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An den Rentenmärkten eröffnen sich 2023 wieder neue Chancen


12.01.23 10:42
Monega

Köln (www.anleihencheck.de) - Das zurückliegende Börsenjahr dürfte vielen Anlegern als besonders herausfordernd in Erinnerung bleiben, so Christian Finke, Geschäftsführer der Monega KAG.

Am deutschen Aktienmarkt habe es zum Beispiel gleich drei scharfe Korrekturen gegeben, jeweils gefolgt von kräftigen Aufwärtsbewegungen, zuletzt in den Monaten Oktober/November. Zudem seien die Rentenmärkte als Korrektiv der Aktienmärkte vollständig ausgefallen. Eine solche Achterbahnfahrt sei - sofern keine neuen geopolitischen Krisen aufkämen - für das neue Jahr zwar nicht zu erwarten, dennoch seien die Herausforderungen mit hohen Inflationsraten und bevorstehender Rezession nicht gerade klein. Sparpläne auf globale Aktienanlagen seien vor diesem Hintergrund nach wie vor eine gute Wahl. Auf der Rentenseite seien Anleihen mit guter Qualität und kurzen Restlaufzeiten wieder interessant für einen Einstieg.

Im vergangenen Jahr habe man eine Outperformance von Value-Titeln gesehen, die sich noch weiter fortsetzen könnte. Diese Entwicklung vollziehe sich geradezu lehrbuchmäßig, denn in einer Phase steigender Zinsen seien Value- und Dividendenwerte, deren Erträge dem Anleger schneller zur Verfügung stünden als bei Wachstumswerten, die erst in der Zukunft Erträge erwirtschaften würden, einfach im Vorteil. Die sogenannten High-Tech-Werte sollte man trotzdem nicht dauerhaft abschreiben. Spätestens wenn die Inflation gebrochen sei und die FED eventuell sogar wieder über Zinssenkungen nachdenke, könnten diese Titel wieder rasch Boden gutmachen.

Wenn man nach Branchen differenziere, dann hätten zurzeit alle Unternehmen einen schweren Stand, die mit hohem Energie- und Ressourceneinsatz produzieren würden, also vor allem Industrieunternehmen, in Deutschland nicht zuletzt die Automobil- und Chemieindustrie. Vor dem Hintergrund eines wirtschaftlichen Abschwungs seien Unternehmen, die nicht zyklische Konsumgüter herstellen würden, wie etwa die Nahrungsmittelindustrie, im Vorteil.

Nach Regionen betrachtet, würden die Experten die USA vorn sehen, weil hier die Anpassungsprozesse an die neue Zinswelt einfach schneller gehen würden. Die amerikanischen Indices seien im laufenden Jahr stärker zurückgegangen als in Europa. Sie würden daher erwarten, dass auch die Erholung früher einsetzen werde. China habe sich in den letzten Jahren durch rigide Markteingriffe, mangelnde Transparenz und die missglückte Null-Covid-Politik selbst geschwächt, außerdem würden sie volkswirtschaftlich erhebliche Fehlallokationen sehen, etwa im Immobiliensektor.

Die asiatischen Emerging Markets könnten dagegen von den strukturellen Problemen Chinas profitieren, mit zum Teil höheren Wachstumsraten und interessanteren Aktienmärkten als in China. In Japan würden die Aktienunternehmen günstige Kurs-Gewinn-Verhältnisse aufweisen, außerdem profitiere die Region von der nach wie vor expansiven Geldpolitik der Bank of Japan.

Während die Aktienmärkte tendenziell unter der veränderten Zinslandschaft leiden würden, dürften sich an den Rentenmärkten erstmals seit Jahren wieder neue Chancen eröffnen. Vor allem Unternehmensanleihen mit Investmentgrade-Rating, also solche die von den Agenturen mit AAA bis BBB- bewertet würden, würden die Experten für sehr interessant halten. Wenn man davon ausgehe, dass die Welt nicht untergehe und dass man zwar Rezessionsentwicklungen sehe, aber nicht in eine tiefe, lang andauernde Rezession abgleite, dann seien Unternehmensanleihen ab einem Rating von BBB und besser hinreichend vor Ausfällen geschützt und würden mit einer aktuellen Marktrendite von gut 3,5 Prozent eine interessante Alternative zu Aktien darstellen.

Auch Produkte mit sehr kurzen Restlaufzeiten würden aktuell eine interessante Marktrendite aufweisen und seien für Anleger, die einfach in Ruhe die kommenden Entwicklungen würden abwarten wollen, eine echte Alternative. Bei Hochzinsanleihen, den sogenannten High Yields, stünden die Ampeln dagegen eher zwischen gelb und rot. Die emittierenden Unternehmen seien aufgrund hoher Verschuldungskennziffern die schwächsten in der Kette und würden besonders unter den gestiegenen Refinanzierungskosten und den voraussehbaren konjunkturellen Schwierigkeiten leiden. Europäische und US-Staatsanleihen würden die Experten eher neutral sehen, der US-Dollar dürfte gegenüber dem Euro seinen Höhepunkt schon hinter sich haben.

Bestehende Aktienpositionen in den etablierten Märkten sollten gehalten werden, bei Neupositionierungen im Aktienbereich würden die Experten die größten Chancen bei global anlegenden Produkten mit Schwerpunkt in den USA sehen. Hinter die Empfehlung, bei Aktienanlagen auf Sparpläne zu setzen, könne man nur noch einmal ein dickes Ausrufezeichen setzen. Gerade hochvolatile Marktphasen wie im vergangenen Jahr würden sich mit Sparplänen entspannt überstehen lassen. Ansonsten würden die Experten Anleihen mit guter Bonität wieder für sehr interessant halten, zumal man nicht viel Zinsrisiko eingehen müsse, um Anleihen mit 3,5 bis 4 Prozent Rendite, gerechnet auf die Endfälligkeit, zu finden. (12.01.2023/alc/a/a)