Nimmt die US-Inflation 2023 noch mal Fahrt auf?


18.11.22 15:44
LYNX Broker

Berlin (www.anleihencheck.de) - Als am 10. November der US-Verbraucherpreisindex für den Oktober 2022 veröffentlicht wurde, gaben die zahlen Anlass zu vorsichtigem Optimismus, denn die Inflation war im vergangenen Monat weniger stark gestiegen als zunächst erwartet, so die Experten vom Online-Broker LYNX.

Trotzdem würden Marktexperten davon ausgehen, dass die Preise im kommenden Jahr erneut kräftig zulegen würden. Das habe eine aktuelle Umfrage von Bloomberg ergeben. So würden mittlerweile die Vorhersagen für den Personal Consumption Expenditures (PCE) Price Index, also den Index für die persönlichen Konsumausgaben, für alle vier Quartale 2023 von höheren Werten ausgehen als noch vor wenigen Wochen. Beim Preisdruck spreche hingegen vieles dafür, dass dieser im Laufe des kommenden Jahres abnehmen werde, sodass der PCE Price Index in den letzten drei Monaten 2023 mit durchschnittlich 2,8 Prozent prognostiziert werde. Auch die Erwartungen für die um Lebensmittel- und Energiekosten sowie den Verbraucherpreisindex bereinigten Konsumausgaben seien gestiegen. Gleichzeitig sei die Wahrscheinlichkeit einer Rezession im kommenden Jahr weiter von 60 auf 65 Prozent gestiegen.

"Alle Prognosen gehen aktuell von viel Aktivität im letzten Quartal 2023 aus, allerdings liegen die Vorhersagen für den PCE Price Index derzeit ziemlich weit auseinander. Während die einen den Anstieg bei rund 2 Prozent sehen, gehen andere von bis zu 3,6 Prozent aus. Auch die ersten Zinssenkungen könnten in diesen Zeitraum fallen", erklärt Sascha Sadowski, Marktexperte beim Online-Broker LYNX. "Das bedeutet allerdings umgekehrt auch, dass die Zinsen bis dahin weiter steigen dürften - aktuellen Prognosen zufolge bis zu einem Zielbereich von 4,75 bis 5,0 Prozent im ersten Quartal 2023."

Mit den stetig steigenden Zinsen und der weiterhin hohen Inflation erhöhe sich jedoch auch das Risiko einer Rezession. Sadowski schätze diese Gefahr als durchaus real ein: "Die Inflation ist hartnäckiger und weitreichender als die FED und die Aktienmärkte anfangs geglaubt haben. Zusammen mit dem starken Arbeitsmarkt und den dadurch steigenden Löhnen halten sich die Auswirkungen der Preissteigerungen derzeit noch in Grenzen. Doch es ist eher unwahrscheinlich, dass es dabei bleibt, denn die hohe Inflation und die aggressive Antwort der FED darauf machen eine Rezession immer wahrscheinlicher", so der Marktexperte. "Powell versucht das zu verhindern, indem er die Zinsschritte in den nächsten Monaten geringer ansetzt als bisher, allerdings sollte man sich nicht der Illusion hingeben, dass sie dadurch im Endeffekt niedriger bleiben. Viele Volkswirte haben daher ihre ohnehin bereits düsteren Prognosen für das kommende Jahr nochmal gesenkt. Erst gegen Ende 2023 könnte sich laut den Vorhersagen daran wieder etwas ändern." (18.11.2022/alc/a/a)