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Rentenmärkte: Schwache US-Konjunkturdaten sorgen für weiteren Renditerückgang


20.01.23 08:51
Hamburg Commercial Bank

Hamburg (www.anleihencheck.de) - Die Renditen der US- und der deutschen Staatsanleihen sind weiter zurückgegangen, nachdem am 18. Januar 2023 eine ganze Reihe von US-Konjunkturdaten die Angst vor einer Rezession angefacht haben, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank AG.

So seien im Dezember die Einzelhandelsumsätze gegenüber dem Vormonat um 1,1% zurückgegangen und die Industrieproduktion habe mit -0,7% MoM ebenfalls ein negatives Vorzeichen gehabt. Auch der seit einigen Monaten zu beobachtende Abbau der Lagerbestände im Einzelhandel wäre kompatibel mit einer startenden Rezession (Überlegung: In Erwartung einer Rezession bestelle der Einzelhandel weniger Waren und baue lieber seine Lagerbestände ab).

Die Analysten würden zwar mit einer schwachen US-Konjunktur in diesem Jahr und möglicherweise auch einem oder zwei Quartalen mit negativem Wachstum, aber keineswegs mit einer ausgeprägten Rezession rechnen. Die Märkte scheinen aber genau dieses Szenario zu spielen, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank AG. So seien die Renditen der zehnjährigen T-Notes auf 3,34% gefallen - ein Rückgang um rund 20 Basispunkten innerhalb von nur zwei Tagen. Die entsprechenden Bunds seien diesem Beispiel gefolgt und würden jetzt bei 2,05% rentieren.

Ein Blick in den Rückspiegel zeige, dass die deutsche Volkswirtschaft 2022 um 1,9% gewachsen sei und damit im vierten Quartal stagniert sein dürfte.

Konjunkturdaten habe es auch aus China gegeben. Dort habe das BIP im vierten Quartal im Vergleich zum Vorquartal stagniert (0% QoQ, 2,9% YoY, 2022: 3,0%). Man dürfe aber fragen, wie es zu diesem Ergebnis gekommen sei, sei doch der nominale Außenbeitrag in Q4 um 24% eingebrochen, während die Baubeginne um fast 7% zurückgegangen seien und die Einzelhandelsumsätze um rund 0,8% nachgegeben hätten (alles QoQ). Auch der Rückgang des Outputs im Dienstleistungssektor um 2,1% passe nicht in das Bild einer stagnierenden Volkswirtschaft. Die Industrie könne die negativen Wachstumszahlen nicht kompensiert haben (Q4: -0,1%). Positive Impulse seien alleine von der Investitionstätigkeit gekommen, die um 20% expandiert sei.

Unter dem Strich erscheine den Analysten die ausgewiesene Stagnation des BIP im vierten Quartal nicht kompatibel mit der tatsächlichen Entwicklung in China zu sein. Tatsächlich würden sich die Finanzmärkte um die aufgezeigten Inkonsistenzen eher wenig kümmern und vielmehr auf die schon bald erfolgende Wiederbelebung der Wirtschaft hoffen, die die Analysten insbesondere für das zweite und dritte Quartal erwarten würden. Dass hiermit auch das Inflationsrisiko für die Weltwirtschaft steige - immerhin frage China rund 15% der globalen Ölproduktion nach - werde bislang ebenfalls weitestgehend ignoriert, trotz der Warnungen der Energieagentur IEA, die in ihrer jüngsten Prognose auf genau dieses Risiko hinweise.

Diese Woche sei verstärkt diskutiert worden, dass die USA formell die Schuldenbremse heute erreiche. Zwar könne Finanzministerin Janet Yellen durch "außerordentliches Cash-Management" den Zeitpunkt einer Zahlungsunfähigkeit nach eigenem Bekunden bis Juni diesen Jahres hinauszögern. Danach drohe aber grundsätzlich die Zahlungsunfähigkeit. Normalerweise würde man sagen, dass die Politiker vernünftig genug seien, um eine derartige Situation zu verhindern - und das sei auch das Basisszenario der Analysten. Nach dem extrem langwierigen Prozedere bei der Wahl Kevin McCarthys zum republikanischen Sprecher des Repräsentantenhauses zu Beginn des Jahres klinge diese Aussage jedoch nicht mehr ganz so selbstverständlich.

Kevin McCarthy habe denn auch schon angekündigt, dass die Anhebung der Schuldengrenze, die jetzt bei 31,4 Billionen US-Dollar liege, nur dann von den Republikanern im Abgeordnetenhaus genehmigt werde, wenn die Regierung zu Ausgabenkürzungen, unter anderem im Sozialbereich, bereit sei. Im Jahr 2011 habe die Ratingagentur S&P den USA die Spitzenbonitätsnote AAA entzogen, nachdem die Schuldengrenze erst in der allerletzten Minute erhöht worden sei.

Datenseitig sei heute (20.01.) für Deutschland auf die Produzentenpreise für den Dezember zu achten, deren Kernrate zuletzt um 12,7% YoY gestiegen sei und leicht rückläufig gewesen sei (Gesamtindex: 28,2%, stark rückläufig wegen der fallenden Energiepreise). Außerdem seien auch heute (20.01.) die Verkäufe bestehender Häuser in den USA zu beachten, die in den letzten Monaten deutlich zurückgegangen seien und im November das Tief vom Mai 2020 erreicht hätten. Nächste Woche werde der Konsumentenvertrauensindex GfK für den laufenden Monat veröffentlicht (24.01.), der mittelweile einen Boden gefunden zu haben scheine.

Am gleichen Tag würden auch die Schnellschätzungen der PMI-Einkaufsmanagerindices für Frankreich, Deutschland und die Eurozone (in dieser Reihenfolge) über die Ticker laufen. Der deutsche PMI könnte einen Hinweis auf die Entwicklung des ifo-Index geben (25.01., alle Frühindikatoren für den laufenden Monat). Aus den USA gebe es ebenfalls Konjunkturindikatoren in der Form der Auftragseingänge und Hausverkäufe (beide am 26.01. für Dezember) sowie die Konsumausgaben inklusive der Sparquote, die sich mit zuletzt 2,4% dem bisherigen Allzeittief der vergangenen 70 Jahre von 2,1% (Juli 2005) annähere (27.01. für Dezember). Außerdem erscheinen am 26.01. detaillierte BIP-Zahlen aus den USA, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank AG. (Ausgabe vom 19.01.2023) (20.01.2023/alc/a/a)