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Mit Schwellenländeranleihen von der Deglobalisierung profitieren


11.11.22 12:30
Fisch Asset Management

Zürich (www.anleihencheck.de) - Die Covid-Lockdowns in China, Unterbrechungen der globalen Lieferketten sowie geopolitische Spannungen werfen ein Schlaglicht auf die Schattenseiten der Globalisierung, so Tanja Kusterer, Portfolio Managerin bei Fisch Asset Management.

Die Folgen seien Trends wie Nearshoring, von dem Mexiko profitieren sollte, oder verstärkte Bemühungen weniger von teuren Rohstoffimporten abhängig zu sein, wie es Indien vormache. Auch binnenmarktorientierte Unternehmen beispielsweise in Brasilien könnten dabei ihre Stärken ausspielen.

Dem so genannten Nearshoring würden sich Unternehmen zuwenden, welche die Verteilung ihrer Produktionsstätten in geographisch ferne Länder mittlerweile als Nachteil erkennen würden. Entsprechend solle die Produktion stärker in Kundennähe verlegt werden. Kusterer gehe davon aus, dass insbesondere Mexiko aufgrund seiner geografischen Nähe zu den USA zu den Gewinnern dieses Trends gehören werde. Vorteilhaft seien die entsprechend niedrigen Transportkosten, existierende Handelsabkommen mit den USA und Kanada sowie die relativ stabile politische Situation. Gleichzeitig würden die durchschnittlichen Löhne im Fertigungssektor etwa 45 Prozent unter den chinesischen Löhnen liegen. Auch bei der Qualifikation der Arbeitskräfte müsse sich Mexiko nicht verstecken. Es habe innerhalb der OECD-Länder eine der höchsten Quoten von Absolventen im Maschinenbau.

Analysten würden schätzen, dass ein Anstieg des Anteils der US-Importe im Fertigungssektor um 3-7% eine Steigerung des mexikanischen Bruttoinlandsprodukts um rund 1-3% zur Folge haben könnte. Kusterer sei der Ansicht, dass gerade der Immobiliensektor für Industrieanlagen sowie der Industrie- und Automobilsektor von diesem Trend profitieren sollten.

Auch die relativ große Binnenwirtschaft in Brasilien könne sich den globalen Trends zu einem gewissen Grad entziehen. Dort seien einige lokal tätige, fundamental gut aufgestellte Unternehmen zu finden. Dank einer stabilen Konsumnachfrage habe das wirtschaftliche Wachstum im Land kontinuierlich positiv überrascht, und auch die Zentralbank habe den Zinsanhebungszyklus inzwischen abgeschlossen. Mit der Wahl von Lula da Silva zum neuen Präsidenten lassen wir einerseits die Unsicherheit über den Wahlausgang hinter uns und erwarten zwar eine linksgerichtete, aufgrund des knappen Ausgangs und der Mehrheitsverhältnisse im Kongress jedoch eine gemäßigte Politik des neuen Präsidenten, so Kusterer. Gleichzeitig hätten sich viele Emittenten trotz des weitgehend für Neuemissionen geschlossenen internationalen Markts am lokalen Markt refinanzieren können und der anhaltende Appetit lokaler Investoren stütze die Kurse. Generell sehen die Experten Fisch Asset Management aktuell Lateinamerika positiv und sind dort entsprechend übergewichtet.

Aber auch in Asien gebe es Investitionsopportunitäten außerhalb des bisherigen Globalisierungsgewinners China. Interessant finde Kusterer beispielsweise indische Produzenten erneuerbarer Energie. Dieser Sektor habe für Indien strategische Wichtigkeit, speziell aufgrund seines Bestrebens, Emissionen und die Abhängigkeit von Ölimporten zu reduzieren. Inzwischen mache erneuerbare Energie bereits rund 30% der installierten Kapazität des Landes aus, und eine gute Diversifizierung sowohl in Bezug auf die Energieform als auch die geografische Lage reduziere auch die Anfälligkeit gegenüber Wetterbedingungen.

Zur Investition in die jeweiligen Unternehmen sehe Kusterer das Anlageuniversum der Unternehmensanleihen in Hartwährung als attraktive Möglichkeit und dabei steche auch das High-Yield-Segment hervor. Die dort erzielbaren Ablaufrenditen würden sich mit rund 11% inzwischen auf den Rekordständen der vergangenen zehn Jahre befinden und lediglich im Moment der Corona-Panik im März 2020 seien die aktuellen Levels noch übertroffen worden. Dabei würden die High-Yield-Unternehmen aus den Emerging Markets ganz grundsätzlich über kontinuierlich bessere Kennzahlen als ihre Pendants aus den Industriestaaten verfügen. Auch im historischen Vergleich seien die Unternehmen aktuell fundamental sehr gut aufgestellt und die Nettoverschuldungsquote beispielsweise befinde sich auf dem tiefsten Stand seit 2012. Viele Unternehmen hätten in den vergangenen Jahren ihre Bilanzstruktur optimiert und sich entsprechend zu günstigen Zinsen refinanziert. So seien die Fälligkeiten für den größten Teil der Unternehmen im Moment tragbar und die Unternehmen hätten keinen Druck, sich aktuell zu refinanzieren. Aus Anlegersicht spreche für diese Anleihen außerdem, dass sie eine kürzere Duration aufweisen würden als vergleichbare High Yield Bonds aus den Industriestaaten oder Staatsanleihen aus Schwellenländern. Damit seien sie weniger zinssensitiv, was sich gerade in einem Umfeld steigender Zinsen auszahle.

Für die kommenden Wochen und Monate erwarten die Experten Fisch Asset Management, dass die Unsicherheit über die weltweite wirtschaftliche Entwicklung und damit die Volatilität an den Märkten anhalten wird - und wir in eine Phase wirtschaftlicher Abkühlung eintreten. Zwar betreffe dies auch EM High-Yield-Corporates in Hartwährungen, nichtsdestotrotz sollten die guten Fundamentaldaten der Emittenten dieser Abkühlung zu einem Teil abfedern können. Vor diesem Hintergrund würden die Experten davon ausgehen, dass die Anlageklasse mittelfristig attraktive Renditen in Aussicht stelle und damit für einen langfristig orientierten Investor eine gute Einstiegsmöglichkeit darstellen könne. (11.11.2022/alc/a/a)