USA: Inflation bleibt weiter hartnäckig hoch - und die FED muss mit 75 BP reagieren!


13.09.22 16:54
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - In den USA wurden vor einigen Minuten aktuelle Daten zur Entwicklung der Konsumentenpreise gemeldet, so die Analysten der Nord LB.

Im August sei es zu einem marginalen Anstieg um 0,1% gekommen. Wie bereits im Juli stagniere das Preisniveau mehr oder weniger. Damit korrespondiere eine Jahresrate von 8,3%. Dies sei immerhin ein Rückgang zum Vormonat - aber weniger deutlich als erwartet. Die Kernrate habe sogar um recht massive 0,6% M/M angezogen. Ein so deutlicher Anstieg sei nicht erwartet worden. Bei dieser Zeitreihe sei die Jahresrate wieder angezogen auf nunmehr 6,3%, fast so hoch wie im März.

Die Preisentwicklung zeige nicht die erhoffte Entspannung. Allein bei den Benzinpreisen sei in den USA eine starke Entlastung für die Verbraucher zu beobachten. Sei an den Zapfsäulen Mitte Juni noch 5 US-Dollar pro Gallone als Preis für die Freiheit per Auto zu bezahlen gewesen, rutsche dieser zuletzt unter 3,80 US-Dollar. Das sei durchaus eine positive Tendenz für die autoverwöhnten US-Amerikaner. Letztlich beschränke sich die Entspannung aber auch allein auf Transport und Energie: Unter Ausklammerung der Energie hätten die Konsumentenpreise um sogar 0,6% M/M zugelegt.

So hätten die Nahrungsmittelpreise nach Juli nun auch im August weiter angezogen (0,8% M/M). Als Gründe seien unter anderem aufzuführen fehlende Arbeitskräfte (Demographie, hoher Krankenstand) und dadurch notwendigerweise höhere Löhne, sowie gestiegene Rohstoffpreise und anhaltende Engpässe in Häfen. Zusätzlich hätten auch die in den vergangenen Jahren deutlich gestiegenen Immobilienpreise und Einkommen die Mieten höher getrieben, was Implikationen für die Inflationsentwicklung auf der Stufe der Konsumenten habe (0,8% M/M). Dieser Trend dürfte zunächst auch noch anhalten. Außerdem habe es deutlichere Preisanstiege im Gesundheitsbereich (0,7% M/M) gegeben.

Um die Inflation zu bekämpfen, habe die FED die Leitzinsen seit März um 225 Basispunkte angehoben. Weitere Zinsanhebungen um 175 BP noch in 2022 scheinen quasi in der Pipeline zu sein, so die Analysten der Nord LB. Das gelte trotz vorteilhafter Basiseffekte und der nun insgesamt langsam rückläufigen Inflation. Doch die Entspannung sei nicht so deutlich wie erhofft ausgefallen. Zudem wolle die FED die Fehler der 70er Jahre nicht wiederholen, zu früh die restriktivere Fahrweise zu beenden. Insofern würden die Analysten am 21.09. mit einer Zinsanhebung um 75 BP rechnen - zum dritten Mal in Folge. Und danach heiße es: Data-watching!

Ein Blick auf die Historie lasse eine gewisse Bremswirkung von Inflation auf die Konjunktur erwarten. Dieser Effekt könnte durch hohes Sparvolumen, Nachholeffekte, Lohnsteigerungen und eine expansive Fiskalpolitik etwas hinausgeschoben werden - doch er werde angesichts der sehr hohen Inflation und stark gestiegenen Zinsen im Zeitablauf eintreten. Dann könnte eine gewisse Disinflation tatsächlich folgen und die Federal Reserve würde das Tempo bei der geldpolitischen Straffung herunterfahren, was bereits ab dem 4. Quartal der Fall sein sollte. Für die Konjunktur wäre dies wiederum dann eine gute Nachricht, würde das Szenario "soft landing" wieder etwas wahrscheinlicher werden. Doch zunächst einmal würden die heutigen Inflationszahlen nur einen 75 BP-Hike zulassen!

Die Veränderungsrate der US-Verbraucherpreise habe im August unerfreulich überrascht: Die Gesamtrate habe trotz Benzinpreisrückgang um 0,1% M/M zugelegt und die Kernrate habe sogar um 0,6% M/M angezogen. Die Inflationsentwicklung bleibe der FED mit höher als erhofften Jahresraten von 8,3% (beziehungsweise 6,3% bei der Kernrate) ein Dorn im Auge. Von einer nachhaltigen Entspannung könne also noch nicht gesprochen werden. Insofern scheine jetzt alles auf eine nochmalige Jumbo-Zinsanhebung um 75 Basispunkte am 21.09. hinauszulaufen.

Eine FED Funds Target Rate von (mindestens) 4% müsse für Ende 2022 angepeilt werden. Während die Aktienmärkte und der Euro unter Druck geraten seien, seien Staatsanleiherenditen von Bunds und US-Treasuries deutlich angestiegen. Der Kampf gegen die Inflation sei noch keineswegs gewonnen - das hätten die US-Notenbanker zuletzt auch immer wieder betont! (13.09.2022/alc/a/a)