Erweiterte Funktionen

Märkte von vielen Seiten unter Druck


20.06.22 08:45
Union Investment

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Eine ereignisreiche Woche (Kalenderwoche 24) geht zu Ende und die Nachrichtenlage ist zurzeit alles andere als erfreulich, so die Experten von Union Investment.

Der Start in die Woche sei schon turbulent genug gewesen, denn die Renditen von Staatsanleihen hätten bereits am Montag (und dem vergangenen Freitag) den stärksten Zwei-Tages-Anstieg seit Jahrzehnten erlebt. Hauptgrund sei die unerwartet hohe US-Inflation, die Ende der vergangenen Woche veröffentlicht worden sei. Die Verbraucherpreise in den USA hätten sich im Mai gegenüber Vorjahr um 8,6 Prozent verteuert und hätten über den Erwartungen von 8,3 Prozent gelegen. Die Anleiherenditen von US-Staatsanleihen seien daraufhin sprunghaft angestiegen, was auch die Aktienbörsen unter Druck gesetzt habe.

Die negativen Überraschungen bei den Daten zu Inflation und Inflationserwartungen der privaten Haushalte vom vergangenen Freitag seien dann auch für die FED ganz offensichtlich zu viel gewesen: Die Kapitalmärkte hätten erneut Zinserhöhungen in mehreren Ländern verkraften müssen, allen voran das starke Signal der US-Notenbank FED, die den US-Leitzins um satte 75 Basispunkte nach oben geschraubt habe und damit den größten Zinsschritt seit 1994 gegangen sei. Da die FED noch weit von ihrem Inflationsziel entfernt sei, habe sie weitere Zinsschritte angekündigt.

Zur Wochenmitte habe auch die Europäische Zentralbank zudem überraschend eine Sitzung angesetzt, um zu besprechen, wie sie den starken Renditeanstieg italienischer Staatsanleihen bekämpfen könne. Der Renditeabstand zwischen italienischen und deutschen Staatsanleihen, ein wichtiger Indikator für den Euroraum - sei auf den höchsten Stand seit Mai 2020 gestiegen. Es seien ungute Erinnerungen an die Eurokrise in den Jahren 2009/2010 aufgekommen.

Als ob dies nicht schon genug der schlechten Nachrichten wäre, habe Russland in der zweiten Wochenhälfte noch einmal nachgelegt. Der staatliche Gaskonzern Gazprom habe in zwei Schritten seine Gaslieferungen nach Europa (und insbesondere Deutschland) gedrosselt, angeblich wegen technischer Probleme. Da der Gaspreis daraufhin kräftig zugelegt habe, freue sich Russland über stabile Umsätze trotz niedrigeren Gasabsatzes. Leidtragende seien die europäische Industrie und die Verbraucher. Entsprechend deutlich hätten die Aktienkurse der europäischen Versorger und energieintensiven Industrietitel nachgegeben.

Gegen Wochenende habe auch noch die Schweizerische Nationalbank überraschend eine Zinserhöhung von 50 Basispunkten bekannt gegeben. Am gleichen Tag sei noch die Bank of England gefolgt, die einen weiteren Schritt von 0,25 Punkte auf 1,25 Prozent gemacht habe. Das Signal, das hiervon ausgehe, sei klar: Die Notenbanken möchten die Inflation beherzt bekämpfen, doch würden die Märkte befürchten, dass sie übers Ziel hinausschießen und das Wachstum abwürgen könnten. (Ausgabe vom 17.06.2022) (20.06.2022/alc/a/a)