USA: Die Inflation im Oktober unter den Erwartungen


14.11.22 08:30
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Nachdem die Verbraucherpreis-Inflation in den USA im September noch nach oben überrascht hatte, lag die Inflation im Oktober unter den Erwartungen, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Der Preisauftrieb sei von 8,2% auf 7,7% p.a. (gegenüber 8,0% erwartet) gefallen und die Kerninflation von 6,6% auf 6,3% p.a. (gegenüber 6,5% erwartet). Diese Überraschung sei vor allem auf einen weniger dynamischen Preisdruck bei Gütern ex Energie und Nahrungsmittel (Kernwaren) zurückzuführen, deren Preisauftrieb von 0,6% auf 0,3% p.m. zurückgegangen sei. Die Kerngüterpreise seien sogar um 0,4% p.m. gesunken, während die Kerndienstleistungspreise um 0,5% p.m. gestiegen seien, was ebenfalls gedämpfter sei als zuvor. Bei den Preisen für Kerndienstleistungen seien es vor allem Mieten, die weiterhin dynamisch wachsen würden.

Die niedriger als erwarteten Inflationszahlen hätten eine deutliche Reaktion an den Finanzmärkten ausgelöst. Treasury-, aber auch Bund-Renditen, seien gesunken. Die 10-jährige Treasury-Rendite sei unter 4% bzw. 28 Basispunkte gefallen. Die 2-jährige Rendite habe sich fast im gleichen Ausmaß (25 BP) reduziert, sodass sich die gesamte Treasury-Kurve zwischen zehn und 2 Jahren nach unten verschoben habe. Für EUR/USD sei die Nachricht USD-negativ gewesen, EUR/USD erreiche somit den höchsten Stand seit Mitte September. Für die Federal Reserve würden die Inflationszahlen eine Erleichterung darstellen. Eine Verringerung des Tempos der Zinserhöhungen, wie auf der FOMC-Sitzung Anfang November signalisiere, sei damit wahrscheinlicher geworden, was die Prognose der Analysten der RBI einer Zinserhöhung um 50 Basispunkte im Dezember unterstütze. Ungeachtet der niedrigeren Inflationszahlen werde die US-Notenbank aber nicht von ihrem hawkishen Kurs abweichen, da es noch ein weiter Weg sei, bis das Inflationsziel wieder erreicht sei.

Hinsichtlich der Eurozone stünden diese Woche - abseits der Publikation einiger Indikatoren untergeordneter Relevanz - keine bahnbrechenden Veröffentlichungen auf der Agenda. Hinsichtlich der Entwicklung der Industrieproduktion im September würden die Analysten der RBI - basierend auf bereits erhältlichen Daten - einen Anstieg auf Monatsbasis antizipieren (allerdings könnten hier in Kürze erste Gegenwinde aufkommen). Unsere Modelle deuten des Weiteren auf einen Anstieg der Beschäftigungszahlen im dritten Quartal hin, was von bereits publizierten Stimmungsindikatoren bekräftigt wird, so die Analysten der RBI.

Nichtsdestotrotz bleibe die Gemütslage in der Eurozone getrübt. Dies werde höchstwahrscheinlich auch von einem klar negativen ZEW-Index für den Monat November bestätigt werden, obwohl für den genannten Stimmungsindikator durchaus eine Erholungsbewegung im Vergleich zu den Vormonaten vermutet werde. Die in diesem Kontext erscheinenden Daten könnten des Weiteren darauf hindeuten, dass die Finanzmärkte die zukünftige ökonomische Entwicklung weitaus positiver betrachten würden als die aktuelle konjunkturelle Lage. Hinsichtlich der BIP-Zahlen für das dritte Quartal konnten wir keine Gründe beobachten, die eine starke Abweichung von bereits erschienenen Schätzungen rechtfertigen könnten, so die Analysten der RBI. (Ausgabe vom 11.11.2022) (14.11.2022/alc/a/a)