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Rentenmärkte: Renditerückgang setzt sich fort


25.11.22 09:27
Hamburg Commercial Bank

Hamburg (www.anleihencheck.de) - Die Renditen der Staatsanleihen befinden sich weiterhin auf dem Rückzug, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank AG.

Am 23.11.2022 habe die Veröffentlichung des Protokolls der letzten Notenbanksitzung für einen weiteren Rückgang der US-Renditen gesorgt. Demnach würden die meisten FED-Mitglieder für die kommende Notenbanksitzung einen Zinsschritt von nur noch 50 Basispunkten statt der zuletzt durchgeführten 75 BP befürworten. Dazu sei noch gekommen, dass die PMI-Einkaufsmanagerindices in den USA sowohl für das Verarbeitende Gewerbe als auch für den Dienstleistungssektor kräftig gefallen seien.

Die zehnjährigen T-Notes würden nur noch bei 3,70% rentieren, die 10-jährigen Bunds seien deutlich unter 2% gefallen und lägen jetzt bei 1,86%. Offensichtlich gebe es einen klaren Optimismus, dass erstens die US-Inflation deutlich fallen werde und zweitens die FED auch bald mit den Zinserhöhungen ganz aufhören und Ende 2023 wieder senken könnte.

Ja, es sei möglich, dass die Inflation in den USA deutlich fallen werde, aber es sei unklar, wie nachhaltig dieser Rückgang ausfalle, da hier auch Basiseffekte eine Rolle spielen würden und es Übertreibungen nach unten geben dürfte (etwa wenn Preisnachlässe gegeben würden, um die Lager wieder frei zu räumen). Unter diesen Umständen sei es vermutlich zu optimistisch, Zinssenkungen zum Jahresende einzupreisen, wie das die Futuremärkte und offensichtlich auch die Aktienmärkte gerade tun würden.

Was die Inflation in der Eurozone angehe, müsse man feststellen, dass diese noch ein paar Monate relativ hoch bleiben dürfte. Laut ifo-Institut wollten über 70% der befragten Unternehmen in den nächsten drei Monaten die Preise anheben. Diese Umfrage werde monatlich durchgeführt und am 25.11.2022 würden dazu neue Ergebnisse kommen.

Förderlich für den Renditerückgang seien auch die wenig erfreulichen Nachrichten aus China. Denn hier zerschlage sich gerade die nach dem Parteitag aufkeimende Hoffnung, dass die Covid-Politik nachhaltig gelockert werden könnte. Im Gegenteil, 1,4 Millionen Menschen - ein Rekordwert - würden derzeit als Menschen geführt, die einen engen Kontakt zu einem Corona-Fall gehabt hätten und seien daher in Quarantäne, sei es in einem eigens dafür reservierten Hotel, oder in einem dafür gebauten Gebäude oder Zuhause, wo die Tür teilweise versiegelt werde.

Die Stadt Zhengzhou, wo auch der Apple-Zulieferer Foxconn seine größte iPhone-Fabrik habe, sei zum größten Teil im Lockdown und bei Foxconn könne nur ein Teil der Produktion aufrecht erhalten werden. China scheine in Bezug auf Covid-19 "first in and last out" zu sein. Das Wirtschaftswachstum Chinas werde dadurch in den nächsten Monaten vermutlich erheblich gebremst werden.

Festzuhalten sei auf jeden Fall, dass am 24.11.2022 in den USA Thanksgiving gefeiert worden sei, heute (25.11.) sei der für viele Händler umsatzstärkste Tag des Jahres, der Black Friday, dessen Einzelhandelsverkäufe Rückschlüsse auf die Konsumstimmung der Amerikaner zulassen würden.

Datenseitig sei heute (25.11.) außerdem auf den GfK Konsumentenvertrauensindex zu achten (für den laufenden Monat) sowie auf die detaillierten BIP-Zahlen für Deutschland für das dritte Quartal, wo man erstens erfahren werde, ob die bereits veröffentlichte Wachstumszahl von 0,3% QoQ bestätigt werde und zweitens, woher das Wachstum gekommen sei.

Wichtig würden dann in der kommenden Woche die November-Inflationsdaten für die Eurozone sein (Spanien und Deutschland am 29.11., Eurozone am 30.11.). Die US-Arbeitsmarktdaten erscheinen dieses Mal ausnahmsweise nicht am ersten Freitag des Monats, sondern am 8. Dezember, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank AG. (Ausgabe vom 24.11.2022) (25.11.2022/alc/a/a)