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Noch nicht am Wendepunkt - Wann ändert sich die Tonlage der FED?


21.09.22 13:15
Merck Finck

München (www.anleihencheck.de) - Mit der für heute Abend erwarteten Leitzinserhöhung sind die Erwartungen der Marktteilnehmer für weitere Erhöhungen noch lange nicht erfüllt, so Robert Greil, Chefstratege bei Merck Finck a Quintet Private Bank.

Nachdem die im August auf 6,3 Prozent gestiegene US-Kerninflation höher als erwartet ausgefallen sei, würden die Märkte nun eine am Ende um 20-40 Basispunkte höhere Federal Funds Rate als bisher einpreisen. Damit würden die Future-Märkte jetzt nicht nur für die heutige und die nächste FED-Sitzung am 2. November jeweils mit Erhöhungen um 75 Basispunkte rechnen, sondern mit noch einmal 50 Punkten für die Dezember-Sitzung. Das bedeute, dass der US-Leitzins bis zum Jahresende insgesamt um 200 weitere Basispunkte steigen solle, bevor die Gangart dann voraussichtlich im ersten Quartal moderater werden werde. Bereits für Mitte nächsten Jahres werde dann sogar schon eine erste Leitzzinssenkung in den USA eingepreist.
Merck Finck gehe jedoch davon aus, dass die FED nach ihrem heutigen Zinsschritt nicht mehr ganz so vehement fortfahren werde, wie es derzeit der Future-Markt impliziert. Denn Merck Finck rechne in den kommenden Monaten vor allem mit einem spürbaren Rückgang der US-Inflation - und auch mit moderateren amerikanischen Konjunkturdaten. Das "Frontloading", sprich vorgezogene größere Zinsschritte, auf das die FED - ebenso wie die EZB - setze, werde aus Sicht von Merck Finck auch tatsächlich zu später überschaubareren Erhöhungen führen.

Für die Finanzmärkte werde es darauf ankommen, die Signale rechtzeitig und richtig zu deuten, denn die FED dürfte ihre derzeit mehr oder weniger "maximal bremsende" Geldpolitik wie üblich zunächst nur verbal abmildern. Noch sei die Inflation für ein solches Signal zu hoch, weshalb die FED-Kommunikation noch nicht am Wendepunkt sei. Dies könnte sich aber mit niedrigeren Inflationszahlen bereits im vierten Quartal ändern. Daher dürften sich aus Sicht von Merck Finck die Renditen von US-Staatsanleihen ihren Höchstständen nähern. Nächstes Jahr rechne Merck Finck dann mit stabileren US-Zinstrends bei moderaterem Wachstum - sprich: Merck Finck gehe in seinem Basisszenario nach wie vor, anders als für Europa, nicht von einer Rezession in den kommenden zwölf Monaten aus. (21.09.2022/alc/a/a)