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Rentenmarkt: Weiterer Renditeanstieg


13.06.22 10:30
Union Investment

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Einhergehend mit der restriktiveren Ausrichtung der EZB kam es an den Euro-Staatsanleihemärkten in der Berichtswoche zu Verlusten, so die Experten von Union Investment.

Die richtungsweisende zehnjährige Bundrendite sei zeitweise bis auf 1,45 Prozent geklettert und habe Freitagvormittag mit 1,39 Prozent um 12 Basispunkte höher als zum Vorwochenschluss gelegen. Die deutsche Zinsstrukturkurve habe etwas flacher tendiert, da sich die restriktivere EZB-Zins- bzw. Geldpolitik in erster Linie am kurzen Ende der Kurve ausgewirkt habe. Dort seien die Renditen im Bereich von zwei bis vier Jahren Laufzeit um bis zu 22 Basispunkte und damit stärker als am langen Ende angestiegen.

In der Euro-Peripherie seien ebenfalls deutliche Renditesprünge zu beobachten gewesen. Vor allem gegenüber Italien habe mit Blick auf die Beendigung der Anleiheankäufe durch die EZB die Unsicherheit zugenommen. Der Renditeaufschlag italienischer Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit habe sich gegenüber den laufzeitgleichen Bundesanleihen auf etwas mehr als 220 Basispunkte erhöht. Im März habe dieser noch bei 150 Basispunkten gelegen. Die italienische Zehnjahresrendite betrage mittlerweile rund 3,6 Prozent (Vorwochenschluss 3,38 Prozent). Zum Vergleich: In der ersten Jahreshälfte 2021 hätten diese Papiere mit lediglich 0,5 Prozent rentiert, damit liege nunmehr ein sehr deutlicher Renditeanstieg hinter uns. Auch in Spanien sei ein Anstieg der Zehnjahresrendite um 20 Basispunkte auf nunmehr 2,6 Prozent zu beobachten gewesen.

Am US-Staatsanleihemarkt sei die Berichtswoche ebenfalls von roten Vorzeichen geprägt gewesen. US-Schatzanweisungen mit Fälligkeit in zehn Jahren seien über die Drei-Prozent-Renditemarke geklettert. Auch am US-Markt habe die Zinskurve über die kurzen Laufzeiten etwas flacher tendiert.

In der Berichtswoche hätten wieder einige Zentralbanken ihre Leitzinsen erhöht. Neben Indien, Chile sowie Peru und Polen habe die australische Notenbank in Blickpunkt gestanden. Australiens Notenbanker hätten in Erwartung einer noch höheren Inflation stärker als erwartet auf die Bremse getreten und mit der höchsten Leitzinserhöhung seit 22 Jahren (plus 0,5 auf 0,85 Prozent) den Markt überrascht.

Euro-Unternehmensanleihen sowie Schuldverschreibungen aus den Schwellenländern hätten sich dem Abwärtstrend in dieser Woche nicht entziehen können. Das inflationäre Umfeld und das Gegensteuern der Notenbanken hätten in der Berichtswoche in beiden Marktsegmenten zu Verlusten geführt, die Risikoprämien (Spreads) hätten sich dabei etwas ausgeweitet.

Der Euro sei im Wochenverlauf zum US-Dollar um einen Cent auf 1,06 US-Dollar je Euro gefallen. Die in Aussicht gestellten Zinserhöhungen würden derzeit der Gemeinschaftswährung scheinbar wenig nützen. Dies dürfte wohl auf die Unsicherheit über die weitere Entwicklung in der Euro-Peripherie im Zusammenhang mit den EZB-Maßnahmen zurückzuführen sein und für eine Zurückhaltung gegenüber Euro-Anlagen sorgen.

FED werde in der neuen Woche aller Voraussicht nach die Straffung ihrer Geldpolitik fortsetzen. Ein weiterer Zinsschritt um 50 Basispunkte werde am Markt erwartet. Für die FED sei die aktuelle Lage im Spannungsfeld hoher Inflationsraten und zunehmender Wachstumssorgen nicht gerade einfach und könne angesichts des Spagats als herausfordernd bezeichnet werden. Darüber hinaus würden sowohl die Bank of England als auch die japanische Notenbank tagen. Mit Blick auf die Konjunkturdaten würden am Mittwoch die US-Einzelhandelsumsätze herausstechen. Darüber hinaus gebe es ein paar Daten zum US-Immobilienmarkt. Am Dienstag stehe in Deutschland zudem der ZEW-Index zur Veröffentlichung an. (Ausgabe vom 10.06.2022) (13.06.2022/alc/a/a)