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Portfolio-Manager: Die FED wird die Nachfrage töten!


22.09.22 14:00
Der Aktionär

Kulmbach (www.anleihencheck.de) - Die US-Notenbank hat die Zinsen in den USA ein weiteres Mal um 75 Basispunkte angehoben, so Markus Bußler vom Online-Anlegermagazin "Der Aktionär".

Doch die Zweifel an der Strategie der FED würden lauter. Eine hohe Verschuldung im Verhältnis zum BIP, überhöhte Unternehmensbewertungen und eine hohe Inflation würden bedeuten, dass die Straffung der FED "die Nachfrage absolut töten wird", so Tavi Costa, Portfoliomanager bei Crescat Capital.

"Diese drei makroökonomischen Ungleichgewichte schaffen meiner Meinung nach große politische Zwänge, wenn es um die Bekämpfung der Inflation geht", sage er im Gespräch mit dem Internetportal kitco.com. "Ich glaube nicht, dass die Wirtschaft das, was wir tun, wirklich verkraften kann." Seine Ansicht nach, werde es einen größeren Rückgang an den Aktienmärkten geben.

Die Gesamtinflation in den USA habe im August bei 8,3 Prozent gelegen. Costa habe gesagt, dass "die Inflation heute sehr stark in der Wirtschaft verankert ist" und es sehr lange dauern könnte, bis sie sich abkühle. Als "vier Säulen der Inflation" habe er insbesondere das Lohnwachstum, unzureichende Investitionen in natürliche Ressourcen, "rücksichtslose" Steuerausgaben und die De-Globalisierung genannt. Er habe die De-Globalisierung als den wichtigsten Faktor hervorgehoben.

"Wir stehen am Anfang einer de-globalisierten Welt, die die meisten entwickelten Volkswirtschaften dazu zwingen wird, ihre Abhängigkeit von Ländern wie China zu verringern", habe er erklärt. Das werde die Nachfrage nach Rohstoffen erhöhen, um die Produktionsstätten in den Industrieländern wieder aufzubauen.

Aufgrund dieser vier Säulen werde ein Übergang zu einem neuen Wirtschaftssystem vollzogen. "Währungen werden anders gehandelt werden", habe er gesagt. "Wir werden Veränderungen in den Korrelationen sehen, so wie wir sehen, dass Treasuries sinken und Gold steigt. Wir werden eine Veränderung der Kräfteverhältnisse erleben. Schwellenländer, die rohstofforientierte Volkswirtschaften sind, werden gut abschneiden." Obwohl die Vereinigten Staaten mit 3,7 Prozent im August weiterhin eine niedrige Arbeitslosenquote aufweisen würden, habe Costa angedeutet, dass sich die Lage auf den Arbeitsmärkten entspannen könnte. Die meisten Indikatoren für den Arbeitsmarkt seien im Allgemeinen Spätindikatoren. Die Zahl der offenen Stellen beginne zu sinken, und zwar von einem sehr hohen Niveau aus, aber sie beginne in großem Umfang zu sinken. Es handle sich um einen der stärksten Rückgänge seit dem Crash von 2020 und der globalen Finanzkrise.

Die FED fahre einen gefährlichen Kurs. Eine Rezession sei mehr als wahrscheinlich - technisch würden die USA sogar schon einer Rezession stecken. Die Frage sei nun: Werde die FED wirklich weiter mit diesen aggressiven Zinsanhebungen fortfahren - koste es, was es wolle? Oder werde die FED nicht doch allmählich verbal zurückrudern? (22.09.2022/alc/a/a)