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Renten: Für Entwarnung noch zu früh


06.01.23 12:11
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Wir erhöhen den Zielwert des Hauptrefinanzierungssatzes von 2,75% auf 3,5%, so die Analysten der Helaba.

Für Renten bleibe das Umfeld zunächst schwierig. Auf Jahressicht ergebe sich aber ein stabiler Ausblick.

Die Euro-Teuerung zum Jahresende sei zwar von 10,1% auf 9,2% gesunken. Für die EZB dürfte dies jedoch keinen ausreichenden Grund liefern, den Straffungskurs auslaufen zu lassen. Zwar habe sie wie andere Zentralbanken das Tempo zuletzt etwas reduziert - von 75er-Basispunkteschritten auf 50er-Schritte. Die Erwartungen, dass sich die erschwerten Finanzierungsbedingungen bereits deutlich in den Konjunkturdaten auswirken würden und dadurch Druck auf die Inflation ausgeübt werde, hätten sich per saldo aber noch nicht erfüllt.

Das ifo Geschäftsklima sei seit September dreimal in Folge gestiegen. Dies spreche gegen eine weitere Verlangsamung des geldpolitischen Straffungskurses. Zudem scheinen die Falken im EZB-Rat weiterhin die Meinungsführerschaft zu besitzen, so die Analysten der Helaba. Mit dem neuen Euro-Mitglied Kroatien und ihrem Notenbankchef Boris Vujčić werde diese Fraktion noch gestärkt. Die Analysten würden daher den Zielwert des Hauptrefinanzierungssatzes für 2023 von 2,75% auf 3,5% erhöhen. In den beiden kommenden Sitzungen des EZB-Rats am 2. Februar und am 16. März sei mit Zinsanhebungen um jeweils 50 Basispunkte zu rechnen. Danach starte der Abbau der EZB-Bilanz durch abnehmende Reinvestitionen des Wertpapierbestands in einem Volumen von monatlich 15 Mrd. Euro.

Das höhere Zielniveau bei den Leitzinsen betreffe auch die Kapitalmarktprognosen der Analysten. Die Unsicherheit am Rentenmarkt dürfte im ersten Halbjahr höher ausfallen, als bislang unterstellt. Die Analysten hätten daher u.a. die Halbjahresprognosen für 10-jährige Bundesanleihen von 2,4% auf 2,7% angehoben. Die Rendite 10-jähriger US-Treasuries sei auf 4,0% gesetzt worden. Denn auch die US-Notenbank dürfte stärker an der Zinsschraube drehen als die Analysten noch im alten Jahr erwartet hätten. Die Jahresendstände bei den Renditen von 2,3% bzw. 3,7% würden gleichwohl bestehen bleiben. Die Marktbewegungen sollten dabei im Jahresverlauf einer einfachen Logik folgen: Je höher die Notenbanken ihre Leitzinsen nach oben schrauben würden, desto größer werde auch der Spielraum für Zinssenkungen, natürlich abhängig vom dem Tempo des Inflationsrückgangs.

Die flachen bzw. inversen Zinsstrukturkurven im Euroraum und den USA würden signalisieren, dass die Investoren die Leitzinsen nicht dauerhaft auf dem erhöhten 2023er-Niveau erwarten würden. Die EZB-Historie spreche dabei nicht gegen diese Annahme: Die drei Leitzinsspitzen im Euroraum hätten im Durchschnitt weniger als fünf Monate Bestand gehabt. Anders sehe der Blick in den Rückspiegel bei der Bundesbank aus. Hier habe der Durchschnittswert bei fast elf Monaten gelegen. Besonders hartnäckig hätten die deutschen Währungshüter während der Inflationsphasen in den 70ern sowie Anfang der 80er Jahre die Leitzinsen oben gehalten. Da wir uns inflationsseitig in vergleichbaren Verhältnissen bewegen, sollte besser nicht auf eine frühe Zinswende gesetzt werden, so die Analysten der Helaba. Ohnehin dürfte die EZB hier, wie schon in der Vergangenheit, der US-Notenbank den Vortritt lassen. (06.01.2023/alc/a/a)