Südafrika: Steigende Inflation zwingt Zentralbank zu mehr Entschlossenheit


03.06.22 12:52
DekaBank

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Südafrikanische Zentralbank hat am 19. Mai den Leitzins um 50 Basispunkte angehoben, so die Analysten der DekaBank.

Sie habe nun mit einer größeren Entschlossenheit als in den Monaten zuvor reagiert und auch für die Zukunft eine beherztere Haltung angekündigt. Bereits seit Ende vergangenen Jahres liege die Inflationsrate sehr nah am oberen Rand des Toleranzbandes für das Inflationsziel (3% bis 6%). Im März habe sie den oberen Rand sogar überschritten. Die Zentralbank habe bereits Mitte November die gestiegene Inflation - zusammen mit der zunehmenden Kapazitätsauslastung - zum Anlass genommen, den Startschuss für die geldpolitische Normalisierung zu geben. Allerdings habe sie zunächst mit großer Zurückhaltung gehandelt.

Im nächsten Monat dürften die Währungshüter nach Einschätzung der Analysten erneut einen großen Schritt machen und den Leitzins um 50 Basispunkte auf dann 5,25% anheben. Im September und November dürften dann kleinere Schritte folgen, sodass der Leitzins Ende des Jahres bei 5,75% liegen dürfte. Die Analysten würden in den kommenden Monaten mit einer leichten Moderierung der Inflation als Folge von fallenden Ölpreisen rechnen.

Auch politisch dürfte die zweite Jahreshälfte ereignisvoll sein. Im Dezember entscheide der regierende ANC über die Postenbesetzung an der Parteispitze und somit auch über den zukünftigen Präsidentschaftskandidaten. Die Analysten würden damit rechnen, dass Ramaphosa seine Position in der Partei weiter festigen werde. Das dürfte Spielraum für weitere Reformschritte eröffnen. Von der Veröffentlichung der Ergebnisse des Korruptionsausschusses gegen seinen Vorgänger Zuma habe Ramaphosa allerdings nur bedingt profitieren können. Zwar seien die Anschuldigungen gegen seinen Widersacher, den ehemaligen Präsidenten Jacob Zuma bestätigt worden, aber auch wichtige Unterstützer von Ramaphosa, wie der aktuelle Energieminister Gwede Mantashe, seien der Korruption beschuldigt worden.

Jetzt müsse Ramaphosa abwägen, ob er den Minister im Kabinett behalten möchte. Dann würde das Risiko bestehen, dass seine Glaubwürdigkeit hinsichtlich der Korruptionsbekämpfung darunter leide. Sollte er den Minister aber ersetzen, würde er einen wichtigen Unterstützer verlieren, der für seine Wiederwahl in der Spitze des ANC im Dezember ausschlaggebend sein könnte.

Präsident Ramaphosa habe zu Beginn seiner Amtszeit positive Signale in der Korruptionsbekämpfung gesetzt, enttäusche aber bisher hinsichtlich der erwarteten Wirtschaftsreformen, die er aufgrund des Widerstands innerhalb der Regierungspartei und bei den Gewerkschaften nicht wie erhofft umsetzen könne. Ramaphosa werde zudem tiefgreifende strukturelle Reformen durchführen müssen, um das Land für ausländische Investoren attraktiver zu machen. Große Hindernisse für das Wachstum würden die schlechte Infrastruktur und der Mangel an gut ausgebildeten Fachkräften darstellen.

Südafrika habe seit Jahren mit strukturellen Problemen zu kämpfen. Infrastrukturengpässe, unflexible Arbeitsmärkte sowie geringe Investitionen würden sich negativ auf die Wachstumsaussichten auswirken. Die Corona-Pandemie habe dem Land den letzten Stoß versetzt: Die starke Rezession habe die öffentliche Verschuldung deutlich ansteigen lassen. Sie sei seit der globalen Finanzkrise von etwa 27% auf über 60% des BIP bereits vor der Corona-Pandemie deutlich angestiegen. In diesem Jahr dürfte sie die Marke von 70% des BIP übersteigen. Aktuell scheine die Regierung nicht in der Lage, die Schuldenquote zu stabilisieren, was zu einer Fortsetzung des negativen Rating-Trends geführt habe. Die Ratings lägen aktuell bei BB- (S&P und Fitch) bzw. Ba2 (Moody‘s). (03.06.2022/alc/a/a)