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Marktkommentar: Wie tief werden die Zinsen sinken?


13.02.24 11:17
Columbia Threadneedle

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Märkte rätseln darüber, wann die großen Zentralbanken mit der Senkung der Zinssätze beginnen werden und wie weit die Zinsen dieses Jahr fallen werden, so Steven Bell, Chefvolkswirt EMEA bei Columbia Threadneedle Investments.

Weit weniger werde darüber diskutiert, wo sie am Ende landen würden. Dies sei jedoch ein wichtiger Faktor für langfristige Anlagepläne, der sich direkt auf die Aussichten für Anleihen und indirekt auf Aktien auswirke.

"Die US-Notenbank Federal Reserve (FED) vermittelt uns mit dem längerfristigen Punktdiagramm für die Federal Funds Rate eine klare Vorstellung: Der Medianwert liegt bei 2,5 Prozent", so Bell. Im Gegensatz dazu würden die Marktpreise für die US-Zinssätze auf längere Sicht viel höhere Werte zeigen. So erreiche der Terminmarkt für die Federal Funds Rate auf längere Sicht einen Tiefpunkt von 3,5 Prozent und liege damit einen ganzen Prozentpunkt über der "offiziellen" Schätzung. Ein Teil des Unterschieds hänge mit dem Median und dem Mittelwert des Punktdiagramms zusammen: Der Durchschnitt der Prognosen, die über dem Median liegen würden, übersteige den Durchschnitt derjenigen, die darunter liegen würden. Dennoch bleibe eine große Lücke. Darüber hinaus kehre sich das Muster um, wenn es um die nahe Zukunft gehe: Die FED habe die Marktpreise für frühere und stärkere Zinssenkungen im Jahr 2024 konsequent zurückgedrängt.

Eine alte Marktweisheit besage, dass man sich nicht gegen die FED stellen sollte. In diesem Zusammenhang wäre der Ratschlag: Geduld auf kurze Sicht, aber Optimismus auf längere Sicht. Wenn die FED mit dem endgültigen Ziel für den Leitzins richtig liege, wären Anleihen attraktiv, und Aktien würden unterstützt werden.

Die Zinsterminkontrakte würden auf einen Endzinssatz von etwas mehr als zwei Prozent für die Eurozone und von vier Prozent für das Vereinigte Königreich hindeuten. Ersteres erscheine Bell zu niedrig, letzteres zu hoch. Betrachte man zum Beispiel die Wahrscheinlichkeit, dass die Realität um einen Prozentpunkt von diesen Zahlen abweiche: Ein Prozent erscheine in der Eurozone unplausibel niedrig, drei Prozent durchaus möglich. Bei einem Inflationsziel von zwei Prozent seien anhaltende britische Zinssätze von fünf Prozent im Vereinigten Königreich unwahrscheinlich, drei Prozent jedoch denkbar. Dies lasse Bell vermuten, dass längerfristige Anleihen im Vereinigten Königreich attraktiver seien als z.B. in Kontinentaleuropa.

In dieser Woche stehe die Veröffentlichung entscheidender Inflationsdaten im Vereinigten Königreich und in den USA an, die die Entscheidungen der Zentralbanken beeinflussen würden. Dies werde unweigerlich den Fokus der Märkte in dieser Woche bestimmen. Die längerfristigen Zinsaussichten würden jedoch weniger betroffen sein und hätten nach Meinung von Bell einen stärkeren Einfluss. (13.02.2024/alc/a/a)