgen spekuliert worden.

Das Statement habe - außer der Zinserhöhung - nichts Neues enthalten. Sehr viel spannender seien dagegen die Anpassungen bei den Zinsprojektionen gewesen: Demnach gehe das FOMC (im Median) nun für Ende 2022 von einem Zinssatz von 4,4% aus (bisher aus dem Juni: 3,4%), für 2023 von 4,6% (bisher: 3,8%), für 2024 von 3,9% und erstmals für 2025 von 2,9%. Langfristig bleibe es bei dem angestrebten Leitzins von 2,5%. Demnach plane das FOMC für dieses Jahr mit zwei Sitzungen noch Zinsanhebungen in Höhe von 100 bis 125bp. Mit Ausnahme von nur einer "Taube" würden alle anderen im Gremium für insgesamt noch mindestens 100Bp-Zinsanhebungen in 2022 plädieren. Erste Zinssenkungen bereits wieder in 2023 seien zudem nicht abzulesen (aber auch nicht auszuschließen).

Dass die Bekämpfung der Inflation durch massivere Zinsanhebungen einen Preis haben werde, würden die pessimistischeren Projektionen für das BIP und die Arbeitslosenquote deutlich machen. So seien die BIP-Projektionen für 2022 und 2023 auf 0,2% bzw. 1,2% (bisher 2022 und 2023: 1,7%) deutlich nach unten angepasst worden. Die "wirtschaftlichen Schmerzen" würden demnach auch auf dem Arbeitsmarkt spürbar, wo das FOMC mit einer höheren Arbeitslosenquote von 4,4% sowohl in 2023 als auch 2024 rechne (bisher: knapp 4%). Das Gremium sehe die Inflation nun hartnäckig höher als in ihren bisherigen Juni-Projektionen, immerhin habe sie sich aber von der Hoffnung, die PCE-Inflation im Projektionszeitraum bis 2025 wieder auf 2% senken zu können, nicht verabschiedet.

In der Pressekonferenz habe der "hawkish" auftretende Jerome Powell betont, dass eine restriktive Geldpolitik für "einige Zeit" verfolgt werde, da die Geschichte zeige, "nicht vorzeitig in eine laxere Geldpolitik übergehen zu dürfen". Als Voraussetzungen für eine Tempoverringerung bei den Zinsanhebungen seien von ihm unterdurchschnittliche Wachstumsraten, sich eintrübende Arbeitsmarktbedingungen sowie klare Hinweise auf eine Inflationsmoderation genannt worden. Zusammengefasst müssten also nach Erachten der Analysten die Schmerzen auf dem Arbeitsmarkt erkennbar werden und die Inflation andeuten zurückzugehen, bis ein Übergang auf kleinere Zinsschritte erfolgen werde.

Insgesamt seien Projektionen und Powells Äußerungen als "hawkishe" Nachrichten für die Finanzmärkte einzuschätzen. Es zeige sich, dass eine bereits zu verzeichnende Konjunkturabschwächung der FED nicht reiche, die Inflation nachhaltig zu bremsen - dafür müsse sich tatsächlich die Beschäftigungssituation verschlechtern. Der Arbeitsmarktberichte würden also weiter in den Fokus rücken. Obwohl die Wirtschaft der USA (vielleicht auch nur im Vergleich zu jener in Europa) noch robust erscheine, möge eine Rezession der Preis der Inflationsbekämpfung sein - wenn es sein müsse.

Höher zu erwartende US-Leitzinsen würden Aktien belasten und Zinsen für US-Treasuries und den US-Dollar weiter beflügeln können. Die Implikationen einer länger anhaltenden inversen Zinsstrukturkurve für die Konjunktur seien bekannt - doch das habe für die FED jetzt keine Top-Priorität.

Fazit: Auf der gestrigen FOMC-Sitzung habe die Federal Reserve die FED Funds Target Rate den dritten Mal in Folge um 75bp auf nun 3,25% angehoben. Eine hartnäckig hohe Inflation habe dies erwarten lassen. In den Zinsprojektionen gehe das FOMC (im Median) nun für Ende 2022 von einem Zinssatz von 4,4% (bisher vom Juni: 3,5%) und für 2023 von 4,6% (bisher: 3,8%) aus. Mit moderaten Zinssenkungen sei erst 2024 zu rechnen. Die Projektionen seien für das BIP-Wachstum deutlich nach unten (2022: 0,2%) und für die Arbeitslosenquote nach oben genommen worden.

Jerome Powell habe betont, eine restriktive Geldpolitik länger beibehalten zu wollen. Als Voraussetzungen für eine Tempoverringerung bei den Zinsanhebungen seien von ihm unterdurchschnittliche Wachstumsraten, sich eintrübende Arbeitsmarktbedingungen sowie klare Hinweise auf eine Inflationsmoderation genannt worden. Erst "Schmerzen" auf dem Arbeitsmarkt könnten die nachfragegetriebene Inflation bremsen. Konjunkturelle Fragen würden zunächst einmal eine untergeordnete Rolle für die FED spielen - Inflation habe Top-Priorität. (22.09.2022/alc/a/a)