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Rentenpapiere zunehmend wieder attraktiv


06.01.23 08:57
ALTE LEIPZIGER Trust

Oberursel (www.anleihencheck.de) - Im Vergleich zur jüngeren Historie einzigartig war die extrem negative Entwicklung an den internationalen Rentenmärkten, so die Experten der ALTE LEIPZIGER Trust.

Angesichts dramatisch steigender Inflationsraten hätten sich die großen Zentralbanken, allen voran die US-Notenbank Federal Reserve (FED) und die Europäische Zentralbank (EZB), gezwungen gesehen, die Zinsen kräftig und ungewöhnlich rasch anzuheben. Steigende Zinsen würden im Umkehrschluss aber fallende Kurse für festverzinsliche Wertpapiere bedeuten. Phasen mit deutlichem Renditeanstieg habe es in den letzten Jahrzehnten schon öfter gegeben, 2022 sei der Wertverlust für Rentenanleger aber besonders heftig ausgefallen. Woran liege das?

Langlaufende Anleihen mit niedrigen Kupons würden sensibler auf Renditeänderungen als Kurzläufer oder Anleihen mit hohen Kupons reagieren. In Summe verursache daher - vereinfacht gesprochen - ein Basispunkt an Zinsanstieg aktuell einen doppelt so starken Kursrückgang, wie es zum Beispiel im Jahr 1994 der Fall gewesen sei.

Zusätzlich habe es 2022 - und auch das sei anders als beim ebenfalls schwachen Rentenjahrgang 1994 - so gut wie keine Kompensation der durch steigende Renditen verursachten Kursverluste durch laufende Kuponeinkommen gegeben. Auch sonstige Effekte, etwa Veränderungen der Indexzusammenstellung im Jahresverlauf, hätten die historisch einzigartigen Wertverluste bei Anleihen nur teilweise kompensieren können.

Während die 10-jährige Rendite von US-Staatsanleihen im Verlauf des Jahres 2022 von 1,50% auf 4,34% angezogen habe, sei der Anstieg beim deutschen Pendant aus dem negativen Bereich (-0,18%) auf in der Spitze 2,57% in relativer Betrachtung noch dramatischer ausgefallen. Da zwei ganze Generationen von Investorinnen und Investoren seit Anfang der 1980er Jahre nur fallende Renditen - und damit spiegelbildlich einen Anleihen-Bullenmarkt - kennengelernt hätten, sei das Attribut "historisch" in diesem Kontext berechtigt.

Die Notenbanken weltweit würden derzeit einen gefährlichen Balanceakt vollführen. Vor dem Hintergrund der hohen Inflationsrate würden die Währungshüter nicht müde zu betonen, die Leitzinsen anheben zu wollen. Die bis zuletzt robuste wirtschaftliche Entwicklung und die überaus gute Lage am Arbeitsmarkt hätten diese geldpolitische Ausrichtung erlaubt.

Nun würden sich aber zuletzt die Anzeichen einer wirtschaftlichen Schwäche mehren. Diesem Dilemma Rechnung tragend, hätten sowohl die FED- als auch die EZB-Notenbanker zuletzt angekündigt, das Tempo der geldpolitischen Straffung zu reduzieren.

Ähnlich wie in den Vereinigten Staaten hätten die europäischen Geldpolitiker daher im Dezember eine Leitzinsanhebung von lediglich 50 Basispunkten vorgenommen. Für die ersten beiden EZB-Ratssitzungen in 2023 würden die Experten jeweils eine Anhebung der Leitzinsen um 25 Basispunkte erwarten. Der Einlagesatz würde damit im Februar auf 2,25% und im März auf 2,50% steigen. Bei diesem Niveau sollte die Terminal-Rate, also das Ende des Leitzinserhöhungszyklus, erreicht sein.

Nach Erachten der Experten würden die Fundamentaldaten aus heutiger Sicht der Dinge bereits eine Beendigung der geldpolitischen Straffung im ersten Quartal 2023 hergeben. So dürfte die europäische Wirtschaft im vierten Quartal in eine recht kräftige Rezession eintreten. Dieser konjunkturelle Abschwung beschleunige sich bis ins erste Quartal 2023 hinein. Bei der Entwicklung der Inflationsrate scheine die Eurozone jedoch den Vereinigten Staaten hinterherzuhinken. Während die US-lnflationsrate ihren Zenit schon überschritten habe, sei die gesamteuropäische Inflationsrate bis zuletzt gestiegen. Erst in den kommenden Monaten sollte sich ebenfalls eine stärkere Abschwächung zeigen. Für eine Einstellung des Zinserhöhungszyklus spreche nicht zuletzt die Bilanzverkürzung der EZB.

So sei angesichts veränderter Bedingungen für Refinanzierungsgeschäfte Liquidität gegen Ende des Jahres an die Notenbank zurückgeflossen. Auf der Ratssitzung im Dezember 2022 habe die EZB außerdem einen ersten Anhaltspunkt geliefert, wie und wann sie ihre Bestände an Staatsanleihen, die sie im Rahmen ihres jahrelangen Anleiheaufkaufprogramms erworben habe, reduzieren möchte. Die stark nachlassende Wachstumsdynamik, moderat niedrigere Inflationsraten und die Bilanzverkürzung seien Argumente für eine Beendigung der Zinsanhebungen ab dem ersten Quartal. Bleibe die Inflation wider Erwarten und trotz des sich abzeichnenden konjunkturellen Abschwungs weiterhin zu hoch, hätten die Notenbanken Optionen, den Zinserhöhungszyklus später im Jahr 2023 wieder aufzunehmen.

Für die Zukunft betrachtet habe der Renditeanstieg im vergangenen Jahr aber auch seine Vorteile. Nach langer Zeit gebe es endlich wieder adäquate Renditen und Risikoprämien auf Anleihen, zumindest wenn man davon ausgehe, dass die Notenbanken mittelfristig ihre Inflationsziele erreichen würden. Das sogenannte TINA Argument, wobei "TINA" für die englische Abkürzung für "Es gibt keine Alternative" zu risikobehafteten Anlagen stehe, habe 2022 endgültig seine Berechtigung verloren. Anleihen würden also für Investoren wieder eine Alternative zu sein beginnen.

Die AL Trust-Rentenfonds würden das Ziel verfolgen, an den Zinserträgen und Kursgewinnen festverzinslicher Wertpapiere teilzuhaben. Zur Verwirklichung dieses Ziels würden die Experten die Strategie "buy and maintain" verfolgen und innerhalb der jeweiligen Fonds überwiegend in auf Euro lautende verzinsliche Papiere europäischer Aussteller mit hoher Bonität investieren. Für bereits investierte Anlegerinnen und Anleger in einem der Rentenfonds der Experten bedeute dies, dass nicht ausschließlich das Anlageuniversum das entscheidende Kriterium für die Kapitalanlage darstelle, sondern die Fragestellung, wie das gesteckte Anlageziel des Fonds erreicht werde. Und hier unterscheide sich die Anlagepolitik in den Rentenfonds von denjenigen der Wettbewerber.

Im Fonds enthaltene Papiere würden in der Regel bis zur Endfälligkeit gehalten und damit zu 100% bei Fälligkeit an den Fonds zurückbezahlt. Hierdurch würden hohe Kursschwankungen bzw. Schwankungen im Anteilpreis auf mittel- und langfristige Sicht kompensiert, da die Schuldner bei Endfälligkeit der Papiere diese wieder zu 100% zurückbezahlen würden. Investierte Anlegerinnen und Anleger könnten deshalb die gegenwärtig noch andauernde Schwächephase des Fonds abwarten und sie gegebenenfalls dazu nutzen, Fondsanteile nachzukaufen, um einen günstigeren Durchschnittseinstiegspreis zu erzielen oder - sofern es die finanzielle Situation erlaube - abzuwarten, bis der Anteilpreis sich wieder deutlich erhole.

Beim Blick auf das gerade begonnene Jahr 2023 überwiege insgesamt die Zuversicht. Europa habe seine Gasspeicher zum Beginn der Heizsaison fast vollständig füllen können.

Das schwer angeschlagene Verbrauchervertrauen habe sich zuletzt wieder etwas erholen können. Es würden sich die Anzeichen für einen neuen wirtschaftlichen Aufschwung nach der Winterrezession mehren.

Auch die USA würden unter der hohen Inflation leiden. Mit ihrer späten, aber umso energischeren Zinswende sollte die FED die Nachfrage voraussichtlich soweit dämpfen können, dass die US-Konjunktur Anfang 2023 stagniere und anschließend bis zum Herbst 2023 in eine milde Rezession gleite. Jedoch habe die US-lnflation ihren Höhepunkt offenbar überschritten.

Zunächst sollte die US-Notenbank ihren Leitzins im Frühjahr 2023 auf dann 5,25% anheben. Aber bei geringerer Inflation und höherer Arbeitslosigkeit sollte sie dann ab Herbst 2023 die Zinsen wieder langsam senken und einen neuen Aufschwung im Jahr 2024 einleiten. Auch in Europa zeichne sich ab, dass der Preisdruck spätestens ab März wieder deutlich zurückgehen könne. Deshalb brauche die EZB vermutlich nicht über einen Leitzins von 3,5% hinauszugehen. Diesen könnte sie dann ab Frühjahr 2024 wieder auf 3% absenken.

China habe begonnen, seine rigide Null-Covid-Politik aufzugeben. Wenn im Frühjahr 2023 die saisonalen Ansteckungsrisiken wieder abnehmen würden, sei es möglich, dass sich die chinesische Konjunktur stabilisiere, ohne an die hohen Wachstumsraten früherer Zeiten anzuknüpfen.

In unsicheren Zeiten würden Anleger sichere Häfen wie den US-Dollar suchen. Würden 2023 keine neuen Katastrophen die Anleger in den Greenback treiben, könnte die Aussicht auf einen abnehmenden Zinsabstand zwischen der US-FED und der EZB dafür sorgen, dass der Euro sich bis Ende 2023 auf 1,15 zum US-Dollar erhole.

Die geopolitische Lage bleibe sehr angespannt. Sollte Russland seinen Krieg gegen die Ukraine ausweiten oder sollte die chinesische Volksrepublik das von ihr als "abtrünnige Provinz" beschriebene Taiwan angreifen, würde dies neue Schocks an den Kapitalmärkten auslösen. Und sollte wider aller Erwartungen die Inflation nicht in den Griff zu bekommen sein und die FED oder die EZB zwingen, noch härter auf die Bremse zu treten, würde dies die Weltwirtschaft und -märkte treffen. Denkbar seien diese Risiken, wahrscheinlich seien sie nicht. Sollten die Börsen nicht von einem negativen unvorhergesehenen Ereignis überrascht werden, könnte sich der Aktienjahrgang 2023 für alle Anleger als sehr gewinnbringend herausstellen, getreu dem Motto: Nach jeder Krise folge ein Boom! (Ausgabe Januar 2023) (06.01.2023/alc/a/a)