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Liquidität: Währungshüter im Straffungsmodus


10.11.22 08:45
Postbank Research

Bonn (www.anleihencheck.de) - Die Europäische Zentralbank (EZB) hat Ende Oktober wie erwartet ihre Leitzinssätze um weitere 75 Basispunkte angehoben, so die Analysten von Postbank Research.

Der Einlagenzins liege nun bei 1,5%, der Hauptfinanzierungszinssatz bei 2%. EZB-Präsidentin Christine Lagarde habe weitere Zinsschritte angekündigt - ohne sich dabei aber auf Zeitpunkt und Höhe festlegen zu lassen. Entscheidend sei die Entwicklung von Inflation und Wirtschaftswachstum.

Außerdem hätten die Währungshüter beschlossen die Bedingungen für ihr Kreditprogramm "Targeted longer-term refinancing operations" Ende November anzupassen. TLTROs würden Banken ermöglichen, Kredite langfristig günstig aufzunehmen. Das Programm sei auch in der Corona-Pandemie genutzt worden, um die Kreditvergabe an die Realwirtschaft zu unterstützen. Diese Stimulierung sei angesichts der hohen Inflation nicht mehr erwünscht. Keine Hinweise habe die EZB zu möglichen Änderungen am "Asset Purchase Programme" (APP) gegeben, über das sie Staats- und Unternehmensanleihen ankaufe. Einige Beobachter hätten das erwartet.

Keine Überraschung sei Anfang November die erneut "außergewöhnlich kräftige" Leitzinserhöhung der US-Notenbank Federal Reserve gewesen. Die FED habe zum vierten Mal in Folge den Korridor um 75 Basispunkte auf 3,75 bis 4,00% raufgesetzt. Notenbank-Chef Jerome Powell habe betont, dass es noch zu früh für eine Pause bei den Zinserhöhungen sei. Die FED werde aber kumulative Effekte und Wirkungsverzögerungen der Zinspolitik bei ihren künftigen Entscheidungen berücksichtigen. (Kapitalmarktausblick November 2022) (10.11.2022/alc/a/a)