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Renten: Ruhiger Jahresausklang?


18.11.22 12:56
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Rendite zehnjähriger US-Treasuries notierte zuletzt bei 3,75% und lag damit einen halben Prozentpunkt unter den Jahreshöchstständen, so die Analysten der Helaba.

Zwar sei die US-Notenbank mit ihren Zinserhöhungen noch nicht am Ende. Allerdings erwarte offenbar eine wachsende Zahl von Anlegern, dass seitens der FED nicht mehr allzu viel komme. Rückenwind habe es vor allem durch die Veröffentlichung überraschend niedriger US-Inflationsdaten gegeben. Die Vorjahresrate sei von 8,2% auf 7,7% im Oktober gesunken, immerhin der vierte Rückgang in Folge. Dazu ein kleines Gedankenspiel. Würde man alle vergleichbaren Hochinflationsphasen seit Anfang der 70er Jahre zusammenpacken, den Durchschnitt bilden und einen vergleichbaren Rückgang der US-Teuerung unterstellen, so würde Mitte 2023 ein Niveau von etwa 4,5% veröffentlicht werden.

Würden sich die US-Renditen unter der 4%-Marke behaupten, so stünden auch die Chancen auf einen stabilen Verlauf von Bundesanleihen nicht schlecht. Nach den rekordverdächtigen Schwankungen in diesem Jahr würden sich vermutlich nicht wenige Marktakteure nach einem ruhigen Jahresausklang sehnen. Die entscheidende Rolle komme dabei den beiden großen Notenbanken zu. Mitte Dezember stünden die nächsten Zinsentscheidungen an. Sowohl FED als auch EZB hätten angekündigt weiter zu straffen. An den Terminmärkten habe sich die Lage zuletzt etwas entspannt, das Niveau sei aber immer noch relativ hoch. Dies spreche eher für ein überschaubares negatives Überraschungspotenzial.

In den USA hätten sich die Zinserhöhungserwartungen zuletzt sogar etwas mehr zurückgebildet als im Euroraum. Dies habe sowohl spürbar sinkende US-Kapitalmarktzinsen als auch einen etwas festeren Euro-Dollar-Kurs zur Folge. Noch stärker als in den USA seien die Renditen in Großbritannien gefallen. Innerhalb weniger Wochen sei die Rendite zehnjähriger britischer Gilts von rund 4,5% auf 3,2% geschrumpft. Dies sei allerdings nach den Finanzmarktturbulenzen im September vor allem eine Folge der politischen Beruhigung und wieder deutlich sinkender Risikoaufschläge gewesen. Auch die Spreads im Euroraum seien tendenziell zurückgegangen. Der Abstand zehnjähriger italienischer Staatsanleihen gegenüber Bunds sei von 2,4% Anfang Oktober auf zuletzt rund 1,8% gesunken. Dies seien immerhin die niedrigsten Stände seit dem Frühjahr.

Wieviel Renditespielraum nach unten es für Bundesanleihen kurzfristig noch gebe, hänge ebenfalls von der konjunkturellen Entwicklung ab. Die jüngsten Stimmungsindikatoren, insbesondere aus Deutschland, seien gar nicht so schlecht ausgefallen. Halte dieser Trend an - man dürfe gespannt auf den ifo-Index sein - so dürfte dies allerdings das Kurspotenzial bei Renten begrenzen. Jede positiv veröffentlichte Konjunkturzahl werde auf die Falken im EZB-Rat wie ein rotes Tuch wirken. Immerhin bestehe weiterhin ein hohes Risiko, dass sich die Inflationserwartungen nachhaltig auf einem höheren Level verankern würden. Entsprechende Aussagen würden die Zinserhöhungserwartungen rasch wieder nach oben treiben. (18.11.2022/alc/a/a)