Notenbanken bekämpfen Inflationsdynamik


16.11.22 09:30
Oberbank

Linz (www.anleihencheck.de) - Die Notenbanken haben Fahrt aufgenommen und bekämpfen die Inflationsdynamik, so Oberbank in ihrem aktuellen Tageskommentar zu den internationalen Finanzmärkten.

Hier und jenseits des Atlantiks sei mit weiteren Zinserhöhungen zu rechnen. Tatsächlich seien die US-Inflationsdaten für Oktober überraschend stark gesunken (akt. 7,70% auf Jahresbasis), was den Märkten seither etwas Auftrieb gebe. Dementsprechend könne sich auch der Euro gegenüber dem US-Dollar erholen. Sei das der Beginn einer Kehrwende?

Zweifelsohne habe die Risikostimmung an den Märkten in den letzten Wochen und Monaten auch die EUR/USD-Entwicklung deutlich beeinflusst. Der US-Dollar stehe grundsätzlich in risikoreichen Zeiten als Fluchtwährung hoch im Kurs. Dieser Zusammenhang habe vor allem in Erholungsphasen an den Aktienmärkten beobachtet werden können.

An diesen Tagen habe sich auch der Euro gegenüber dem US-Dollar meist stabilisieren können. Tatsächlich profitiere die Gemeinschaftswährung auch aktuell von einer leicht besseren Stimmung (oder besser gesagt etwas weniger Panik). Es komme also wieder zu einem Rücklauf aus dem US-Dollar. Das sei sicher nicht der einzige Einflussfaktor, sei aber gerade zuletzt ein entscheidender Punkt für die Währungsentwicklung gewesen.

Die Zinserwartungen für 2023 seien in den letzten Tagen mit der rückläufigen US-Inflation im USD wieder etwas gesunken, genauso sei das allerdings auch im EUR der Fall gewesen. Das sei im Übrigen ein gutes Indiz dafür, dass die doch heftige Bewegung bei EUR/USD tendenziell nicht vom Zinsthema getrieben gewesen sei. Das bestimmende Thema bleibe die Frage: risk on oder risk off?

Sei die Beruhigung an den Märkten jetzt nicht nachhaltig, könne auch wieder mit einem Dollar-Zulauf gerechnet werden. In Anbetracht der noch immer viel zu hohen Inflationsraten, der trüben Wirtschaftsaussichten und der Unsicherheit in der Energieversorgung sei es jetzt wohl noch etwas zu früh, von Entwarnung zu sprechen. Jedenfalls vermutlich so lange, bis die Zinspolitik wieder in die umgekehrte Richtung schwenke. Dazu ein Gedankenexperiment: Sollte die US-Notenbank in einer Rezession 2023 wieder zum Retourgang in der Zinspolitik gezwungen sein, könnte dies den US-Dollar tatsächlich deutlicher schwächen und EUR/USD nach oben treiben. Aber bis dahin scheine die "Gefahr" von Euro-Verlusten gegenüber dem US-Dollar noch nicht restlos gebannt. (Ausgabe vom 15.11.2022) (16.11.2022/alc/a/a)