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Thematisches Investieren in Europa - Welche Sektoren lohnen sich?


22.11.22 11:15
Janus Henderson Investors

London (www.anleihencheck.de) - Nach der Pandemie erlebten die Anleger, dass die Wirtschaft wieder in Schwung kam, die Verbrauchernachfrage anstieg und sich die wirtschaftlichen Bedingungen verbesserten, so Matt Bullock, EMEA Head of PCS, und Sabrina Geppert, Senior Portfolio Strategist im PCS-Team, bei Janus Henderson Investors.

Während sich die Welt von der Pandemie erholt habe, hätten jedoch Lieferkettenunterbrechungen zusammen mit einer rasant steigenden Inflation, Zinserhöhungen und Wachstumsängsten erneut ein schwieriges Umfeld geschaffen. Gleichzeitig würden sich viele Volkswirtschaften in Europa zu Winterbeginn mit Energieengpässen und steigenden Preisen konfrontiert sehen.

Angesichts der aktuellen Lebenshaltungskosten und der Energiekrise würden die Regierungen bei ihren Nachhaltigkeitszielen in einem Dilemma stecken. Regierungen und Gesellschaft müssten sich entscheiden, was ihnen wichtiger sei: 1. das Licht und die Heizung am Laufen zu halten, indem man die Nutzung fossiler Brennstoffe erhöhe, oder 2. sich auf die langfristige ökologische Nachhaltigkeit zu konzentrieren und dabei das Risiko der heutigen Energieknappheit einzugehen. Dies sei ein äußerst schwieriges Dilemma, für das es keine einfache Lösung gebe. Die Experten würden jedoch glauben, dass Regierungen auf der ganzen Welt beide Lösungen anstreben würden - auch wenn sie sich gegenseitig ausschließen würden.

Nachhaltiges Investieren sei ein monumentaler Strukturwandel, der nach Meinung der Experten in diesem Jahrhundert ein Hauptfaktor für die Rendite sein werde. Diese tektonische Verschiebung biete äußerst attraktive Anlagemöglichkeiten.

Das Portfolio Construction and Strategy (PCS)-Team von Janus Henderson Investors ist daher der Ansicht, dass Investitionen in nachhaltige Strategien in Zukunft einen enormen Aufschwung erleben werden. Es werde viele Nutznießer geben, von denen sie sich derzeit auf drei konzentrieren würden:

- Rohstoffe
- Technologie
- Fixed Income

Rohstoffe

Beim Gedanken an eine nachhaltige Zukunft, würden die wenigsten an Rohstoffe als Ausgangspunkt denken. Doch mehr als 120 Länder weltweit hätten sich zum Ziel gesetzt, bis 2050 keine Treibhausgasemissionen mehr zu verursachen. Dies erfordere einen drastischen Wandel der Produktions- und Konsumgewohnheiten von Gesellschaften und Volkswirtschaften. Rohstoffe seien das Herzstück unseres Lebens.

Der wachsende Bedarf an zukünftigen Energiequellen könne beispielsweise nur durch den Rohstoffsektor gedeckt werden. Jede Windturbine, jedes Elektrofahrzeug, jedes Solarpanel werde aus einer Reihe von Rohstoffen hergestellt. Die Gewinnung dieser Rohstoffe sowie die Investition in Unternehmen, die sie verantwortungsbewusst abbauen würden, würden langfristig eine große Chance bieten.

Außerdem beziehe sich der Fokus auf Rohstoffe nicht nur auf mineralische Bodenschätze. Auch die Viehzucht sei ein wesentlicher Bestandteil des Emissionsproblems und damit der Lösung für das Erreichen von Netto-Null. Etwa 65% aller Emissionen aus der Viehhaltung würden auf Rinder entfallen. Eine Verringerung der Emissionen von Rindern hätte also einen spürbaren Einfluss auf das Erreichen des Netto-Null-Ziels. Wie lasse sich das ohne die Tötung von Tieren erreichen? Ein innovativer Weg seien Futtermittelzusätze, auf die sich mehrere Unternehmen konzentriert hätten:

Technologie

Technologie sei per se innovativ und deflationär - sie mache Dinge schneller, billiger und effizienter. Die großen globalen Herausforderungen, wie Klimawandel, Ressourcenknappheit, Armut und Ungleichheit, würden den Einsatz innovativer neuer Technologien erfordern, um Lösungen zu finden.

Dafür gebe es sogar einen eigenen Begriff: "Cleantech". Dieser bezeichne alle Technologieunternehmen, die auf saubere Energie und nachhaltige/grüne Produkte und Dienstleistungen spezialisiert seien. So sei zum Beispiel der Technologiesektor durch Softwareinnovation, Kommunikation und Benutzerschnittstellen ein entscheidender Bestandteil bei der Bereitstellung nachhaltiger Verkehrslösungen für intelligente Städte. Elektrofahrzeuge seien ein wichtiger Faktor für emissionsfreie Lösungen, und sie alle würden für ihren Betrieb erhebliche Technologie erfordern.

Technologie unterstütze auch die Umstellung auf eine kohlenstoffarme Infrastruktur, beispielsweise durch die Digitalisierung des Gesundheitswesens, der Finanzdienstleistungen und der Bildung.

Credit

Ein weniger beachteter Bereich, der jedoch ein erhebliches Entwicklungspotenzial biete, wenn es um nachhaltige Themen gehe, sei der breitere Credit-Markt.

In den letzten zehn Jahren habe sich der Markt für nachhaltige Investitionen immer weiterentwickelt (wobei es noch viel zu tun gebe) und habe sich auf Aktienlösungen konzentriert. Allerdings habe sich diese Entwicklung in jüngster Zeit ausgeweitet, da sich die Anleger nun mit einer breiteren Palette von Anlageklassen befassen würden, z. B. mit Credit Securities.

Auf den Aktienmärkten gebe es trotz der großen Aufmerksamkeit der Fachleute noch keinen Konsens darüber, wie Unternehmen im Hinblick auf Nachhaltigkeitsfaktoren bewertet werden sollten, sodass die Credit Ratings noch stärker fragmentiert seien.

Für aktive Credit-Investoren, die sich Zeit nehmen und sich bemühen würden, die Credit-Emittenten zu verstehen, und gleichzeitig mit deren Pendants auf der Aktienseite zusammenarbeiten würden, stelle dies eine bedeutende Chance dar, eine Outperformance zu erzielen.

Und warum? Die Experten von Janus Henderson Investors sind der Meinung, dass Unternehmen, die ihr Nachhaltigkeitsprofil deutlich verbessern, mit niedrigeren Kapitalkosten belohnt werden sollten und daher ein höheres Potenzial für eine Outperformance haben. Umgekehrt würden sie erwarten, dass die Kurse von Anleihen unter Druck geraten würden, wenn ein Unternehmen wesentliche Nachhaltigkeitsrisiken aufweise und diese nicht aktiv reduziere. Es gebe bereits zahlreiche Beispiele dafür, dass Banken die Finanzierung von Projekten mit einem schlechten Nachhaltigkeitsprofil zurückziehen würden - und wir befänden uns erst am Anfang dieses Übergangs. (22.11.2022/alc/a/a)