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Tschechische Republik: Geldpolitische Lockerung nun doch schneller


12.02.24 11:00
DekaBank

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Schnellschätzung zum realen Bruttoinlandprodukt in Tschechien im vierten Quartal bietet mit einer positiven Wachstumsrate gegenüber dem Vorquartal (+0,2% qoq) einen kleinen Lichtblick in dem sonst recht trüben Konjunkturbild, so die Analysten der DekaBank.

Doch sei das BIP noch 0,2% unter dem Vorjahresniveau geblieben. Die Details seien noch nicht veröffentlicht worden, doch das Statistikamt habe hervorgehoben, dass der private Konsum endlich wieder einen positiven Wachstumsbeitrag geliefert habe. Die Schwäche der Industrie in Deutschland und die Vorgaben der Einkaufsmanagerindices in Tschechien (Januar: 43 Punkte) würden darauf hindeuten, dass ein Wachstumsfeuerwerk auch 2024 ausbleiben dürfte.

Immerhin habe die Tschechische Zentralbank im Dezember 2023 angefangen, geldpolitisch die Zügel etwas zu lockern. Die monatliche Inflationsdynamik in Tschechien sei bereits seit dem Sommer niedrig und überrasche am aktuellen Rand eher nach unten. Das liege aber in erster Linie an den volatilen Lebensmittel- und Energiepreisen, während sich die Inflation im Dienstleistungsbereich hartnäckiger zeige.

Die Headline-Inflationsrate dürfte bereits im ersten Quartal den oberen Zielbereich (2,0% +/- 1 Pp.) erreichen, was die zuvor sehr hawkishe Tschechische Zentralbank bei ihrer Sitzung am 8. Februar dazu bewegt habe, das Tempo der Leitzinssenkungen zu beschleunigen: Der Leitzins sei entgegen der Analysten-Prognose um 50 Bp auf nun 6,25% gesenkt worden. Die Zentralbank betone die pro-inflationären Risiken weiterhin und wolle das Zinsniveau vorerst im restriktiven Bereich belassen, sehe angesichts der schnelleren Disinflation und Konjunkturschwäche aber Spielraum für ein Frontloading.

Die Analysten würden nun 50-Bp-Schritte bei jedem Meeting in der ersten Jahreshälfte und danach langsamere Senkungen erwarten. Der geldpolitische Schwenk habe zur Schwäche der Tschechischen Krone gegenüber dem Euro geführt (-2,2% seit Jahresanfang), doch die Währungsentwicklung scheine für die Tschechische Zentralbank derzeit kein Hindernis für schnelle Senkungen zu sein.

Die exportorientierte tschechische Volkswirtschaft reagiere stark auf die Entwicklung der globalen, insbesondere der deutschen, Konjunktur, die vorerst eher schwach bleiben dürfte. Der Rückgang der Inflation in Verbindung mit Lohnanstiegen sowie die Lockerung der Geldpolitik dürften der äußerst schwachen Konsumtätigkeit in den kommenden Quartalen neue Impulse verleihen. Als Folge der Konjunkturbelebung dürfte die tschechische Wirtschaft 2024 endlich wieder ihr Vor-Corona-Niveau erreichen.

Das Rating Tschechiens befinde sich im sehr soliden Investment-Grade-Bereich (S&P und Fitch: AA-; Moody’s: Aa3), allerdings würden die Agenturen die Perspektiven für die Konjunktur und die öffentlichen Finanzen kritisch sehen und die Bonitätsbeurteilung mehrheitlich mit einem negativen Ausblick versehen. Das Budgetdefizit sei während der Corona-Krise angestiegen und dürfte wegen der neuen Phase wirtschaftlicher Schwäche auch 2023 noch hoch bleiben. Tschechien sei es gelungen, die Erdgaslieferungen aus Russland innerhalb des Jahres 2022 nahezu vollständig zu ersetzen, was die Anfälligkeit des Landes im Falle des Lieferstopps über die Südrouten erheblich reduziere.

Nachdem ein Euro-Beitritt in Tschechien lange nicht als eine echte Option betrachtet worden sei, wolle nun die breite Regierungskoalition, angeführt durch Ministerpräsidenten Fiala von der ODS (Demokratische Bürgerpartei), darüber zumindest beraten. Innerhalb der Regierungskoalition bestehe jedoch keine Einigkeit darüber, ob ein Euro-Beitritt erstrebenswert wäre, die Bevölkerung lehne den Euro mehrheitlich ab und auch die Zentralbank betone traditionell die Vorteile einer unabhängigen Geldpolitik. Die Analysten würden somit kein baldiges Einschwenken auf einen Kurs Richtung gemeinsame Währung erwarten. (Ausgabe vom 09.02.2024) (12.02.2024/alc/a/a)