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Richtung der Renditen: unklar


12.01.23 12:16
Hamburg Commercial Bank

Hamburg (www.anleihencheck.de) - Die Renditen der US- und der deutschen Staatsanleihen sind in den vergangenen Tagen wieder gefallen, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank.

Darin spiegele sich die Hoffnung, dass die heute (12.01.) veröffentlichte US-Inflation signifikant zurückgehe, erwartet werde ein Rückgang auf 6,5%, von 7,1%. Damit verbinde sich die Hoffnung, dass die FED den Zins Anfang Februar nur um 25 BP anheben werde. Wichtig werde aber auch sein, auf die Kerninflation zu achten, die derzeit bei 6,0% liege und wo man noch nicht einen Abwärtstrend beobachten könne. Bislang komme die Abwärtsdynamik bei der Gesamtinflation durch die niedrigeren Energiepreise zustande und durch die fallenden Preise für langlebige Wirtschaftsgüter wie Autos und Möbel. Die Preise für Dienstleistungen seien aber immer noch relativ stark gestiegen, sie würden rund 60% des Warenkorbes ausmachen. Die FED werde daher sehen wollen, dass auch bei den Dienstleistungen die Inflation zurückgehe. In diesem Zusammenhang mache sie sich Sorgen um den weiterhin recht angespannten Arbeitsmarkt. Immerhin würden auf jeden Arbeitslosen weiterhin fast zwei offene Stellen kommen. Das sei wirklich ein ungewöhnlich hoher Wert, normalerweise liege dieser unter Eins. Angesichts des engen Arbeitsmarktes sei es auch wichtig auf den Wage Tracker der Atlanta Fed zu schauen, der wahrscheinlich morgen erscheine. Die zehnjährigen Bunds würden derzeit bei 2,17% rentieren, die entsprechenden T-Notes bei 3,51%.

Darüber hinaus scheine aber vielen Anleger nicht ganz klar zu sein, in welche Richtung es mit den Renditen weitergehe. Auf der einen Seite werde die Karte "Chinas Öffnung führt zu höheren Wachstumsraten" gespielt, auf der anderen Seite könnte aber genau das zu höheren Rohstoffpreisen und mithin einer höheren Inflation führen. Das würde es für die Notenbanken noch schwieriger machen, bald mit den Zinserhöhungen aufzuhören. Genau darauf würden aber die Bond-Händler spekulieren, die sich derzeit mit Rentenpapieren eindecken würden.

Schwer zu interpretieren seien auch die Daten aus den USA. Die Arbeitsmarktdaten für den Monat Dezember seien unter dem Strich recht robust gewesen. Zwar sei der Zuwachs bei den wöchentlichen Stundenlöhnen etwas schwächer ausgefallen, aber gleichzeitig sei die Arbeitslosenrate erneut auf 3,5% gefallen und die Beschäftigung sei wieder kräftig expandiert. Zuversicht hätten viele Bondinvestoren von dem starken und unerwarteten Einbruch beim ISM für den Dienstleistungssektor geschöpft. Aber auch hier müsse man vorsichtig sein, mache doch eine Monatszahl noch keinen Trend, zumal der Dezember durch einen Kälteeinbruch geprägt gewesen sei.

In Bezug auf die EZB habe zuletzt der französische Notenbankchef Francois Villeroy de Galhau für Diskussionen gesorgt, als er gesagt habe, dass die Leitzinsen mittlerweile wohl ihr neutrales Niveau erreicht hätten, sie seien also seiner Ansicht nach weder stimulierend noch bremsend. "Neue Zinsanhebungen in einem pragmatischen Tempo (werden) sehr wahrscheinlich notwendig sein", um mittelfristig wieder Preisstabilität zu erreichen. Die Analysten der Hamburg Commercial Bank gehen davon aus, dass der Hauptrefinanzierungssatz, der jetzt bei 2,5% liegt, im Laufe des Jahres noch auf 3,75% angehoben wird. Dies impliziere zwei weitere 50 Basispunkte-Schritte.

Nächste Woche stehe wieder das Weltwirtschaftsforum in Davos im Mittelpunkt, pünktlich dazu dürfte der IWF im Rahmen eines Updates neue Wachstumsprognosen präsentieren. Im Vorfeld von Davos habe das WEF wie schon seit fast 20 Jahren den jährlichen Risikoreport veröffentlicht. Darin würden 1.200 Experten aus der akademischen Welt, aus der Wirtschaft, Regierungsvertreter, internationale Organisationen und der Zivilgesellschaft befragt, auf welche Risiken man besonders achten sollte. Als kurzfristige Risiken stünden dabei eine Krise der Lebenshaltungskosten, Naturkatastrophen bzw. Extremwetterereignisse sowie geoökonomische Konfrontationen ganz oben auf der Liste.

Am Montag sei in den USA Veterans day. Und Ende der Woche beginne in China das Lunar New Year. Das Fest dauere eine Woche und bedeutet schon jetzt, dass hunderte von Millionen Chinesen im Land unterwegs seien, um ihre Verwandten auf dem Land zu besuchen, die sie wegen der Corona-Beschränkungen seit Jahren nicht mehr gesehen hätten. Niemand wisse, wie sich das auf die Corona-Entwicklung auswirken werde. Klar scheine aber schon zu sein, dass die Nachfrage Chinas nach Öl, Benzin und Diesel durch diese erhöhte Mobilität steige.

Datenseitig sei neben der heutigen US-Inflation morgen auf die erste BIP-Schätzung 2022 für Deutschland zu achten, nächste Woche würden die BIP-Zahlen 2022 für die Eurozone (19.01.) folgen. Am Samstag (14.01.) würden außerdem die Exportzahlen für China für Dezember veröffentlicht. Weiter würden am 20.01. die Großhandelspreise in Deutschland für Dezember bekannt gegeben. (12.01.2023/alc/a/a)