USA: Eine langsam, langsamere Inflation! Hat diese den Landeanflug eingeleitet?


10.11.22 15:30
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - In den USA wurden soeben aktuelle Daten zur Entwicklung der Konsumentenpreise gemeldet, so die Analysten der Nord LB.

Im Oktober sei es zu einem Anstieg um 0,4% M/M gekommen. Damit "verlangsamte" sich die Jahresrate auf 7,7%. Seit dem Hoch im Juni bei 9,1% seien sukzessive Rückgänge zu verzeichnen. Die Kernrate habe um 0,3% M/M angezogen. Bei dieser Zeitreihe sei die Jahresrate auf 6,3% zurückgegangen.

Die Preisentwicklung sei unterhalb der Erwartungen ausgefallen und zeige mittlerweile durchaus gewisse Entspannungstendenzen. Sogar Monatsrückgänge seien bei Preisen für Gebrauchtwagen, für Flugreisen sowie für Gesundheit auszumachen. Nachdem bei den Energiepreisen in den vergangenen drei Monaten stärkere Entlastungen für die Verbraucher zu beobachten gewesen seien - die Gallone habe an den Zapfsäulen nur noch 3,70 USD nach über 5,00 USD im Juni gekostet - habe sich im Oktober dagegen wieder ein leichter Anstieg ergeben.

Daneben hätten die in den vergangenen Jahren deutlich angezogenen Immobilienpreise und Einkommen die Mieten erneut höher getrieben. Diese Effekte hielten im Oktober an, scheinen aber ein wenig abzuebben, was sich unseres Erachtens in den kommenden Monaten fortsetzen sollte, so die Analysten der Nord LB. Insgesamt würden fehlende Fachkräfte und dadurch höhere Löhne sowie gestiegene Rohstoffpreise und zu einem gesamtwirtschaftlich betrachtet zu hohen Preisdruck beitragen - das Thema Engpässe könnte dabei aber in seiner Bedeutung verlieren.

Um die Inflation zu bekämpfen, habe die Federal Reserve die Leitzinsen seit März um 375 Basispunkte angehoben. Die heutigen Inflationszahlen würden eine nochmalige Zinsanhebung in 2022 erfordern, die bereits in der Pipeline sei. Das gelte trotz einer nun langsam langsameren Inflation. Anzeichen für eine gewisse Entspannung scheinen mittlerweile erkennbar zu sein, so die Analysten der Nord LB. Dennoch seien die Inflationsraten in Headline und Kernrate natürlich weiterhin unerfreulich hoch. Zudem möchte die Federal Reserve auf gar keinen Fall die Fehler der 70er Jahre wiederholen und zu früh die restriktivere Fahrweise beenden.

Andererseits werde die anhaltend hohe Inflation die Konjunktur abbremsen. Dieser Effekt könnte durch ein hohes Sparvolumen, Nachholeffekte, Lohnsteigerungen und eine expansive Fiskalpolitik zwar etwas hinausgeschoben werden - doch eine Konjunkturschwäche werde angesichts der sehr hohen Inflation und der stark gestiegenen Zinsen im Zeitablauf eintreten. Damit müsse die Federal Reserve das Tempo der geldpolitischen Straffung ab Dezember herunterfahren. Für die Konjunktur wäre dies wiederum insofern eine gute Nachricht, da damit das Szenario "soft landing" wieder ein wenig wahrscheinlicher werden könnte.

Insofern würden die Analysten am 14. Dezember mit einer reduzierten Zinsanhebung rechnen - und zwar um 50 BP oder 25 BP. Powells Äußerungen sowie der letzte Arbeitsmarktbericht würden aktuell wohl für 50 BP sprechen. Doch jeweils ein weiterer Datenkranz sowohl zur Beschäftigung als auch zu den Konsumentenpreisen stünden vor der nächsten FOMC-Sitzung noch an. Es bleibe also spannend!

Die US-Verbraucherpreise seien im Oktober weniger stark als befürchtet gestiegen: Die Gesamtrate habe um 0,4% M/M und die Kernrate um 0,3% M/M zugelegt. Die Inflationsraten würden zurückgehen, aber sie würden für die FED mit 7,7% in der Headline und 6,3% in der Kernrate weiterhin zu hoch bleiben. Dies spreche für eine nochmalige Zinsanhebung auf der nächsten FOMC-Sitzung am 14. Dezember. Immerhin könnten aber Anzeichen einer gewissen Entspannung durchaus ausgemacht werden.

Eine Jumbo-Zinsanhebung um 75 BP werde es also nicht mehr sein, auf Zinsanhebungen entweder um 50 Basispunkte (angesichts starker Arbeitsmarktdaten wahrscheinlich) oder 25 Basispunkte werde es damit hinauslaufen. Die Wahrscheinlichkeit, dass die US-Notenbank danach sogar ganz abwarten werde, sei deutlich gestiegen. Das sei echt erfreulich! Die Finanzmärkte "jubeln" direkt mit steigenden Aktienkursen, fallenden Zinsen für US-Treasuries und Bunds sowie einem erstarkten Euro in US-Dollar. (10.11.2022/alc/a/a)