USA: Die Inflationsraten gehen zurück - Eine Jumbo-Zinsanhebung um 75 Bp nicht mehr erwartet


11.11.22 09:00
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Nach einer Umfrage des ifo Instituts hat sich die Geschäftslage in der chemischen Industrie im Oktober weiter verschlechtert, berichten die Analysten der NORD/LB.

Der entsprechende Index sei auf -19,9 Punkte nach -11,7 im September gefallen. "Die hohen Materialkosten können nicht mehr ohne weiteres auf die Verkaufspreise abgewälzt werden und belasten die Ertragslage in der chemischen Industrie", habe es geheißen.

Die US-Verbraucherpreise seien im Oktober weniger stark als befürchtet gestiegen: Die Gesamtrate habe um 0,4% M/M und die Kernrate um 0,3% M/M zugelegt. Die Inflationsraten würden zurückgehen, aber sie würden für die FED mit 7,7% in der Headline und 6,3% in der Kernrate weiterhin zu hoch bleiben. Dies spreche für eine nochmalige Zinsanhebung auf der nächsten FOMC-Sitzung am 14. Dezember. Immerhin könnten aber Anzeichen einer gewissen Entspannung durchaus ausgemacht werden. Eine Jumbo-Zinsanhebung um 75 Bp werde es also nicht mehr sein, auf Zinsanhebungen entweder um 50 Bp (angesichts starker Arbeitsmarktdaten wahrscheinlich) oder 25 Bp werde es damit hinauslaufen. Die Wahrscheinlichkeit, dass die US-Notenbank danach sogar ganz abwarten werde, sei deutlich gestiegen. Das sei echt erfreulich! Die Finanzmärkte würden direkt mit steigenden Aktienkursen, fallenden Zinsen für US-Treasuries und Bunds sowie einem erstarkten Euro in US-Dollar "jubeln".

Am heutigen Freitag dürften sicherlich die gestern veröffentlichten Inflationsdaten aus den USA noch ein wenig nachhallen, da sie die geldpolitische Grundausrichtung für die kommende FOMC-Sitzung am 14. Dezember mitbestimmen würden. Der Nachhall gelte vermutlich umso mehr, da es in den kommenden Stunden wenig Neues für die Finanzmärkte bekannt zu geben werde. Am Nachmittag dürfe man sich zwar auf das (vorläufige) Verbrauchervertrauen der Universität von Michigan konzentrieren, aber an dem Eindruck eines massiven Einbruchs in den letzten Monaten werde sich nun im Berichtsmonat November wohl kaum etwas geändert haben. Bleibe nur noch ein Blick auf die Vorträge von vier EZB-Notenbankern. Vielleicht kämen ja von dieser Seite nochmals Impulse für die Finanzmärkte. Ansonsten heiße es: Langsam mal das Wochenende einläuten!

Dt. Staatsanleihen hätten von der stärker als erwartet nachlassenden US-Inflation profitiert und deutliche Kursgewinne erzielt. Die Hoffnung, dass die FED nach den jüngsten Inflationsdaten ihr geldpolitisches Straffungstempo etwas drosseln könnte, habe die Kurse der US-Staatspapiere deutlich anziehen lassen. (11.11.2022/alc/a/a)