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Renten: Die Rückkehr der Rendite


12.09.22 10:17
Postbank Research

Bonn (www.anleihencheck.de) - In Jackson Hole im US-Bundesstaat Wyoming hat sich Jerome Powell, Präsident der US-Notenbank Federal Reserve (FED), mit Nachdruck gegen eine verfrühte Lockerung der Geldpolitik in den USA ausgesprochen, so Dr. Ulrich Stephan von Postbank Research in der aktuellen Ausgabe von "Kapitalmarktausblick".

Im Gegenteil: Powell habe auf dem internationalen Zentralbank-Symposium betont, dass die Zinsen für eine gewisse Zeit hoch bleiben müssten, um das Inflationsziel von 2% wieder erreichen zu können.

Das entspreche den Erwartungen der Deutschen Bank, die in ihrem Basisszenario für das kommende Jahr einen Leitzinskorridor in den USA von 3,50% bis 3,75% prognostiziere. US-Staatsanleihen mit zwei Jahren Laufzeit hätten nach der Rede von FED-Chef Powell in Jackson Hole zwischenzeitlich mit fast 3,45% einen Jahreshöchststand erreicht.

Auch 10-jährige Papiere würden voraussichtlich weiterhin auf hohem Niveau rentieren: Für Juni 2023 erwarte die Deutsche Bank eine Rendite von 3,25%. Die laufende Verzinsung 2-jähriger US-Staatspapiere dürfte leicht nachgeben, aber dann mit 3,10% weiterhin ein hohes Niveau aufweisen. Auch die Realrenditen sollten stabil bleiben. Die Prognosen würden auf der Annahme basieren, dass sich die US-Wirtschaft nach einer leichten Rezession im 1. Halbjahr 2023 berappele.

Im Unternehmenssektor dürften globale Anleihen mit guter und sehr guter Bonität (Investment Grade, IG) vorerst spürbaren Schwankungen unterliegen. Eine Reihe von Faktoren spreche aber für das Segment - dazu würden stabile Fundamentaldaten und ein insgesamt attraktives Renditeniveau gehören. Die hohe Inflation, erhebliche geopolitische Risiken und eine bevorstehende milde Rezession in den USA dürften die Renditeaufschläge für Unternehmenspapiere, die in US-Dollar denominiert seien, in den nächsten zwölf Monaten nach oben drücken. Die Renditen für Unternehmensanleihen aus dem Euro-Raum könnten sich bis Juni 2023 wieder stabilisieren - die Aufschläge würden bereits eine Rezession einpreisen.

Auch bei globalen Hochzinsanleihen (High Yields, HY) würden die Fundamentaldaten für die meisten Emittenten aus den Industrieländern günstig bleiben. Vor dem Hintergrund des wirtschaftlichen Abschwungs erwarte die Deutsche Bank allerdings, dass die Ausfallraten im Prognosezeitraum von zwölf Monaten steigen würden. Das könnte für Anleihen aus dem US-Dollar-Raum stärker zutreffen als für Papiere, die in Euro ausgegeben worden seien. Das Bewertungsniveau des HY-Markts auf Eurobasis sei spürbar attraktiver geworden. Kurzfristig gehe die Deutsche Bank aber von einer erhöhten Volatilität aus und erwarte, dass die Renditeaufschläge aufgrund geld- und geopolitischer Unsicherheiten unter Druck bleiben würden.

Die Renditeaufschläge von Unternehmensanleihen aus den Schwellenländern sollten sich in den kommenden zwölf Monaten aufgrund hoher Sparquoten und gesunder Unternehmensbilanzen leicht verengen. Investoren hätten bereits damit begonnen, Abwärtsrisiken einzupreisen - das impliziere ein gewisses Aufwärtspotenzial für Schwellenländer-Staatsanleihen. Rohstoffexportierende Länder mit Investment-Grade-Rating sollten von soliden Wirtschaftsindikatoren profitieren. Allerdings würden Investments in das Segment weiterhin eine hohe Risikobereitschaft erfordern: Geopolitische Risikofaktoren, unsichere Wachstumsaussichten der Exportmärkte, Sorgen um die Lebensmittelversorgung und weitere länderspezifische Themen dürften das Segment in unterschiedlicher Weise immer wieder vor neue Herausforderungen stellen. (Ausgabe September 2022) (12.09.2022/alc/a/a)