Erweiterte Funktionen

UK: Energie-Fiskalpaket als Herausforderung für die Geldpolitik


13.09.22 08:30
Postbank Research

Bonn (www.anleihencheck.de) - Die neue britische Premierministerin Liz Truss kündigte ein umfangreiches Hilfspaket für Privathaushalte und Unternehmen an, so die Analysten von Postbank Research.

Dies könnte einen Verzicht auf die vorgesehene Erhöhung der Unternehmenssteuern, eine Senkung der Sozialversicherungsbeiträge sowie die Deckelung der Energiepreise im Volumen von insgesamt gut 180 Mrd. GBP beinhalten. Dies wäre äquivalent zu etwa acht Prozent des britischen BIP. Zwar dämpfe die Deckelung der Energiepreise kurzfristig die Inflation, auf längere Sicht dürften die mit den Fiskalhilfen verbundenen Nachfrageimpulse aber zu höheren Verbraucherpreisen führen.

Im zweiten Quartal sei das britische BIP bereits um 0,1 Prozent geschrumpft. Der Composite PMI (Einkaufsmanagerindex), der sowohl den Industrie- als auch den Dienstleistungsbereich umfasse, sei im August mit 49,6 Punkten in den rezessiven Bereich gesunken. Während der PMI im Dienstleistungssektor sich mit 50,9 Punkten wacker geschlagen habe, sei der PMI der Industrie auf 47,3 Punkte eingebrochen.

Die Inflationsrate sei im Juli von 9,4 auf 10,1 Prozent gesprungen. Ohne einen Energiepreis-Cap wären für den Oktober rund 14 Prozent zu erwarten gewesen. Die Bank of England dürfte den Leitzins am 15. September von aktuell 1,75 Prozent weiter erhöhen.

Der Aufwärtsdruck bei den Renditen zehnjähriger britischer Staatsanleihen habe auch aufgrund der geplanten Fiskalhilfen deutlich zugenommen. Im Falle einer anhaltenden Rezession könnten Gilts auf Sicht von sechs Monaten niedriger rentieren als aktuell (3,15 Prozent; Stand: 08.09.2022). (Zinsbulletin September 2022) (13.09.2022/alc/a/a)