Renten: Im Spannungsfeld von Inflation und Geldpolitik


12.01.23 09:17
Postbank Research

Bonn (www.anleihencheck.de) - Bonitätsstarke Staats- und Unternehmensanleihen könnten für Anleger 2023 wieder zu einer interessanten Anlageoption werden - vorausgesetzt, die Notenbanken halten die Teuerungsraten im Zaum, so die Analysten von Postbank Research.

Stark steigende Inflationsraten und eine zunehmend restriktive Geldpolitik vieler Notenbanken hätten 2022 weltweit zu einem kräftigen Anstieg der Zinsniveaus an den Anleihemärkten geführt. So seien die Renditen 10-jähriger US-Staatsanleihen bei 1,5% gestartet, hätten zwischenzeitlich fast 4,4% erreicht und das Jahr bei knapp 3,9% beendet. Die laufende Verzinsung europäischer Unternehmensanleihen mit guter und sehr guter Bonität (Investment Grade, IG) habe zum Jahresultimo bei durchschnittlich 4,3% gelegen - Anfang des Jahres seien es noch 0,5% gewesen.

Hohe Volatilität. Im neuen Jahr könnten die Rentenmärkte in ein ruhigeres Fahrwasser kommen - und Anlegern wieder bessere Perspektiven eröffnen. Dieser Einschätzung der Deutschen Bank liege die Annahme zugrunde, dass sich die hohen Teuerungsraten nicht verstetigen, sondern auf ein mittleres Niveau einpendeln würden. Für dieses Szenario würden derzeit die durchschnittlichen Inflationserwartungen der Analystengemeinde sprechen, die beispielsweise für die USA auf Sicht der kommenden fünf Jahre rund 2,5% prognostiziere. Die aktuellen Anleihezinsen scheinen jedenfalls den Werten zu entsprechen, die historisch betrachtet mit einem mittelhohen Inflationsregime vereinbar sind, so die Analysten von Postbank Research.

Gleichwohl dürfte die Wertentwicklung von Rentenpapieren auch 2023 stark schwanken. Die großen Notenbanken würden hier ein wichtiger Einflussfaktor bleiben. Sie würden mit hoher Wahrscheinlichkeit ihren Fokus weiter auf die Bekämpfung der Inflation legen. In den USA und vor allem in der Eurozone sei daher mit weiteren Leitzinsanhebungen zu rechnen, wenn auch mit moderateren Zinsschritten als zu Beginn des Zyklus. Überraschende Leizinsanhebungen aber würden auf den Anleihekursen lasten und könnten weitere Marktbewegungen auslösen.

Aufgrund der anhaltenden Risiken erscheine es für Anleger ratsam, in den kommenden Monaten vor allem auf liquide Investments und solche mit IG-Rating aus den USA und Europa zu setzen - Rendite und Qualität würden sich nicht mehr ausschließen. Hier dürften sich bei Staatsanleihen eher US-Papiere anbieten als beispielsweise ihre deutschen Pendants. Das Emissionsvolumen europäischer Staatsanleihen dürfte steigen und die auslaufende EZB-Unterstützung den Rentenmarkt belasten.

Im Segment der Unternehmensanleihen könnte sich ein genauerer Blick auf europäische Banken lohnen: Deren fundamentale Daten im Bereich Kapitalausstattung und Kreditrisiken hätten sich in den vergangenen Jahren deutlich verbessert. Für höher verzinste Unternehmensanleihen (High Yield, HY) komme ein Einstieg wohl noch zu früh. Diese Einschätzung könnte sich aber mit dem ab Frühjahr erwarteten Konjunkturaufschwung ändern, sodass im weiteren Jahresverlauf 2023 auch riskantere Papiere wieder in den Fokus der Anleger rücken würden.

Hohe Verzinsung. Die Anleihemärkte der Schwellenländer würden hohe Zinskupons bieten. Viele Staaten hätten frühzeitig Maßnahmen gegen die hohen Inflationsraten ergriffen und würden mittlerweile sogar wieder über Zinssenkungen nachdenken. Trete die erwartete Konjunkturerholung in China ein, würden davon konjunkturell nicht nur die Anrainerstaaten, sondern auch rohstoffexportierende Länder etwa in Lateinamerika profitieren - China sei weltweit der größte Rohstoffimporteur.

Hinzu würden mögliche positive Effekte für die oftmals in US-Dollar verschuldeten Schwellenländer durch ein erwartetes allmähliches Ende der US-Dollar-Dominanz kommen. Anleger sollten bei ihren Investments aber die große Heterogenität unter den Schwellenländern berücksichtigen, die mit zum Teil sehr spezifischen Herausforderungen zu kämpfen hätten. (Ausgabe Kapitalmarktausblick Januar 2023) (12.01.2023/alc/a/a)






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