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Navigieren in einer unsicheren Welt: Wertorientiertes Handeln mit europäischen Hochzinsanleihen


13.06.22 10:00
Wellington Management

London (www.anleihencheck.de) - Konstantin Leidman, Fixed Income Portfolio Manager bei der Vermögensverwaltungsgesellschaft Wellington Management, sieht trotz eines volatilen Marktumfeldes gute Gründe für ein Investment in europäische Hochzinsanleihen.

Seiner Meinung nach biete die jüngste Ausweitung der Spreads eine attraktive Einstiegsmöglichkeit für Anleger. Im Folgenden seine Einschätzung:

"Seit Anfang 2022 sind die Finanzmärkte sehr volatil. Nach zwei Jahren mit hohen Gewinnen und gedämpfter Volatilität passen sich die Marktteilnehmer nun an ein Umfeld an, in dem die Zentralbanken von ihrer Corona-Lockerungspolitik abrücken und gleichzeitig die Stagflations- und geopolitischen Risiken zunehmen. Während die Nachrichten einen düsteren Ausblick vermitteln, sehen wir die Entwicklung des europäischen Wachstums und der Inflation bis zum Jahr 2022 optimistischer. Entgegen einem möglichen Einbruch rechnen wir mit einer höheren Volatilität, sowohl bei den Spreads als auch bei den Zinssätzen, sehen aber keine Ausfallwelle am Horizont. Zudem bieten europäische Hochzinsanleihen hohe Erträge und eine relativ geringe Zinssensitivität. Die jüngste Ausweitung der Spreads hat Anlegern, die Erträge und eine gute Gesamtrendite suchen, eine attraktive Einstiegsmöglichkeit in den europäischen Hochzinsmarkt eröffnet.

Seit der globalen Finanzkrise hat die Europäische Zentralbank (EZB) das Finanzsystem mit quantitativen Lockerungsmaßnahmen gestützt, indem sie sowohl Liquidität bereitstellte als auch die Volatilität dämpfte. Nun muss die EZB jedoch ihre akkommodierende Politik aufgrund des steigenden Inflationsdrucks im Zuge der COVID-19-Krise überdenken. Durch die russische Invasion in der Ukraine wird der Preistrend durch einen starken Anstieg der Rohstoffpreise noch verschärft, da die Europäische Union versucht, ihre Abhängigkeit von russischem Öl und Gas zu verringern.

Auch wenn die steigende Inflation die wirtschaftlichen Aussichten Europas belastet, rechnen wir für 2022 immer noch mit einem positiven Wachstum in der Eurozone. Nach Anpassung unserer Schätzungen unter Berücksichtigung des doppelten Schocks durch den Russland/Ukraine-Krieg und der Verlangsamung in China rechnen wir für die Eurozone im Jahr 2022 mit einem Wachstum von 2 bis 3 Prozent. Zudem erwarten wir, dass die Inflation, die sich derzeit auf einem hohen Niveau befindet, im weiteren Verlauf des Jahres 2022 auf etwa 2,5 Prozent sinken wird." (13.06.2022/alc/a/a)