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USA: Zinsanhebung um 75 BP auf 4,00% - jetzt Abbremsen abhängig von den Daten


03.11.22 10:30
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Erwartungsgemäß hat die FED gestern Abend die FED Funds Target Rate zum vierten Mal in Folge um 75 Basispunkte auf nunmehr 4,00% (oberes Band) angehoben, so die Analysten der Nord LB.

Angesichts einer hartnäckig hohen Inflationsrate und anhaltender Inflationssorgen stelle dieser Zinsschritt keine Überraschung dar. Die Entscheidung im FOMC sei einstimmig gefallen. Ohne die Bekanntgabe neuer Projektionen sei der Fokus allein auf das FOMC-Statement und die Äußerungen Jerome Powells gerichtet gewesen.

Das Statement habe einige wichtige Anpassungen enthalten, die zusammengefasst tendenziell als eher dovish zu bezeichnen sein dürften. Zwar würden "weitere Zinsanhebungen" als "angemessen" angesehen (wie es seit März der Fall sei), und diese Politik sei "ausreichend restriktiv" fortzusetzen bis die Inflation 2% erreiche.

Ein weiterer Zusatz lasse aber aufhorchen: Bei den zukünftigen Zinsschritten seien drei Aspekte mit zu berücksichtigen. Dazu würden die "kumulierten bisherigen Zinsanhebungen", "die Wirkungsverzögerungen von restriktiver Geldpolitik" sowie "konjunkturelle und finanzielle Entwicklungen" gehören. Diese Anerkennung des Umfangs der bisherigen Straffung und der Verzögerungen bei der Übertragung der Geldpolitik würden darauf hindeuten, dass das Gremium dabei sei, nun das Tempo der Zinsanhebungen zu drosseln - und zwar ab jetzt.

In der Pressekonferenz habe FED-Chef Jerome Powell dann doch tendenziell hawkish geklungen. So habe er angemerkt, dass "noch einige Schritte zu gehen" seien und die letzten Konjunkturdaten eher darauf hindeuten würden, dass der finale Leitzinssatz wohl höher sein dürfte, als noch auf der September-Sitzung angenommen worden sei. Der FED-Chef habe betont, dass es zu früh sei, über eine Pause bei den Zinsanhebungen zu diskutieren.

Zwar habe er durchblicken lassen, dass das Tempo der Rate Hikes bereits "auf der nächsten Sitzung" reduziert werden könnte. Doch er habe auch bestätigt, dass die Federal Reserve eher noch mehr als zu wenig Zinsanhebungen folgen lassen wolle - die Fehler einer zu frühzeitigen Pause werde sie nicht begehen. Im Falle einer zu starken Überspannung habe die Notenbank durchaus die Mittel, die Konjunktur wieder zu stabilisieren. Letztlich habe er aber auch den neuen Tenor im Statement wiederholt, dass "die Höhe der bisherigen kumulativen restriktiven Anpassungen in ihrer Wirkung auf die Wirtschaft" in die Bewertung einbezogen werde.

Zusammenfassend lasse sich konstatieren, dass die Zeiten der "Jumbo-Zinsanhebungen" jetzt sehr wahrscheinlich vorbei seien. Bereits im Dezember werde ein moderaterer Zinsschritt folgen. Dieser werde je nach den Entwicklungen der noch zwei anstehenden Berichte zum Arbeitsmarkt und zur Inflation bei 50 oder 25 Basispunkten liegen. Die Federal Reserve sei sich bewusst, dass der Sprung der Leitzinsen von 0,25% noch im März auf zum Jahresende über 4,00% Auswirkungen haben werde - auf Konjunktur und Inflation.

Anzeichen von Abschwächungen seien Grundvoraussetzungen für moderatere Zinsschritte. Das dürfte sich bald ergeben. Je nach Ausmaß von wirtschaftlicher Moderation und aufkommender Stresssignale werde in 2023 die Zinsanhebungsorgie beendet sein. Agiere die Federal Reserve restriktiver, gerate die US-Wirtschaft in eine Rezession.

Trotz der vermutlichen Temporeduzierung bei den Rate Hikes lasse ein möglicherweise höherer finaler Leitzinssatz Kapitalmarktzinsen und US-Dollar steigen sowie die Aktienmärkte fallen.

Auf der gestrigen FOMC-Sitzung habe die Federal Reserve die FED Funds Target Rate zum vierten Mal in Folge um 75 BP auf nun 4,00% angehoben, was angesichts einer hartnäckig hohen Inflation bei über 8% nicht überraschend sei. Bei den zukünftigen Zinsschritten seien gemäß FOMC die "kumulierten Zinsanhebungen", "die Wirkungsverzögerungen restriktiver Geldpolitik" sowie "konjunkturelle und finanzielle Entwicklungen" zu berücksichtigen.

Diese Anerkennung des Umfangs der bisherigen Straffung und der Verzögerungen bei der Übertragung der Geldpolitik würden erkennen lassen, dass das Gremium nun geneigt sei das Tempo der Zinsanhebungen zu drosseln. Während Jerome Powell dieses neue Narrativ wiederholt habe, habe er auch betont, dass "noch einige Schritte zu gehen" seien und die letzten Konjunkturdaten eher darauf hindeuten würden, dass der finale Leitzinssatz höher sein dürfte. Heiße das jetzt: Weniger aber Länger? It's the economic indicators, stupid! Darauf komme es jetzt an! (03.11.2022/alc/a/a)