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Renditen könnten bald einen Boden finden


17.11.22 15:52
Hamburg Commercial Bank

Hamburg (www.anleihencheck.de) - Die Renditen der Staatsanleihen sind weiterhin auf dem Rückmarsch, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank.

US-Notes würden im zehnjährigen Bereich bei 3,74% rentieren (sie seien vor kurzem noch bei 4,20% gewesen) und die entsprechenden Bunds bei 1,99%, nachdem Ende Oktober die Marke von 2,40% überschritten worden sei. Zuletzt habe der Raketeneinschlag auf der polnischen Seite für Verunsicherung gesorgt, auch wenn jetzt offensichtlich eine gewisse Entwarnung gegeben worden sei. Der Renditerückgang habe bereits letzte Woche an Fahrt aufgenommen, als die Inflationszahlen aus den USA veröffentlicht worden seien (CPI für Oktober: 7,7% YoY) und diese niedriger ausgefallen seien als erwartet. Jetzt würden viele Investoren offensichtlich davon ausgehen, dass die FED ihre Zinsen nicht mehr auf 4,75 bis 5,00% erhöhe, sondern darunter bleibe. Gestern (16.11.) habe diese Spekulation jedoch einen Dämpfer erhalten, denn die US-Einzelhandelsumsätze seien sehr robust gewesen. Sie hätten im Oktober 1,3% über dem Vormonat und 9% über dem Vorjahr gelegen.

Derweil seien im Zuge der Insolvenz der Kryptobörse FTX weitere Dominosteine umgefallen. So werde berichtet, dass die Kryptobank BlockFi, der Kryptobroker Genesis sowie die Kryptobörse Gemini mit Liquiditäts- und Solvenzproblemen zu kämpfen hätten. In der Kryptowelt werde die Insolvenz von FTX sicher noch weitere Kreise ziehen. Für den traditionellen Finanzsektor würden sich die Auswirkungen bislang noch in Grenzen halten. Dies dürfte daran liegen, dass sich die Kurse der wichtigsten Kryptowährungen Bitcoin und Ether etwas stabilisiert hätten. Komme es hier zu erneuten massiven Abschlägen in der Größenordnung von 50%, könnte es doch noch Rückwirkungen für institutionelle Investoren geben. Denn sie seien hauptsächlich - wenn sie gegenüber dem Kryptosektor exponiert seien - in diesen Werten engagiert.

Derweil sei in den letzten Tagen zunehmend diskutiert worden, in welchem Tempo die EZB mit ihren Leitzinserhöhungen weitergehen solle. Interessanterweise habe sich der eigentlich als Falke bekannte österreichische Notenbankchef Robert Holzmann gestern offensichtlich für eine Zinserhöhung von "nur" 50 BP am 15. Dezember ausgesprochen. Das gleiche gelte für seinen italienischen Kollegen Ignazio Visco. Frankreichs François de Galhau habe vorgestern gesagt, dass Jumbo-Zinserhöhungen wie im September und Oktober nicht zur Regel würden. Madis Muller, Notenbankchef von Estland, wo die Preise mit einer Rate von über 20% steigen würden, habe sich für eine Zinserhöhung zwischen 50 und 75 BP ausgesprochen. Die Debatte scheine derzeit darauf hinauszulaufen, dass der Leitzins am 15.12. um 50 BP erhöht werde und die Märkte davon nicht überrascht würden.

In Bezug auf politische Themen sei erwähnenswert, dass in den USA die Mehrheit der Republikaner im Repräsentantenhaus nach den Zwischenwahlen von vergangener Woche jetzt feststehe. Trotz des insgesamt für die Republikaner enttäuschenden Wahlergebnisses habe Donald Trump angekündigt, wieder als Präsidentschaftskandidat zu kandidieren, was die Republikaner spalten könnte. Für die Finanzmärkte sei diese Nachricht vermutlich ohne großes Einflusspotenzial. Erst in 2024, wenn die Primaries anstünden, dürfte dieses Thema eine größere Rolle spielen, auch geopolitisch.

Datenseitig sei morgen (18.11.) auf die Großhandelspreise in Deutschland zu schauen. Diese seien im September um 46% gegenüber dem Vorjahr gestiegen und die Rate dürfte von diesem Niveau aus wohl deutlich sinken. Nächste Woche stünden außerdem noch die Schnellschätzungen zu den PMI-Einkaufsmanagerindices an, unter anderem für die Eurozone an (23.11.), sowie der ifo-Index (24.11.) und der GfK-Konsumentenvertrauensindex (25.11., alles Daten für November). Außerdem würden die detaillierten BIP-Zahlen für Deutschland für das dritte Quartal veröffentlicht (25.11.).

Morgen und übermorgen finde der APEC-Gipfel statt. APEC sei die Asiatisch Pazifische Wirtschaftsgemeinschaft bestehend aus 21 Staaten, wo unter anderem China und USA Mitglieder seien. Es handele sich allerdings eher um etwas Vergleichbares wie das G7- oder G20-Format, also eine Gruppe, die keine bindenden Vereinbarungen treffen könne. Und schließlich solle auch der Beginn der Fussball-WM am 21.11. in Katar nicht unerwähnt bleiben. (Wochenbarometer vom 17.11.2022) (17.11.2022/alc/a/a)