Polen, Tschechien und Ungarn: Inflation steigt noch immer


09.11.22 12:53
Raiffeisen Capital Management

Wien (www.anleihencheck.de) - Die Inflation in den CE3-Staaten (Polen, Tschechien und Ungarn) steigt noch immer, während die Konjunktur zunehmende Ermüdungsanzeichen zeigt, so die Experten von Raiffeisen Capital Management.

In Polen habe die Inflation zuletzt fast 18% p.a. erreicht, trotz aller Bemühungen der Notenbank, sie einzudämmen. Von nahezu null auf 6,75% habe die Polnische Zentralbank die Zinsen in recht kurzer Zeit angehoben. Zuletzt habe sie aber eher überraschend eine Pause beim Drehen an der Zinsschraube signalisiert. Polens Währungshüter würden eine bereits spürbar nachlassende Kreditnachfrage sehen und ein Sinken der Inflation zu Beginn des kommenden Jahres erwarten. Die Wirtschaftsdaten für den November dürften für die weitere Geldpolitik ausschlaggebend sein.

Noch schlechter sehe es in Sachen Inflation in Ungarn aus, wo die Teuerung trotz sehr aggressiver Zinsanhebungen der Notenbank sogar die 20%-Marke überschritten habe. Auf einer außerordentlichen Sitzung hätten die Notenbanker im Oktober einen neuen Ein-Tages-Zinssatz eingeführt und diesen mit 18% festgesetzt, volle fünf Prozentpunkte über dem eigentlichen Leitzins.

Der ungewöhnliche Schritt sollte auch dazu dienen, den Forint zu stützen, der inzwischen auf ein neues Rekordtief zum US-Dollar gefallen sei. Die Wirtschaft werde sich in den kommenden zwölf Monaten massiv abschwächen, was auch die Kerninflation (= Inflation ohne Energie- und Lebensmittelpreise) spürbar nach unten bringen sollte. Das sollte der ungarischen Währung helfen und in weiterer Folge auch die lokalen Zinssätze und Anleiherenditen nach unten bringen.

Tschechien habe im dritten Quartal einen Rückgang der Wirtschaftsleistung um rund 0,4% verzeichnet. Der Ausblick für das vierte Quartal 2022 sei wenig ermutigend und impliziere ein nochmaliges Schrumpfen des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Technisch würde Tschechien damit als eines der ersten Länder in der EU in eine Rezession rutschen. Die hohe Inflation bei lebensnotwendigen Gütern und Dienstleistungen belaste die Konsumneigung und damit das Wirtschaftswachstum insgesamt. Unterstützend für die Konjunktur würden aber weiterhin staatliche Hilfen und der sehr gut ausgelastete Arbeitsmarkt wirken.

Die Aktienkurse hätten in allen drei Staaten die Verluste vom September im Oktober weitgehend oder sogar gänzlich aufgeholt. Ob das bereits eine Trendwende nach oben darstelle, bleibe abzuwarten und erscheine aus heutiger Sicht eher zweifelhaft. Selbstverständlich bleibe der Krieg in der Ukraine ein zentraler Einflussfaktor für die wirtschaftliche Entwicklung der Länder in der Region und das Investoreninteresse. (Ausgabe vom 04.11.2022) (09.11.2022/alc/a/a)