USA: Was stoppt die Inflation?


03.06.22 12:35
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Kann die hohe Teuerung ohne eine Rezession unter Kontrolle gebracht werden oder ist das Ende des aktuellen Zyklus schon 2023 - nur drei Jahre nach seinem Beginn - unvermeidbar? Das hängt unter anderem davon ab, was die unmittelbaren Ursachen des Inflationsschubs sind, so die Analysten der Helaba.

Aus Sicht der Analysten seien die nachfrageseitigen Ungleichgewichte diesmal stärker sektoral konzentriert und absolut gesehen kleiner als in früheren "spätzyklischen" Phasen. Sie scheinen zudem von einer Größenordnung zu sein, die auch ohne Rezession korrigierbar wäre. Ein guter Teil des Teuerungsschubs sei weniger von "zu viel Nachfrage" gekommen, sondern eher von angebotsseitigen Faktoren, häufig punktuellen "bottlenecks": einzelnen Vorprodukte wie Chips, Rohstoffen, aber auch Logistik-Engstellen.

Schließlich habe niemand mit einer so starken Verknappung des Arbeitskräfteangebots gerechnet, wie sie sich 2020/2021 eingestellt habe. Gegen diese Probleme könne eine Notenbank nicht direkt vorgehen, aber die Perspektiven für eine nennenswerte "Hilfe von der Angebotsseite" seien mit dem Abflauen der Pandemie diesmal besser als sonst. Dies gelte auch und insbesondere für den Arbeitsmarkt.

Kritisch seien hingegen die jüngsten angebotsseitigen Schocks (Lockdowns in China, Ukraine-Krieg), die eine Normalisierung verzögern würden. Der Index der New York FED für globale Lieferkettenprobleme (GSCPI) zeige nach der merklichen Entspannung Anfang des Jahres für den April wieder eine Verschlechterung der Lage.

Wie viel genau die FED vor diesem Hintergrund nun tun müsse, um Nachfrage und Angebot wieder ins Gleichgewicht zu bringen, sei eine komplizierte Frage - vielleicht Thema für eine Folgepublikation. Die Geldpolitik beeinflusse primär die Nachfrage-, nicht die Angebotsseite. Wenn sich letztere entgegen der Analysten-Erwartung wenig oder zu langsam entspannen sollte, müsste die FED wohl auf die derzeit avisierte Straffung der Geldpolitik noch was draufpacken. Eine Rezession 2023 würde dann wahrscheinlich.

Hilfe, wenn auch größtenteils ungeplant, erhalte die FED schon jetzt vonseiten der Fiskalpolitik. Nach dem Rekordstimulus des Jahres 2020 sei der direkte fiskalische Impuls nach den Zahlen des IWF bereits 2021 und 2022 deutlich negativ. Da der Fiskalmultiplikator größer als eins sein sollte, dämpfe die Steuer- und Ausgabenpolitik des Staates die Konjunktur schon in einem noch über diese direkten Effekte hinausgehenden Maß.

Vergleiche mit historischen Episoden, in denen die Teuerung ähnlich hoch gewesen sei wie heute, würden hinken: 2022 sei nicht 1982. Karl Marx habe zwar behauptet, die Geschichte wiederhole sich. Die Analysten würden es aber eher mit dem amerikanischen Schriftsteller und Journalisten Mark Twain halten: Die Geschichte wiederhole sich nicht, aber sie reime sich oft. (03.06.2022/alc/a/a)





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