USA: Peak Inflation scheint überwunden - Ein Risiko bleibt!


16.11.22 09:15
ThirdYear Capital

München (www.anleihencheck.de) - Die Daten bestätigen jetzt den von Analysten erwarteten Wendepunkt in den Inflationsraten, wodurch für die Märkte ein Pfad der Erholung entstanden ist, so Martin Roßner von ThirdYear Capital.

Es gebe mehrere Gründe, die dafür sprächen, dass sich der Abschwung in den Inflationsraten bis in das nächste Jahr fortsetzen dürfte. Der Preisanstieg abseits von Mieten und Nahrungsmittel verlangsame sich deutlich. Eine fortgesetzte Disinflation oder sogar Deflation bei den Güterpreisen würde den Verbraucherpreisindex nächstes Jahr unter vier Prozent drücken. Bereits im September habe die monatliche Kerninflation bei Güterpreisen bei null, im Oktober nun bei -0,3 Prozent gelegen. Das enorme Ausmaß der finanziellen Straffung führe mindestens zu anhaltenden Trends der Abkühlung, wenn sie sich nicht sogar beschleunigen würden. Auch bei der Mietinflation im Privatsektor werde ab Anfang nächsten Jahres eine Abnahme erwartet, da Immobiliendienstleister wie Zillow und CoreLogic fallende Wachstumsraten in diesem Bereich prognostizieren würden. Die Mietinflation sei zwar auf dem Weg, auch im kommenden Jahr deutlich über dem 2 Prozent-Ziel der FED zu liegen, jedoch sei deren Gewichtung im von der FED mehr beachteten PCE-Index geringer als im zuletzt berichteten CPI.

Ein geringeres Inflationsrisiko in den USA würde zu stabileren Währungen führen und damit auch die Inflationsbekämpfung in anderen Ländern, beispielsweise in Europa, erleichtern. In diesem Szenario gebe es verbesserte Chancen für ein ausgewogenes Portfolio über alle Anlageklassen hinweg. Die abnehmende Geschwindigkeit der Zinsanhebungen von 75 Bp auf 50 Bp sei nun für den US-Zinsentscheid im Dezember zu 80 Prozent eingepreist und habe bereits für eine kräftige Erholung gesorgt. Es gebe jedoch noch keine komplette Entwarnung für den amerikanischen Zyklus. Die Atlanta FED schätze, dass das Lohnwachstum nach einer Abkühlung im Oktober wieder von 6,3 Prozent auf 6,4 Prozent gestiegen sei. Das Niveau der Lohnsteigerungen bleibe insgesamt daher zu hoch und sei bisher mit dem Inflationsziel von 2 Prozent unvereinbar, wodurch die FED bei Bedarf die Straffung jederzeit wieder aufnehmen könnte. Auch kleinere Zinsanhebungen könnten bei schwachen Wachstumsaussichten zu erheblichen Kursverlusten führen. (16.11.2022/alc/a/a)