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Notenbanken bremsen Rally aus


22.11.22 11:30
SOLIT Gruppe

Wiesbaden (www.anleihencheck.de) - Am Dienstag fand die starke Rally des Goldpreises am Widerstandsbereich um die Marke von 1.800 US-Dollar mit einem Hoch bei 1.786 US-Dollar vorerst ihr Ende, als der US-Dollar ein vorläufiges Tief ausgebildet hatte, so Markus Blaschzok, Chefanalyst der SOLIT Gruppe.

Auch das britische Pfund Sterling und der Euro hätten gleichzeitig wichtige Widerstandsmarken nach beeindruckenden Rallys erreicht. Seither sei der Goldpreis zurück auf 1.752 US-Dollar gefallen, was einem Wochenminus von 1,25% entspreche. Der Silberpreis, der sich in der Vorwoche bereits schwächer gezeigt habe, sei um 3,76% auf 21 US-Dollar zurückgefallen.

Seinen Premium-Abonnenten habe Markus Blaschzok, Chefanalyst der SOLIT Gruppe, am Dienstag bei einem Goldpreis von 1.777 US-Dollar zu Gewinnmitnahmen und einem Short-Trade bei Gold und Silber mit einem engen Stopp-Loss auf dem Tageshochs vom Vortag geraten. Nach dem extrem starken Goldpreisanstieg um 170 US-Dollar binnen weniger Handelstage sei die Wahrscheinlichkeit sehr gering gewesen, dass sich die Rally sofort fortsetzen und gleich auch der nächste Widerstand bei 1.800 US-Dollar überwunden werden könne. Es bleibt abzuwarten, wie stark und wie lang die Korrektur laufen wird, bevor wir im kurzfristigen Trading wieder auf die Käuferseite wechseln, so Markus Blaschzok, Chefanalyst der SOLIT Gruppe. Ein Test des Tiefs bei 1.616 US-Dollar sei unwahrscheinlich geworden und nach dem Ende der aktuellen Korrektur erwarte Blaschzok einen erneuten Angriff auf den Widerstand bei 1.800 US-Dollar.

Die Minenaktien im HUI-Goldminenindex, die seit ihrem Tief bereits um 30% angestiegen seien, hätten in der letzten Handelswoche einen Teil ihrer Gewinne mit einem Wochenminus von 3,25% wieder abgegeben.

Noch zu Wochenbeginn habe der Anstieg der US-Produzentenpreise mit nur 6,7% im Oktober anstatt der erwarteten 7,2% die Märkte optimistisch gestimmt, dass sich die Inflation abschwächen und die FED schon in Bälde eine Pause bei den Zinsanhebungen einlegen könnte. In der zweiten Wochenhälfte habe es jedoch 16 verschiedene Reden von Mitgliedern der FED mit einer klaren Botschaft an den Markt gegeben. Die Freude über ein Pivot sei zu früh gewesen und es werde höhere Zinssätze für länger Zeit geben und es stehe keine Pause oder Wende in der Geldpolitik bevor, so die Prognose der Notenbanker.
Bostic, der FED-Chef von Atlanta, habe gesagt, dass weitere Zinserhöhungen erforderlich seien und man "die Zinsen auf dem Höchststand halten muss", bis die Inflation auf dem Weg zu 2% sei.

Bullard, der Chef der Notenbank von St. Louis, habe gesagt, dass der Leitzins auf 7% weiter angehoben werden könnte.

Waller, der Vize-Präsident der FED von St. Louis, sehe bei Zinserhöhungen noch "einen langen Weg vor sich".

Daly, die Chefin der FED von San Francisco, habe gesagt, die "Pause ist vom Tisch".

Kashkari, der FED-Chef von Minneapolis, habe gesagt, es gäbe "keine Anzeichen für eine Abkühlung der Nachfrage" und es sei "noch nicht so weit", um die Leitzinsanhebungen zu unterbrechen.

Collins von der FED in Boston habe gesagt, dass eine Zinsanhebung um 75 Basispunkte im Dezember weiterhin im Gespräch sei, da es "keine eindeutigen Anzeichen für einen Rückgang der Inflation" gäbe.

All diese Verbalinterventionen hätten die Hoffnung auf eine Zinspause zunichte gemacht und dazu geführt, dass die Markterwartung für ein Zinsgipfel in dieser Woche sprunghaft angestiegen sei, worauf auch die Anleihen- und Aktienkurse wieder gefallen seien. Die nächsten Monate dürften sehr volatil an den Märkten werden, die einerseits von der Hoffnung auf eine niedrigere Inflation und ein Ende der Zinsanhebungen und andererseits von zunehmend schlechten Wirtschaftsdaten sowie persistent hohen Inflationsraten hin- und hergerissen würden.

Am Ende des Tages werde die FED im nächsten Jahr mit einem starken Anstieg der Arbeitslosigkeit wieder Geld drucken müssen, um den weiteren Anstieg der Zinsen kontrollieren zu können, wobei man dies mit dem Kampf gegen die hohe Arbeitslosigkeit begründen werde. Je schlechter sich die Wirtschaft entwickele, desto wahrscheinlicher würden neue quantitative Lockerungen werden, was sich in einem weiteren Anstieg des Gold- und Silberpreises widerspiegeln werde.

Die Rezession in Form einer Stagflation, die Markus Blaschzok, Chefanalyst der SOLIT Gruppe, Ende 2019 bereits für das neue Jahrzehnt vorhergesagt habe, sähen auch die EZB und Jeff Bezos mittlerweile kommen. Der Milliardär und Gründer von Amazon habe vergangene Woche vor einer schmerzvollen Rezession in den USA gewarnt und rate Unternehmen und Konsumenten finanzielle Reserven zu halten und große Anschaffungen in die Zukunft zu verschieben. Die Zeit werde ihm Recht geben, denn eine Rezession sei nach dem längsten Konjunkturaufschwung der Geschichte unvermeidlich, wobei diese unbekannte Ausmaße annehmen werde.

Die EZB habe in der vergangenen Woche in ihrem Finanzstabilitätsbericht konstatiert, dass der Euroraum in die Rezession abrutsche, weshalb man vor einer Insolvenzwelle bei Unternehmen und Privathaushalten gewarnt habe. Die Risiken für die Finanzstabilität würden steigen, da die steigenden Zinsen zu ungünstigen Finanzierungskonditionen für Unternehmen, Staat und Haushalte führen würden.

"Der Anstieg der Zinsen belastet die Haushaltslage stärker als bisher angenommen", heiße es im Bericht. Die EU und die EZB, deren Chefin behaupte, die Inflation sei "aus dem Nichts gekommen", seien Garant für einen weiter ansteigenden Goldpreis denn man werde gezwungen sein ein Auseinanderbrechen der Währungsunion durch das Drucken von neuem Geld in den nächsten Jahren zu verhindern.

Hinter den Kulissen bereite sich die Bundesregierung auf ein Worst-Case-Szenario vor, das einen wütenden Mob und einen Run auf die Banken einschließe, falls die Bevölkerung aufgrund von Stromausfällen keinen Zugang zu Bargeld habe.

Wie die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf vier Quellen berichtet habe, hätten die deutschen Behörden die Vorbereitungen für Notlieferungen von Bargeld im Falle eines längeren und weitflächigen Stromausfalls verstärkt, um die Wirtschaft am Laufen zu halten, da sich das Land auf mögliche Stromausfälle vorbereite. Zu den Plänen gehöre, dass die Bundesbank zusätzliche Milliarden horte, um einen Nachfrageschub zu bewältigen, sowie "mögliche Abhebungsbeschränkungen", habe eine der Personen gesagt.

Laut einer aktuellen Studie der Bundesbank würden noch immer rund 60% der alltäglichen Einkäufe in Deutschland mit Bargeld bezahlt und die Deutschen hätten im Durchschnitt jährlich mehr als 6.600 Euro vor allem an Geldautomaten abgehoben. Während die Deutschen ihr Bargeld lieben würden, weite der Staat seinen Kampf dagegen aus. Im Sanktionsdurchsetzungsgesetz II, das am 1. Januar 2023 Inkrafttreten solle, werde der Erwerb von Immobilien mit Mitteln wie Bargeld, Kryptowährungen oder Rohstoffen (Gold) ausdrücklich verboten. Ziel dieser Maßnahmen seien der gläserne Bürger und die totale Überwachung aller Transaktionen durch den Staat.

Innenministerin Nancy Faeser (SPD) wolle nun auch Bargeldgeschäfte über 10.000 Euro kriminalisieren und verbieten. Alle Geschäfte über der Bargeldobergrenze müssten dann elektronisch für die Behörden nachvollziehbar abgewickelt werden. Die EU habe bereits im Sommer 2021 eine Obergrenze von 10.000 Euro vorgeschlagen, womit man die Steuereinnahmen sowie die Kontrolle über die Bevölkerung maximieren wolle. Der Kampf gegen das Bargeld, das sich seit Jahrtausenden bewährt habe, sei äußerst bedenklich und allein die Sorge vor zu wenig Bargeld bei einem Stromausfall zeige, wie falsch dieser Kurs sei. Bargeld sei Freiheit.

Die Insolvenz der Kryptobörse FTX nach der Veruntreuung von Milliarden ziehe weitere Unternehmen und Börsen, die ihre Auszahlungen hätten einstellen müssen, mit in den Abgrund. Der Insolvenzantrag von FTX habe nun enthüllt, dass anstatt des vermeintlichen Restvermögen in Höhe von 5,5 Milliarden US-Dollar, wie Sam Bankman-Fried behauptet habe, in Wahrheit nur noch 659 Tausend US-Dollar vorhanden seien. Damit habe sich praktisch das gesamte Kundenvermögen von FTX in Luft aufgelöst. Die Kryptos aus dem vermeintlichen Hack der Börsen nach der Insolvenz würden aktuell bereits verkauft, weshalb sich der Kryptomarkt weiter im Abwärtssog befinde und der Bitcoin wieder auf 16.000 US-Dollar und Ethereum wieder auf 1.000 US-Dollar gefallen sei. Die Korruption und das kriminelle Ausmaß seien historisch einmalig. Wie das "Wall Street Journal" berichte, solle FTX-Gründer Sam Bankman-Fried sogar 300 Millionen von 420 Millionen an Investorengelder in die eigene Tasche veruntreut haben.

Der Kryptomarkt habe in einer Dekade des Konjunkturaufschwungs geboomt, der durch viel billiges Geld der Notenbanken getragen worden sei. In einem Jahrzehnt der Stagflation, in dem eine Rezession auf Inflation treffe und jedermann den Gürtel enger schnallen müsse, sei es hingegen fraglich, ob sich der Zyklus neuer Hochs in den nächsten Jahren fortsetzen könne. Es sei durchaus wahrscheinlich, dass die Hochs von 2021 in den nächsten Jahren bei nicht mehr erreicht würden. Wer mit einer kleinen Summe zocken wolle, könne dies am Kryptomarkt versuchen, doch wer sein Vermögen schützen wolle, der sollte in Gold und Silber investieren. (22.11.2022/alc/a/a)