USA: 8% oder 6% Inflation? Das kommt drauf an!


03.06.22 15:30
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die in der Berichtswoche anstehenden US-Verbraucherpreisdaten für den Mai werden - angesichts des neuerlichen Schubs bei den Energiepreisen - wohl wieder einen kräftigen Anstieg ausweisen, so die Analysten der Helaba.

Die Analysten der Helaba würden damit rechnen, dass der CPI um 0,7% gegenüber Vormonat gestiegen sei. Die Vorjahresveränderung betrüge dann 8,2%. Damit bleibe die Teuerungsrate unter dem Hoch vom März (8,5%). Dies gelte auch für die Kernrate (Prognose Mai: 5,9%, Hoch im März: 6,5%). Der Preisdruck sei damit weiterhin problematisch hoch - auch für die Notenbank. Wie viel sie tun müsse oder könne, um die Inflation "einzufangen", sei eine schwierige Frage. Die Analysten der Helaba würden hierzu in Kürze einen Länderfokus USA veröffentlichen.

Grundsätzlich verfolgt die FED ja ein Inflationsziel von rund 2%, von dem wir derzeit meilenweit entfernt sind, so die Analysten der Helaba. Dieses numerische Ziel gelte allerdings nicht für den Verbraucherpreisindex CPI, sondern für den Preisindex für Konsumausgaben (PCE), eine separate statistische Größe aus der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung. Zwar würden sich die beiden Größen auch aktuell weitgehend parallel bewegen, der Abstand in der Vorjahresrate sei aber seit 1981 nicht mehr so groß wie heute gewesen: Die Teuerung habe gemessen am PCE-Index im April rund zwei Prozentpunkte niedriger als beim CPI gelegen. Woran liege das?

Zwischen den beiden Größen bestehe eine Reihe von statistischen Unterschieden. Einer davon sei, dass der PCE-Index versuche, Substitutionseffekte zeitnah zu berücksichtigen und damit dem Verhalten der Verbraucher Rechnung zu tragen, Produkte mit stark steigenden Preisen möglichst durch Alternativen zu ersetzen bzw. (temporär) einfach weniger von ihnen nachzufragen. Dieser Faktor sei dann wichtiger, wenn es kräftige Bewegungen bei den Preisen gebe. Allerdings werde dieser Effekt wiederum tendenziell gedämpft, wenn - wie derzeit - alle oder viele Produkte teurer würden, verglichen mit einer Situation, in der sich der Preisdruck auf einige wenige Waren oder Dienstleistungen konzentriere. Dennoch gehe ein Gutteil der derzeitigen Differenz auf die Kategorie "Energie" zurück, wo der Anstieg in den letzten zwölf Monaten besonders kräftig ausgefallen sei.

Zusätzlich würden die unterschiedlichen Gewichte im zugrunde liegenden Warenkorb eine Rolle spielen. Während der CPI nur direkt bezahlte Güter betrachte, folge der PCE einem breiteren Ansatz, der auch Güter berücksichtige, die nur indirekte bzw. implizite Preise hätten, wie beispielsweise vom Arbeitgeber gestellte Krankenversicherungen. Die größte Diskrepanz bei den Anteilen am Warenkorb bestehe bei der Kategorie "Wohnen": Mieten und die Kosten selbstgenutzten Wohneigentums hätten im CPI ein spürbar höheres Gewicht als im PCE. Dies gelte auch für Gebrauchtwagen, die im Warenkorb des PCE ebenfalls geringer gewichtet seien und gemäß CPI aktuell immerhin 23% teurer seien als vor einem Jahr.

Welcher Index die "Lebenswirklichkeit" der Haushalte letztlich besser abbilde, sei ein komplexes und sehr kontroverses Thema. Wahrscheinlich bewege sich die Wahrheit irgendwo in der Mitte - die "wahre Teuerung" liege damit wohl über den 6,3% gemäß PCE, aber niedriger als die 8,3% laut CPI. Sie sei also auf jeden Fall zu hoch. (03.06.2022/alc/a/a)






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