SNB-Geldpolitik könnte sich mit einer starken CHF-Abwertung und hohen Inflationsraten rächen


08.11.22 16:36
SOLIT Gruppe

Wiesbaden (www.anleihencheck.de) - Die US-Notenbank hatte am Mittwochabend ihren Leitzins erneut um 75 Basispunkte angehoben auf nun 4%, womit sie dem hohen Anstieg der Konsumentenpreise von 8,2% Rechnung trägt, so Markus Blaschzok, Chefanalyst der SOLIT Gruppe.

Während die Märkte initial mit steigenden Notierungen auf den dovishen Zinsentscheid reagiert hätten, habe US-Notenbankchef Jerome Powell die Erwartungen in der anschließenden Pressekonferenz wieder nach unten gehämmert. Er habe wiederholt, dass man die Zinsen so lange anheben werde, "bis der Job erledigt sei". Doch am wichtigsten sei die Aussage gewesen, dass es besser sei, die Zinsen anzuheben, bis etwas in der Wirtschaft brechen würde, da die US-Notenbank bewährte Werkzeuge hätte, um in einer Krise einzugreifen.

Powell habe klargemacht, dass die US-Notenbank ihren Leitzins so lange anheben wolle, bis die Wirtschaft einbrechen würde und man aufgrund eines Anstiegs der Arbeitslosigkeit dem zweiten Mandat zur Bewahrung der Vollbeschäftigung intervenieren müsse. Daraufhin sei der US-Dollar nach oben geschossen, während der Gold- und Silberpreis zusammen mit dem Aktien- und Anleihemarkt eingebrochen seien, da klar sei, dass es erst noch schlimmer kommen müsse, bevor die FED in Panik geraten würde. Der Goldpreis sei zurückgefallen auf seine Unterstützung bei 1.616 US-Dollar, die dieser nun zum dritten Mal getestet und erfolgreich verteidigt habe. Der Silberpreis sei zwar ebenfalls um einen US-Dollar gefallen, doch habe dieser seine Unterstützung bei 19 US-Dollar verteidigen können, womit nicht das Tief erneut getestet worden sei.

Man höre überall, dass Powell mit "Werkzeugen" in Wahrheit von Zinssenkungen und QE-Programmen sprechen würde. Markus Blaschzok, Chefanalyst der SOLIT Gruppe, denke jedoch, dass Powell ausschließlich an das Drucken von neuem Geld denke, um eben einen weiteren Anstieg der Marktzinsen, aufgrund der hohen Inflation und aufgrund der neuen QE-Programme weiter steigenden Inflation, zu managen. Der weitere Zinsanstieg lasse sich nicht verhindern und Leitzinssenkungen würden in diesem Umfeld gar nichts mehr bewirken, weshalb ihm nur die Druckerpresse bleibe.

Am Freitag hätten Gold und Silber ihre Verluste wieder mehr als wettgemacht, nachdem die US-Arbeitsmarktdaten zwar gut ausgefallen seien, doch die Zahl der arbeitslosen Amerikaner auf den höchsten Stand seit Februar angestiegen sei. Daraufhin habe der Markt ein früheres Einlenken der US-Notenbank und ein niedrigeres Zinshoch eingepreist, wovon Gold und Silber stark profitiert hätten. Hier zeige sich, wie überspannt die Spekulation auf der Shortseite sei und wie schnell ein Einlenken der US-Notenbank zu einem starken Anstieg des Goldpreises führen könne.

Die Gold- und Silberminenaktien seien am Mittwochabend noch stark eingebrochen, nur um am Freitag alle Verluste mehr als wettzumachen und neue Wochenhochs zu erreichen. Die große Trendwende komme immer näher und der Fahrplan stehe fest, wie Powell am Mittwoch klar gesagt habe. Sobald die Arbeitslosigkeit aufgrund der Rezession im nächsten Jahr stark ansteigen werde, beginne erneut das Drucken von Geld. Damit müsse das vermeintliche QT ausgepreist und neue QE-Programme eingepreist werden, was zu einer schnellen Rally des Goldpreises auf neue Allzeithochs führen könne.

Die Schweizer Nationalbank (SNB) habe in den ersten neun Monaten des Jahres einen Verlust von 142 Milliarden Franken eingefahren. Dieser Verlust sei größer als die vermeintlichen Gewinne der letzten fünf Jahre und entspreche den Großteil der Gewinne der letzten zehn Jahre in Höhe von 172 Mrd. Franken. Die äußerst fragwürdige Geldpolitik der SNB erweise sich nun als Schildbürgerstreich.

Der Einbruch der Aktienmärkte und Anleihenmärkte aufgrund der Rezession und der Kaufkraftverlust des Euro würden der SNB ein riesiges Loch in ihre Kasse reißen, dass die Schweizer Steuerzahler letztlich wieder stopfen müssten.

Die Bilanz der SNB sei in den letzten zwölf Jahren durch den Kauf von Fremdwährungen aufgeblasen worden, mit dem Ziel eine Aufwertung zu verhindern, indem man den Franken abwerte. Nur ein Viertel der Devisenreserven sei in Aktien investiert, wogegen der Rest in Schuldpapieren stecke, die aktuell den Bach hinuntergehen und zusätzlich aufgrund der hohen Inflation in der Eurozone und den USA real an Wert verlieren würden. Auch die Aktienmärkte befänden sich am Anfang einer mehrjährigen inflationsbereinigten Baisse. Die Verluste, die die SNB aktuell einfahre, seien nicht wieder rückgängig zu machen und weitere Wertberichtigungen seien in Sichtweite. Die SNB sei zu einem Hedge-Fonds verkommen, der im Verhältnis zur Größe der Schweizer Wirtschaft so groß sei, dass sie das Land ruinieren könnte.

Die SNB sei der falschen Ansicht, dass eine starke Währung und eine Deflation eine Katastrophe für die Schweizer Exporteure wäre. Diese Annahme sei in vieler Hinsicht falsch. Seit 2008 habe in der Schweiz zumeist Deflation geherrscht, während das Bruttoinlandsprodukt zwischen 2% und 3% jährlich angestiegen sei. Dies widerlege die Behauptung von Christine Lagarde, wonach Deflation schlecht für eine Volkswirtschaft sei, die eine Notenbank vermeintlich bekämpfen müsse.

Aufgrund der verfehlten Geldpolitik der SNB seien die Konsumentenpreise jedoch auch in der Schweiz im September mit 3,3% auf den höchsten Stand seit 1993 gestiegen.

Der Schweizer Franken, der bis Ende 1999 noch die letzte mit Gold gedeckte Währung der Welt gewesen sei, habe in den letzten Jahren zum schwachen Euro und US-Dollar weiter aufgewertet, obwohl auch die SNB ihre Bilanzsumme seit der Eurokrise verzehnfacht habe und in Relation teilweise mehr Geld gedruckt habe als die EZB oder die US-Notenbank. Aufgrund dieser Tradition sei der Franken seit 2008 von Investoren als sicherer Hafen gefragt worden und die Aufwertung des Franken wäre um ein Vielfaches höher gewesen, hätte die SNB die Geldmenge des Franken nicht um ein Vielfaches ausgeweitet.

Zur Jahrtausendwende seien noch 32% aller Schweizer Franken mit Gold hinterlegt gewesen, wogegen es heute nur noch 6,1% seien. Es habe den Einbruch der Schweizer Notenbankbilanz von 1,07 Billionen Franken auf 889 Mrd. Franken aufgrund der Verluste an den Märkten im Jahr 2022 gegeben. Noch im Jahr 2008 habe die Bilanz lediglich einen Umfang von 120 Mrd. Franken gehabt. Aktuell würden noch immer 800 Mrd. Franken primär in Euro und US-Dollar gehalten, die aktuell aufgrund der hohen Inflation stark an Wert verlieren worden. Dadurch werde die Kaufkraft des Schweizer Franken vom Euro und dem US-Dollar mit nach unten gezogen, wobei es zu einem Vermögenstransfer aus der Schweiz in den Euroraum und die USA komme.

Der Wechselkurs des Euro zum Schweizer Franken sei seit der Eurokrise von 2008 von 1,70 Franken je Euro bis zum Höhepunkt der Euro-Krise 2011 auf 1,10 Franken gefallen. Da die Aufwertung vermeintlich Gift für die exportabhängige Schweizer Wirtschaft gewesen sei, habe die SNB eine Franken-Untergrenze von 1,20 Franken je Euro festgelegt, massiv Euro gekauft, Franken verkauft, um den Kurs der Landeswährung zu drücken. Damit sei auch die Geldmenge seit Krisenbeginn sukzessive angewachsen. Im Jahr 2015 sei die Glaubwürdigkeit der SNB erschüttert worden, als sie die Bindung des Franken an den Euro über Nacht habe aufgeben müssen, was zu einer raschen Aufwertung geführt habe, die als "Frankenschock" in die Geschichte eingegangen sei.

Während die EZB die Schulden der europäischen Staaten finanziert habe, habe die SNB neues Geld gegen den Kauf von Staatsanleihen und Aktien anderer Nationen ausgegeben. Der Grundgedanke sei gewesen, dass die SNB ihr Aktienportfolio jederzeit verkaufen und so die Geldmenge wieder reduzieren könne, sollte es zu Preissteigerungen in der Schweiz kommen. Während der Euro durch 17% Reserven gedeckt sei, sei die Geldmenge des Schweizer Franken mit 91,5% an Assets hinterlegt. Mehr als 9 von 10 Schweizer Franken seien durch Gold, Aktien großer Unternehmen oder Staatsanleihen ausländischer Staaten gedeckt. In der Stagflation, die uns die nächsten Jahre noch begleiten wird, verlieren diese "Assets" jedoch einen Großteil ihres realen Wertes, weshalb die Kaufkraft des Franken mit nach unten gezogen wird, wenn die SNB nicht schnell mit der Reduzierung ihrer Bilanz durch Verkäufe beginnt, so Markus Blaschzok, Chefanalyst der SOLIT Gruppe.

Da in der Schweiz in den letzten 20 Jahren oftmals Deflation geherrscht habe oder die Inflation sehr niedrig gewesen sei, hätten die Renditen für zehnjährige Staatsanleihen der Schweiz zumeist im negativen Bereich gelegen, was sehr ungewöhnlich sei. Aufgrund der Geldpolitik der SNB und steigender Konsumentenpreisen seien auch in der Alpenrepublik steigende Zinsen zu erwarten.

Niedrige Steuern und folglich eine relativ niedrige Staatsquote von 34%, während die direkte Demokratie eine Ausweitung des Staates begrenze, seien die Basis für das weltweit höchste Pro-Kopf Vermögen der Schweizer.

Die SNB konterkariere jedoch diese Erfolgsgeschichte der Schweiz und des Franken, indem sie durch den Ankauf anderer Fiat-Währungen, primär des Euro und US-Dollar, gezielt Währungsverluste erleide.

Weise die SNB vermeintliche Gewinne in Fiat-Franken aus, so sei dies jedoch nur die eine Seite der Medaille, da die gleichzeitige Abwertung des Franken unberücksichtigt bleibe. Seit dem Ende der Golddeckung sei der Goldpreis in Schweizer Franken um 257% angestiegen, was zeige, wie stark die reale Abwertung des Franken und der potenzielle Vermögensverlust der Schweiz durch die Geldpolitik der SNB bereits sei. Hätte die Schweiz auf Druck des IWF 1999 seine Golddeckung nicht aufgegeben, wären die Schweizer heute ungleich reicher. Der Euro und der US-Dollar befänden sich weiter auf Talfahrt und es sei eine Katastrophe für die sparsamen Schweizer, dass die SNB das Vermögen der Schweizer in alle Welt, insbesondere Europa und die USA, verteile.

Im Vergleich zur SNB, deren Geldpolitik für einen Vermögenstransfer in aller Welt sorge, während die Schweizer Regierung leer ausgehe, scheine die Geldpolitik der EZB und der FED, die Geld drucken würden, um die eigenen Staatsausgaben zu finanzieren, noch ein cleverer Schachzug zu sein!

Anstatt das Geld aus dem Fenster zu werfen, wäre es selbst sinnvoller, das Geld in den Ausbau der Infrastruktur zu stecken, anstatt in Devisen und Anleihen von Währungsräumen zu kaufen, die sich im freien Fall befänden. Gerade einmal 25% der Devisenreserven bestünden aus Unternehmensanteilen, während der Rest primär aus Schulden anderer Nationen bestehe.

Dank der Geldmengenausweitung der SNB sei die Schweiz mit ihrem Franken in den Abwertungswettlauf weltweit eingetreten. Die gigantische Position an Euro und US-Dollar, die sich im inflationären Sturzflug befänden, ziehe den Franken sukzessive mit nach unten und könne nur als Schildbürgerstreich bezeichnet werden.

Die Zeiten, in denen der Schweizer Franken durch seine verfassungsgemäße Golddeckung so gut gewesen sei wie Gold, seien vorbei. Seither sei der Goldpreis in Franken um 230% angestiegen, was besser den Kaufkraftverlust des Franken vor Augen führe, als ihn in Relation zu einer anderen ständig abwerteten Fiat-Währung zu betrachten.

Die Geldpolitik der SNB könnte sich in den nächsten Jahren mit einer starken Abwertung des Franken und hohen Inflationsraten in der Schweiz, die es zuvor noch nie gegeben habe, rächen. Damit müssten auch Schweizer jetzt mehr denn je auf Vermögensschutz vor Inflation achten. Die Lösung sei denkbar einfach, indem die Schweizer zum alten Franken bis 2000 zurückkehren und ihre Fiat-Franken gegen Gold tauschen würden. (08.11.2022/alc/a/a)