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USA: Stimmen aus FOMC warnen vor überschwänglicher Euphorie


13.01.23 14:39
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Das Highlight dieser Woche war die Veröffentlichung des Verbraucherpreisindex (VPI) in den USA, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Nachdem dieser im Oktober und im November nach unten überrascht habe, sei die Dezember-Veröffentlichung genau auf den Erwartungen zu liegen gekommen. Während der Preisauftrieb in der Gesamtbetrachtung von 7,1% p.a. auf 6,5% p.a. gesunken sei, sei die Kerninflation (Waren und Dienstleistungen ex Energie und Nahrungsmittel) etwas weniger dynamisch von 6% auf 5,7% gefallen. Ein ausschlaggebender Faktor seien die Energiepreise gewesen, welche um 4,5% p.m. gesunken seien. Damit hätten in fünf der letzten sechs VPI-Publikationen sinkende Energiepreise (auf Monatsbasis) verbucht werden können.

Auch die Kerngüterpreise hätten mit einem Absinken in Höhe von 0,3% p.m. einen Beitrag zur sinkenden Inflationsentwicklung beitragen können - obgleich in einem geringeren Ausmaß als noch im Vormonat. Die Kerndienstleistungspreise hingegen seien im Vormonatsvergleich mit 0,5% p.m. deutlicher angestiegen als zuvor. Dominiert worden sei diese Entwicklung abermals von einem dynamischen Wachstum bei den Wohnkosten. Diese seien bereits in der jüngeren Vergangenheit ein maßgeblicher Faktor für die höhere Entwicklung der Kerninflation gewesen. Allgemein sei die Dezember-VPI-Veröffentlichung als positive Bestätigung des abnehmenden Inflationsdrucks in den USA zu interpretieren. Die durchschnittliche Gesamt- und Kerninflationsrate in den USA für das Jahr 2022 betrage 8,0% und 6,2%.

Die Inflationsentwicklung der letzten drei Monate in den USA werde seitens der US-Notenbank FED begrüßend beobachtet, sehe man sich dadurch in der durchgeführten geldpolitischen Straffung im abgelaufenen Jahr doch bestärkt. Gleichzeitig würden Stimmen aus dem Offenmarktausschuss (FOMC) der Federal Reserve vor überschwänglicher Euphorie warnen. Einerseits befinde sich das Inflationsniveau noch immer sehr deutlich über dem Inflationsziel. Andererseits sei der Arbeitsmarkt weiter als überhitzt einzuschätzen und eine nachhaltige Entspannung des Lohnwachstums noch nicht absehbar, was Inflationsrisiken schüre. Demnach sei die Botschaft seitens der FED unverändert: Weitere Leitzinserhöhungen auf mindestens 5% (auch wenn in geringerem Tempo) und Leitzinsen auf dem dann erreichten Niveau für eine längere Zeit.

Am Zinsmarkt sehe man sich durch die Dezember-Inflationszahlen jedoch darin bestärkt, dass der Leitzinszyklus im März enden könnte (konsistent mit der Prognose der Analysten) und erste Zinssenkungen bereits im zweiten Halbjahr erfolgen würden (nicht konsistent mit der Prognose der Analysten). Dieser Disinflation-Trade habe in den letzten Wochen zu sinkenden Treasury-Renditen nicht nur aber vor allem am längeren Ende der Renditekurve geführt. Auch wenn die sinkende US-Inflation zu begrüßen sei, stimme die Analysten die aktuelle Diskrepanz zwischen Markterwartung und FED-Kommunikation kritisch, dass auf Sicht der nächsten Wochen sich der Renditetrend auch wieder umkehren könne. Mittelfristig würden die Analysten aber ebenso einen Abwärtstrend bei den Renditen erwarten.

Die Entwicklungen am Treasury-Markt und die Vermutung, dass sich das Inflationsmuster auch in Europa mit einer zeitlichen Verzögerung ähnlich darstellen könnte, hätten auch auf der EUR-Zinskurve in den ersten Januar-Tagen zu sinkenden Renditen geführt. Hier konzentriere sich die Dynamik aber stärker auf längere Laufzeiten, da auf kurze Sicht weniger renditedämpfender Rückenwind seitens der EZB erwartet werde - es würden für H2'23 keine Zinssenkungen gepreist. Diese Diskrepanz - erwartete zeitliche Divergenz des Endes der Leitzinszyklen - habe auch dazu geführt, dass der Euro in den letzten Wochen deutlich aufgewertet habe und auch nach der Veröffentlichung der US-Inflationsdaten auf über 1,08 (EUR/USD) habe zulegen können.

In der Eurozone stünden nächste Woche nur wenige Veröffentlichungen auf dem Programm, welche darüber hinaus kaum bahnbrechendes Potenzial besitzen würden. Während die Analysten beim ZEW für die aktuelle Lage der deutschen Wirtschaft nur eine minimale Aufwärtsbewegung vermuten würden, würden sie beim entsprechenden Index für die zukünftige Entwicklung etwas mehr Potenzial für einen Anstieg sehen. Nichtsdestotrotz würden beide Indikatoren immer noch im klar negativen Bereich notieren. In den USA stünden erste Stimmungsindikatoren für 2023 am Datenkalender und manche Konjunkturdaten (Industrieproduktion und Einzelhandelsumsätze) für Dezember. Tendenziell werde eher eine nachteilige Dynamik für die US-Konjunktur zum Jahreswechsel erwartet. (13.01.2023/alc/a/a)