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Notenbank-Chef: "Preisdruck bleibt in fast allen Sektoren hoch"


16.01.23 12:30
FONDS professionell

Wien (www.anleihencheck.de) - Laut einer aktuellen Analyse der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) ist mit einem Rückgang der Kerninflation erst im Jahr 2024 zu rechnen, so die Experten von "FONDS professionell".

"Der Höhepunkt der Inflationsdynamik scheint im Jahr 2022 zwar überschritten", schließe der Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank, Robert Holzmann, aufgrund der jüngsten Daten für 2022 und der Inflationsprognose der Oesterreichischen Nationalbank für 2023 bis 2025. "Allerdings bleibt der Preisdruck in fast allen Sektoren 2023 hoch; die Ausnahme stellen Energiepreise dar, die ihren beispiellosen Anstieg im Jahr 2022 dieses Jahr nicht fortsetzen werden. Die Kerninflation (ohne Energie und Nahrungsmittel) steigt hingegen aufgrund kräftiger Lohnkostensteigerungen sowie indirekter Effekte der Energiepreise im Jahr 2023 auf 5,6 Prozent an. Hier ist mit einem Rückgang erst 2024 zu rechnen."

Deshalb erwarte die OeNB einen Rückgang der am Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) gemessenen Inflationsrate für Österreich im Jahr 2023 auf 6,5 Prozent - nach 8,6 Prozent im Jahr 2022. Trotz einer deutlichen Entspannung der Inflationsdynamik würden sowohl Inflationsrate als auch Kerninflationsrate mittelfristig über ihrem langjährigen Durchschnitt bleiben. Die aktuelle Schwerpunktanalyse in "Inflation aktuell Q4/22" komme zu dem Schluss, dass die Staatsfinanzen nur vorübergehend von der hohen Inflation profitieren würden.

Für die kommenden Jahre gehe die OeNB von einer sinkenden Teuerung aus: 3,6 Prozent (2024) und 2,9 Prozent (2025). Bereits im aktuellen Jahr sollten laut Prognose sinkende Inflationsraten für Energie und das Auflösen der angebotsseitigen Verknappungen zu einem Rückgang der HVPI-Inflationsrate führen. Die Energiepreisentwicklung werde auch durch das Stromkostenzuschussgesetz und weitere fiskalpolitische Maßnahmen markant gedämpft. Im Dienstleistungssektor werde die dynamische Entwicklung der Arbeitnehmerentgelte hingegen zu einer Beschleunigung der Inflationsrate führen. Die Preise von Agrarrohstoffen sowie die landwirtschaftlichen Produktionskosten seien bis zuletzt angestiegen. Daher sei auch in den kommenden Monaten noch mit einer steigenden Inflationsrate bei Lebensmitteln zu rechnen. So solle die Inflationsrate für Nahrungsmittel im Jahr 2023 mit 7,9 Prozent überdurchschnittlich hoch ausfallen und bis 2025 auf 2,9 Prozent zurückgehen.

Die Kerninflation (ohne Energie und Nahrungsmittel) erreiche 2022 fünf Prozent und steige aufgrund kräftiger Lohnkostensteigerungen sowie indirekter Effekte der Energiepreise im Jahr 2023 auf 5,6 Prozent an. Erst 2024 sowie 2025 sinke die Kerninflationsrate auf 3,5 Prozent sowie 3,1 Prozent, bleibe damit aber weiter deutlich über ihrem langfristigen Durchschnitt.

Insgesamt sei der Staatshaushalt laut der Notenbank-Analyse kein Profiteur höherer Inflation, obwohl die staatlichen Einnahmen aus Steuern und Sozialbeiträgen inflationsbedingt stark wachsen würden. Höhere Inflation führe auch zu einem deutlichen Anstieg der Staatsausgaben, wenn auch - verglichen mit der Einnahmenseite - zeitlich etwas verzögert. In Summe verbessere der aktuelle "Inflationsschock" im Jahr 2022 den Budgetsaldo noch leicht und senke die Schuldenquote. Mittelfristig führe der aktuelle "Inflationsschock" jedoch zu einer deutlichen Verschlechterung des Budgetsaldos und ab 2026 sogar zu einem Anstieg der Schuldenquote.

Der deutlich negative mittelfristige Effekt auf die öffentlichen Finanzen sei einerseits auf den durch den aktuellen "Inflationsschock" ausgelösten Rückgang des realen Wirtschaftswachstums zurückzuführen. Andererseits habe die mit dem Jahr 2023 eingeführte Inflationsindexierung von Familienleistungen und Einkommensteuerstufen einen großen Effekt: Ohne diese Neuerung hätte ein Anstieg der Inflation auch mittelfristig eine positive Auswirkung auf die Staatsfinanzen. (16.01.2023/alc/a/a)