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UK: Neue Premierministerin Liz Truss will die Steuern durch eine Lockerung der fiskalischen Sparmaßnahmen senken


06.09.22 11:30
BNY Mellon IM

Frankfurt am Main (www.anleihencheck.de) - Thilo Wolf, Deutschlandchef von BNY Mellon Investment Management, erläutert die Auswirkungen der Wahl von Liz Truss zur neuen britischen Premierministerin auf die Märkte.

Liz Truss wolle die Steuern durch eine Lockerung der fiskalischen Sparmaßnahmen um 30 Mrd. Britische Pfund senken. Ihre Vorschläge würden unter anderem die Rücknahme der jüngsten Erhöhung der Sozialversicherung für Arbeitgeber und Arbeitnehmer und die Senkung der Körperschaftssteuer auf 19% beinhalten. Darüber hinaus solle es Maßnahmen geben, um die Belastung durch höhere Energierechnungen für Geringverdiener, Rentner und andere Leistungsempfänger auszugleichen. Auch eine vorübergehende Senkung der Mehrwertsteuer sei geplant.

Wenn sich Liz Truss dafür entscheide, die Einkommen - durch Steuersenkungen und Erhöhung von sozialen Leistungen - zu erhöhen, werde dies den Aufwärtsdruck auf die Inflation verstärken. Die Kosten für die Bedienung inflationsgebundener Anleihen würden sich erhöhen.

Größere Haushaltsdefizite und eine höhere Inflation könnten sich in etwas höheren Renditen für Staatsanleihen niederschlagen. Ein Großteil der Anpassung der Renditen und Zinssätze habe aber bereits stattgefunden, da Truss als Favoritin gegolten habe.

Die Auswirkungen auf das Pfund Sterling seien differenzierter. Eine wachstumshemmende fiskalische Straffung, die Rishi Sunak während seiner Amtszeit als Finanzminister vorgenommen habe, sei wohl ein Grund für die schwache Entwicklung des Pfund in diesem Jahr gewesen. Zusätzliche öffentliche Ausgaben und Steuersenkungen könnten einen kurzfristigen Impuls geben, ebenso wie höhere relative Zinssätze. Im Vereinigten Königreich herrsche nach wie vor große Unsicherheit, vor allem in Bezug auf die Lebenshaltungskostenkrise, die Energiekrise und die Bemühungen, diese zu finanzieren, was wiederum den britischen Markt und das Pfund Sterling belaste.

Daher werde jede Klarheit, die die neue Premierministerin Liz Truss schaffen könne, und die ihrerseits ein gewisses Maß an Kontrolle über ihre politische Agenda demonstriere, wahrscheinlich ein positiver Treiber sein.

Das Verbrauchervertrauen befinde sich auf einem Rekordtief, da die Bevölkerung mit Sorgen um einen möglichen weiteren Anstieg ihrer Lebenshaltungskosten bis zum Winter kämpfe. Es sollte also Priorität für Liz Truss sein, diese Probleme anzugehen, sei es durch weitere Subventionen, Steuererleichterungen oder die Einführung einer neuen Energiepreisobergrenze. Dies könnte auch zur Lohnstabilität beitragen, da die derzeitigen Streiks Produktivität und Stimmung im Lande belasten würden.

Um all dies zu erreichen, rechne der Markt mit einer Art Nothaushalt. Angesichts der Tatsache, dass allein das Rettungspaket für den Energiesektor schätzungsweise 50 Milliarden Pfund kosten werde, suche der Markt nach eindeutigen Antworten auf die Frage, wie eine so große Summe auf Dauer finanziert werden solle. Ein vernünftiger Plan würde das Pfund wahrscheinlich stützen. (Ausgabe vom 05.09.2022) (06.09.2022/alc/a/a)