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Schwellenländeranleihen wieder attraktiver


05.02.24 12:45
Swisscanto

Zürich (www.anleihencheck.de) - Der erneute Anstieg der Inflation im Dezember und die daraus resultierende Skepsis hinsichtlich des anstehenden Zinssenkungspfads der EZB und der FED sorgten zu Jahresbeginn für einen Dämpfer an den Finanzmärkten, so die Experten von Swisscanto.

Doch während die Anleihenrenditen gegenüber Ende 2023 wieder auf etwas höheren Niveaus verharren würden, habe der Aktienmarkt die anfängliche Skepsis wieder ablegen können. Die Kursrückgänge zu Jahresbeginn seien nicht nur ausgebügelt worden, für die meisten Aktienmärkte sei der Jahresauftakt aus Monatssicht gar geglückt. Für die Stimmungsaufhellung hätten die guten Konjunkturdaten aus den USA gesorgt, welche die Wahrscheinlichkeit für eine globale Rezession stark reduziert hätten. Aber auch die Erkenntnis der Anleger, dass das fundamentale Gesamtumfeld tatsächlich konstruktiver sei.

Das konstruktive Umfeld für die Finanzmärkte habe sich in dreierlei Hinsicht gefestigt. Eine Inflation um den Zielwert von 2,0% dämpfe die Inflationsprämie, sorge für mehr Planungssicherheit und schaffe Raum für Zinssenkungen durch die Notenbanken. Dadurch werde die konjunkturelle Erholung ab dem 2. Halbjahr wahrscheinlicher. Selbst wenn das Ausfallen der Rezession weniger oder etwas spätere Zinssenkungen bedeute, so hätten sich die Ertragsaussichten für Unternehmen verbessert. Und sollten die Konjunkturrisiken wieder steigen, dann würden die Zinsen stärker gesenkt.

Die globale Konjunktur habe sich in den vergangenen Wochen als robust erwiesen. Die Konsumentenstimmung habe sich mit einer fallenden Inflation weiter aufgehellt. Die bedeutenden Notenbanken dürften allerdings trotz der verbesserten Konjunkturaussichten ihre Leitzinsen in der ersten Jahreshälfte senken. Einerseits, weil sich der Disinflationstrend gemäß der Einschätzung der Experten weiter fortsetze und andererseits, um größere konjunkturelle Bremsspuren durch eine allzu straffe Geldpolitik zu vermeiden.

Die Erwartungen der Finanzmärkte hätten sich in den vergangenen Monaten in Richtung stärkerer Zinssenkungen verschoben. Bis zum Jahresende solle der US-Leitzins gemäß Terminmarkt bei 4,0% notieren, was vom aktuellen Niveau aus insgesamt fünf Zinssenkungen à 25 Basispunkten entspreche. Der Erwartungswert der Märkte liege immer noch deutlich im straffen Bereich, sodass die Experten mehr Senkungen als wahrscheinlich erachten würden. Das sei nach wie vor ein positives Umfeld für Anleihenanlagen und die Experten würden von moderat fallenden Renditeniveaus ausgehen.

Der verbesserte Ausblick für die US-Konjunktur rücke auch die Anleihen der Schwellenländer wieder in den Fokus. Diese dürften von einer Verbesserung der globalen Konjunktur profitieren, denn bessere Konjunkturaussichten bei den entwickelten Ländern würden in der Regel zu geringeren Risikoaufschlägen von Schwellenländeranleihen führen. Dies sei darauf zurückzuführen, dass die Wirtschaft vieler Schwellenländer stark vom globalen Konsum abhängig sei. Den aktuellen Risikoaufschlag von 4,0% gegenüber US-Staatsanleihen würden die Experten angesichts der verbesserten wirtschaftlichen Perspektiven für eine attraktive Zusatzrendite halten. Außerdem könnte 2024 weiteres Geld in Schwellenländeranleihen fließen, da Investoren aufgrund der erwarteten Leitzinssenkungen ihre Cash-Positionen reduzieren dürften.

Nachdem der Schweizer Franken das Jahr 2023 auf einem Allzeithoch beendet habe, habe er zu Beginn des laufenden Jahres leicht nachgegeben. Stärker sei der US-Dollar gestartet. Dieser habe zuvor am meisten unter dem globalen Renditerückgang seit Mitte Oktober gelitten. Entsprechend habe der US-Dollar von der Konsolidierung am Bondmarkt profitiert. Gleichzeitig würden die veröffentlichten Wirtschaftsindikatoren von einer anhaltend robusten Konjunktur zeugen, sodass die US-Wirtschaft auch in den kommenden Quartalen nicht schrumpfen dürfte.

Dennoch seien die Experten nach wie vor der Meinung, dass der US-Dollar im Jahresverlauf weiter an Bewertungshöhe verlieren werde. Einerseits würden sich mit der weniger starken Wachstumsabschwächung in der größten Volkswirtschaft die globalen Konjunkturperspektiven aufhellen, was die Nachfrage nach dem US-Dollar als Zufluchtswährung reduziere. Zweitens würden die Experten unverändert mit signifikanten FED-Zinssenkungen rechnen, - dies dürfte den Zinsvorsprung der nach wie vor hoch bewerteten US-Währung schmälern.

Die bisherigen Wirtschaftsdaten würden nahelegen, dass die US-Konjunktur eine Rezession vorerst vermeiden könne. Zudem würden die globalen Einkaufsmanagerindices auf eine baldige Erholung der Weltwirtschaft hindeuten. Dies spreche für ein größeres Indexpotenzial bei den zyklischen als bei den defensiven Sektoren. Allerdings würden der Schweizer und der britische Aktienmarkt zu denjenigen mit einem überdurchschnittlich hohen Anteil an defensiven Sektoren gehören. In Großbritannien komme hinzu, dass die Branchen Energie und Grundstoffe ebenfalls prominent im Länderindex vertreten seien. Diese würden zwar zum zyklischen Segment gehören, sie seien aber auf steigende Rohstoffpreise angewiesen. Angesichts der von ihnen erwarteten langsamen Konjunkturerholung in den Industriestaaten und in China würden die Experten dort jedoch kaum Anstiegspotenzial sehen. Insofern würden sie den Schweizer gegenüber dem britischen Markt favorisieren.

Die Eurozone befinde sich in einer wirtschaftlichen Flaute, aber das Ende der Rezession rücke in Sichtweite und im Jahresverlauf dürfte sich die Konjunktur erholen. Dies sollte den kleineren börsennotierten Unternehmen (Small Caps) in der Eurozone wieder mehr Auftrieb verleihen. Small Caps seien in der Regel konjunktursensitiver und würden insbesondere dann eine Outperformance aufweisen, wenn es wirtschaftlich gut laufe. Zu den positiven konjunkturellen Aussichten komme hinzu, dass europäische Small Caps im Vergleich zu den Großunternehmen (Large Caps) äußerst niedrig bewertet seien. Aktuell würden sie ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 11 aufweisen, während es für die Large Caps bei über 12 liege. Dies sei außergewöhnlich, denn normalerweise hätten Small Caps aufgrund ihrer höheren Wachstumsperspektiven ein höheres KGV als Large Caps. Ein ähnliches oder sogar niedrigeres KGV komme extrem selten und tendenziell in wirtschaftlich sehr unsicheren Zeiten vor, wie zum Beispiel während der Finanzkrise oder der Coronapandemie. Die niedrigen Bewertungen seien in Kombination mit der von den Experten erwarteten Konjunkturerholung und den bald sinkenden Leitzinsen gute Startbedingungen für eine wieder bessere Entwicklung im Vergleich zu den Großunternehmen. (05.02.2024/alc/a/a)