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Singapurische Covered Bonds: Top Bonität made in Asia


05.01.23 12:49
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Das derzeitige Marktumfeld ist von einer großen Unsicherheit geprägt, so die Analysten der Helaba.

Energiepreisschocks, hohe Inflationsraten, steigende Zinsen, ein herausfordernder Konjunkturausblick, weiterhin unterbrochene Lieferketten sowie die Verwerfungen im Zuge des Ukrainekriegs würden für eine hohe Markt-Volatilität sorgen und gleichzeitig die Suche nach sicheren Anlagen fördern. Dass die krisenfesten Covered Bonds bei Investoren daher hoch im Kurs stünden, überrasche daher nicht.

Nachdem das Primärmarktvolumen der beliebten Papiere in Europa zuletzt deutlich in die Höhe geschossen sei, könnten sich die derzeitigen Turbulenzen als Segen für Emissionen aus dem APAC-Raum erweisen. Covered Bonds aus Singapur würden zwar aufgrund des relativ kleinen Markts zu den Außenseitern zählen, jedoch mit Höchstnoten bei den Papieren selbst, beim Länderrating und mit hohen Ratings der emittierenden Banken trumpfen.

In den kommenden Jahren sei angesichts der verhältnismäßig kurzen, gewichten Laufzeiten von durchschnittlich 1,9 Jahren und entsprechenden Fälligkeiten bei den singapurischen Covered Bonds mit stetigen Neuemissionen zu rechnen. Allein in den Jahren bis 2025 würden auf EUR denominierte Benchmark Covered Bonds mit einem Volumen in Höhe von 5,5 Mrd. EUR fällig.

Bei den drei Emittenten aus Singapur - DBS Bank Ltd, Oversea-Chinese Banking Corporation (OCBC) sowie United Overseas Bank (UOB) - handle es sich um Universalbanken mit einer Covered Bond-Lizenz. Hervorzuheben sei, dass alle singapurischen Covered Bonds mit der Bestnote "AAA" der Ratingagenturen versehen worden seien. Die Ratings der Mutterbanken lägen alle im "A"-Bereich und unterstützten die Ratingstabilität der Anleihen.

Im Oktober 2020 habe die MAS (Monetary Authority of Singapore) die Obergrenze für die Emission gedeckter Schuldverschreibungen von zuvor 4% auf 10% der Gesamtaktiva der Banken erhöht. Durch diesen Schritt könnten die Institute ihre Emissionstätigkeit ausweiten, einen größeren Markt ansprechen und in Folge ihre Refinanzierungskosten- und risiken insgesamt verringern. Zudem erhöhe ein wachsender Markt die systemische Bedeutung von Covered Bonds. Das Interesse, das Vertrauen in die gedeckten Schuldverschreibungen aufrecht zu erhalten, nehme ebenfalls zu. Unterstützende Maßnahmen durch den Markt und die Aufsichtsbehörden würden dadurch insgesamt wahrscheinlicher.

Seit dem Jahr 2015 seien von Singapurs Emittenten Benchmark-Bonds mit einem kumulierten Volumen von umgerechnet 17,3 Mrd. EUR (Stand 02.12.2022) emittiert worden. Auf die United Overseas Bank (UOB) sei der größte Anteil entfallen. Auch das ausstehende Volumen des singapurischen Mortgage Covered Bonds Markts weise ein stetiges Wachstum auf.

Die Hauptemissionswährung sei bei allen drei singapurischen Emittenten EUR. Der Covered Bond-EUR-Anteil in Q3 2022 stelle sich wie folgt dar: OCBC 85,7%, UOB 78% und DBS Bank 40,5%. Letztgenannte sei auch im USD mit 26,6% und GBP 23,8% stärker aktiv. OCBC und UOB würden hingegen lediglich GBP (14,3% bzw. 22%) als weiteren Währungsraum nutzen. Covered Bonds mit Nachhaltigkeitsaspekten seien bisher noch nicht emittiert worden.

Mit Überdeckungsquoten von 89% bis 202% per Ende September 2022 würden von Singapurs Emittenten sowohl die gesetzliche Mindestanforderung von 3,0% als auch die von Moody’s berechneten ratingerhaltenden Überdeckungsquoten von 1% (DBS) und 0% (UOB und OCBC) deutlich übertroffen.

Neben den hohen Überdeckungsquoten stütze der Puffer zum Emittenten-Referenz-Rating die stabilen Ratingaussichten. Dieser betrage bei Moody’s 3 Ratingstufen für die DBS Bank und 5 Ratingstufen für die OCBC und die UOB. S&P setze für den Ratingpuffer der UOB 3 Stufen an. Gemäß den Standards der Agenturen wirke sich demzufolge eine Herabstufung von bis zu 3 bzw. 5 Ratingstufen der Emittenten nicht auf das Covered Bond Rating aus, solange sich das Risikoprofil des Deckungsstocks nicht verändert und eine ausreichende Überdeckung vorhanden sei.

Bei den drei singapurischen Covered Bonds betrage die durchschnittlich gewichtete Restlaufzeit der Deckungsmassen 19 bis 20 Jahre; die der Covered Bonds hingegen nur 1 bis 3 Jahre. Dadurch bestünden deutliche Inkongruenzen. Auch auf der Zinsseite würden größere Ungleichheiten auffallen und entsprechend Zinsänderungsrisiken bergen, wenn auch je nach Anteil an festverzinslichen Papieren und festverzinslichen Deckungswerten in unterschiedlichem Ausmaß.

Die Basis für das Covered Bond Framework Singapurs stelle die MAS Notice 648 und insbesondere das Chapter 19 des Banking Act dar. Covered Bonds in Singapur würden jedoch weitgehend auf vertraglichen Vereinbarungen beruhen und unterlägen dem Vertragsrecht des Common Law, das für alle Elemente der Schuldverschreibungsstruktur gelte.

Zusammen mit den umgesetzten spezifischen Vorschriften für Covered Bonds werde ein Rahmen geschaffen, der mit anderen europäischen Rechtsordnungen vergleichbar sei. So ähnele das Rechtssystem Singapurs dem des Vereinigten Königreichs insofern, als die Struktur der gedeckten Schuldverschreibungen grundsätzlich auf Ge setzen oder Rechtsakten beruhe, die von der Legislative der Republik Singapur formell erlassen worden seien. Die MAS-Leitlinien, die sich aus der MAS-Mitteilung 648 und ihrer Änderung ergeben würden, würden Klarheit über die Merkmale einer gedeckten Schuldverschreibung aus Singapur schaffen.

Nach Einschätzung der Ratingagentur Fitch sei Singapurs Framework für gedeckte Anleihen auf dem richtigen Weg, um die Gleichwertigkeit mit den Standards der Europäischen Union zu erreichen, da sie mit den meisten Aspekten der "EU-Covered Bond-Richtlinie" übereinstimmen würden. Zudem betone die Agentur, dass die singapurischen Covered Bonds mit AAA bewertet und damit auf einem gleichen oder höheren Niveau als EU-Covered Bonds lägen.

Auch die für Verbindlichkeiten eingesetzten Währungsswaps würden die Anforderungen der EU-Richtlinie erfüllen. Einschränkend werde seitens der Agentur angemerkt, dass die Liquiditätssicherung von Covered Bonds aus Singapur über eine mögliche Fälligkeitsverschiebung gewährleistet werde und nicht - wie von der CBD gefordert - über den 180-Tage-Liquiditätspuffer, was sich letztlich auf die Feststellung der Gleichwertigkeit durch die EU-Kommission auswirken könnte.

Im Hinblick auf die LCR-Fähigkeit bestehe für singapurische Covered Bonds die Herausforderung, die Transparenzanforderung des Art. 14 CBD anzuwenden, obwohl sie nicht zum Anwendungskreis der EU-CBD gehören würden. Aus Sicht der Analysten würden die Investorenberichte von DBS, UOB und OCBC bereits dieses Kriterium erfüllen. Grundsätzlich werde in der LCR-Verordnung eine gemäß den CBD-Vorgaben äquivalente Aufsicht und die Anwendung regulatorischen Bestimmungen des Art. 129 der Kapitaladäquanzrichtlinie CRR gefordert.

Laut der EBA werde es eine Fall-zu-Fall-Prüfung geben. Aufsichtsrechtliche und regulatorische Bestimmungen des Drittlandes müssten zumindest denen gleichwertig sein, die in der Europäischen Union angewandt würden (LCR Art.11, 1d(ii)). Solange eine "Gleichwertigkeitsbestätigung" ausstehe, könne mit Verweis auf die MAS Notice 648 von der Erfüllung der Anforderungen für die LCR-Fähigkeit ausgegangen werden. Entsprechend würden singapurische Covered Bonds mit LCR 2a und einem Risikogewicht von 20% klassifiziert. (05.01.2023/alc/a/a)