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Safety & Quality first


02.06.22 12:30
Fisch Asset Management

Zürich (www.anleihencheck.de) - Innerhalb der Anleihenmärkte wurden Unternehmensanleihen mit Investment-Grade-(IG)-Rating während der Bewertungstalfahrt der vergangenen Monate deutlicher abgestraft als die meisten anderen - und haben dabei sogar schlechter als so manche Aktienmärkte abgeschnitten, so Maria Stäheli, Portfolio Managerin bei Fisch Asset Management in Zürich.

Doch mittlerweile wende sich das Blatt und IG-Anleihen würden vermehrt in den Anlegerfokus rücken. Denn wenn eine potenzielle Rezession am Markt stärker eingepreist werde, würden hochqualitative und fair bewertete Anleihen einen verhältnismäßig guten Schutz gegenüber Bonds mit niedrigerem Rating und Aktien bieten.

Mittlerweile sei das omnipräsente Thema Inflation zu einem guten Teil in den Spreads eingepreist. Die hohe Inflation und deren Beständigkeit würden Investoren kaum noch überraschen. Auch dass die Notenbanken im weiteren Verlauf des Jahres deutlich reagieren würden, gelte als sicher. Die Preise würden derzeit die Erwartung reflektieren, dass die US-Notenbank die Zinsen bis Jahresende um weitere zwei Prozentpunkte anhebe.

Bei der EZB dürfte es im Juli den ersten Zinsschritt geben und bis Jahresende sollten die Zinsen um über einen Prozentpunkt ansteigen. Die Streuung der Erwartungen sei jedoch groß. Und da die Unsicherheit um das Zinsgefüge schon lange anhalte, wäre ein noch stärkeres Drehen an der Zinsschraube mindestens auf psychologischer Ebene weniger stark wahrnehmbar als zu Beginn des Zinsanhebungszyklus. Stärkere Überraschungseffekte würden die Experten jedoch beim Thema einer potenziellen Rezession erwarten.

Denn Chinas Pandemie-Politik der Null-Toleranz sorge für eine markante Abschwächung der Weltkonjunktur. Diese Situation halte länger an als viele Marktteilnehmer dies noch im ersten Quartal erwartet hätten. Außerdem seien die steigenden Rohstoffpreise nicht förderlich für die wirtschaftlichen Entwicklungen. Doch während der letzten Jahrzehnte hätten die Zentralbanken einer sich abzeichnenden Rezession mit geldpolitischer Lockerung begegnen können.

Dieses Mal werde es anders sein: Die Inflation müsse bekämpft werden. Dies lasse die Risikoprämien steigen und fordere Investoren dazu auf, ihre Asset Allokation strategisch zu überdenken. Eine Umschichtung von risikoreichen hin zu sicherheitsorientierten Anlageklassen könnte die Folge sein, denn in einer Rezession gelte 'Safety first' und in der Folge auch 'Quality first'. Davon würden IG-Corporates als hochqualitatives Segment mit attraktiver Spreadkompensation profitieren.

Auch bei einem 'Soft Landing' der Wirtschaft würden IG-Corporates an Bedeutung gewinnen. Die Firmen würden sich typischerweise durch Finanzstärke auszeichnen und ihre Anleihen hätten sich historisch in Phasen schwacher Konjunktur besser als die eher finanzschwachen High-Yield-Anleihen oder als Aktien entwickelt. Dank der Spreadkomponente würden sie außerdem die Kaufkraft besser als Staatsanleihen oder Cash erhalten.

Momentan würden die Experten im IG-Markt Anleihen in Euro bevorzugen, da die Spreads im Euroraum mittlerweile deutlich attraktiver seien als in Übersee. Zudem würden sie so hohe Renditen wie zuletzt 2013 ausweisen. Da die Renditekurven jedoch sehr flach geworden seien, würden die Experten kurze bis mittlere Laufzeiten bevorzugen und die Duration aktiv steuern. Der USD Corporate Bond Markt dürfte mittelfristig mit den stark steigenden Währungsabsicherungskosten zu kämpfen bekommen, welche die Netto-Renditen für Investoren aus Europa und Asien schmerzhaft schmälern würden.

Ein Augenmerk würden die Experten derzeit auf Finanzwerte legen, die vom Ausstieg aus den Negativzinsen profitieren würden. Auch wenn sich die Konjunktur deutlich abschwäche, würden Banken heute über starke Kapitalpuffer verfügen und seien fundamental gut aufgestellt. Auch Anleihen aus nicht-zyklischen Sektoren oder Hybridanleihen mit kurzer Duration würden aus Sicht der Experten in einem defensiven Portfolio Sinn ergeben. Generell sei und bleibe es selbstverständlich ein herausforderndes Umfeld, doch nach den hohen Kursrückgängen würden die Experten verhalten positiv auf die kommenden Entwicklungen im IG-Corporates-Segment blicken. (02.06.2022/alc/a/a)