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Quo vadis Zinsen 2024


05.02.24 08:42
Oberbank

Linz (www.anleihencheck.de) - Bereits im Jahre 1926 erkannte der Ökonom Nikolai D. Kondratieff, dass die wirtschaftliche Entwicklung bestimmten Zyklen unterliegt, die sich in konjunkturellen Wellen manifestieren, so Philipp Gessl, BSc, Treasury und Handel bei der Oberbank AG.

In den Tiefphasen dieser Zyklen offenbare sich eine schwache bis negative Wachstumsrate, während in den Hochphasen von Hochkonjunktur die Rede sei. Diese Dynamiken würden sich auch in den Zinsstrukturkurven widerspiegeln, welche die Zinssätze für verschiedene Laufzeitbereiche als Punkte markieren würden und diese anschließend verbinde. Im Normalfall seien die Zinssätze auf lange Frist, also je länger man sich das Geld leihe, oder umgekehrt gesehen verborge, höher als die Zinssätze für kurze Perioden.

Ein Blick auf die aktuelle Zinsstrukturkurve unterhalb vermittele ein anderes Bild. Wir erkennen eine invers gebildete Zinsstrukturkurve, sprich die Zinssätze für kurze Laufzeiten sind höher, als die Zinsen für längere Laufzeitbereiche, so Oberbank. Maßgeblich dafür verantwortlich sei die Europäische Zentralbank (EZB). Mit Beginn des Zinserhöhungszyklus habe die EZB einen Paradigmenwechsel für den Markt gebracht.

Die weltweite Konjunkturerholung gepaart mit der Lieferkettenproblematik nach dem wirtschaftlichen Einbruch durch die Covid Pandemie, sowie der Russland-Ukraine Konflikt hätten zuletzt die Energie- und Lebensmittelpreise getrieben. Um nun die hohen Preissteigerungen in den Griff zu bekommen, habe sich die EZB gezwungen gesehen, die Zinsen erstmals seit über einem Jahrzehnt anzuheben und sei somit auf die "Zinsbremse" getreten.

Die von der Notenbank veranlasste Zinserhöhung beeinflusse insbesondere die Zinssätze bis zu einem Jahr. Auf längere Frist würden die Marktteilnehmer eine abgekühlte Wirtschaftsleistung, ein geringeres Inflationsniveau und dahingehend auch ein schwächeres Zinsniveau antizipieren.

Im Laufe des Jahres 2024 sollte sich der wirtschaftliche Ausblick für die Eurozone wieder bessern. Zudem erwarte ein Großteil der Marktteilnehmer ab Mitte des Jahres den Beginn des Zinssenkungszyklus seitens der EZB. Diese Entwicklungen würden dazu führen, dass womöglich das Ende der inversen Zinskurve drohe. Die am Geldmarkt orientierten Zinsen könnten sinken und die am Kapitalmarkt angesiedelten Zinsen würden dieser Prognose zufolge sogar leicht steigen. Kurz gesagt, die Differenz zwischen den kurzen und langen Laufzeiten bei den Zinsen wird sich verringern und wir werden eine relative flache Zinsstrukturkurve sehen, so Oberbank.

Ein Chart verdeutliche den Zinsunterschied zwischen 3M Euribor und dem 5Y IRS-Satz. Um schon jetzt von den derzeit niedrigen Kapitalmarktzinsen zu profitieren, gebe es verschiedenste Möglichkeiten. Der Zinsswap sei ein Instrument zur Zinsabsicherung. Ziel dieses Zinsproduktes sei es, die Zinsänderungsrisiken zu minieren und bei einer bereits bestehenden variablen Finanzierung, eine fixe Berechnungsgrundlage für die zukünftigen Zinszahlungen zu schaffen. (Ausgabe vom 02.02.2024) (05.02.2024/alc/a/a)