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Renditen deutscher Bundesanleihen und US-Treasuries zugelegt


04.09.23 08:42
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Renditen deutscher Bundesanleihen sowie US-Treasuries legten am Freitag im Sog der ISM-Daten zu (10J Bunds +7Bp; 2,54%), so die Analysten der Nord LB.

Die internationale Finanzmärkte würden weiterhin mit ganz besonders großem Interesse auf die Konjunkturentwicklung in den USA blicken. Vor allem in der Industrie hätten sich in der letzten Zeit gewisse Bremsspuren gezeigt. Die aktuellen Zahlen zur Entwicklung des ISM PMI Manufacturing würden auf keine wirklich nachhaltigen Besserungstendenzen hindeuten.

Im August sei dieser Stimmungsindikator zwar leicht auf 47,6 Punkte gestiegen, damit offenbare diese Zeitreihe aber natürlich auch weiterhin ein Überwiegen der negativen Rückmeldungen von den befragten Einkaufsmanagern aus der US-Industrie. Nach mechanistischer Definition zeige sich somit - trotz einer inzwischen etwas höheren Dynamik - noch immer eine rückläufige ökonomische Aktivität bei den befragten Firmen.

Neben den US-Industrie Daten seien die US-Arbeitsmarktdaten für August am vergangenen Freitag neutral ausgefallen: Der Stellenaufbau schalte durchaus einen halben Gang herunter, sei mit 187.000 aber dennoch solide. Die Arbeitslosenquote sei deutlich von 3,5% auf 3,8% gestiegen, was aber relativiert werden könne. Der Stundenlohnanstieg sei mit 0,2% M/M niedrig ausgefallen, die Wochenstunden hätten aber wieder angezogen.

Trotz des widrigen Umfeldes mit noch hoher Inflation und gestiegenen Zinsen laufe der Job-Motor der US-Economy ordentlich. Der Arbeitsmarkt und die Wirtschaft seien robuster als gedacht. Eine nicht spektakuläre, aber dennoch spürbar abnehmende Dynamik deute aber durchaus an, dass die Zinsanhebungen von 5,25% innerhalb von 16 Monaten langsam auf dem Arbeitsmarkt anzukommen scheinen.

Auf der nächsten Offenmarktausschuss-Sitzung sollte die US-Notenbank abwarten, da die erfolgte Zinsanhebungsorgie wirkungsverzögert perspektivisch für noch einige weitere Belastung sorgen werde. Eine nochmalige Zinsanhebung - vor allem bei wieder unerfreulicheren Inflationsdaten - könne aber wohl noch nicht ganz ausgeschlossen werden. Weitere Zinsschritte würden aber die Gefahr für ein konjunkturelles "Hard Landing" erhöhen. Kurzfristig sehe es vom Arbeitsmarkt her eher nach einem "Soft Landing" aus.

Die Woche beginne recht interessant gleich heute mit der Veröffentlichung der Ergebnisse von Sentix bereits für September. In dieser Internetumfrage vor allem im Finanzbereich würden frühzeitig die Tendenzen aus dem - gerade erst begonnenen - Berichtsmonat für die weiteren Umfragen vom ZEW und vom ifo vorgezeichnet, was für besonderes Interesse zumindest auf dem deutschen Finanzmarkt sorge. Am Mittwoch und Donnerstag sollte auf die Auftragseingänge und die Industrieproduktion aus Deutschland geschaut werden - dies seien aber noch spät verfügbare Daten aus dem Juli.

Am Mittwochnachmittag könne die Höhe des US-Handelsbilanzdefizit für Juli bereits eine erste Indikation für den Außenbeitrag des US-BIP im dritten Quartal liefern und der ISM Services PMI dürfte mit einer stabilen Entwicklung bei 52,0 Punkten belegen, dass der Dienstleistungssektor in den USA weiterhin keine ganz so großen Sorgen habe. (04.09.2023/alc/a/a)