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Liquidität: EZB auf den Spuren der FED


06.06.22 10:30
Postbank Research

Bonn (www.anleihencheck.de) - Im geldpolitischen Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) herrscht grundsätzlich Einigkeit, die ultralockere Geldpolitik zeitnah anzupassen, so die Analysten von Postbank Research.

Unterschiedliche Auffassungen gebe es aber darüber, wie schnell und wie umfassend die EZB vorgehen sollte. So seien einige Ratsmitglieder bereits zum Zeitpunkt der letzten Sitzung im April davon überzeugt gewesen, dass die Kriterien für eine Anhebung der Leitzinsen erfüllt gewesen seien, wie aus dem Protokoll des Treffens hervorgehe. Angesichts des bestehenden Preisdrucks dürfte die EZB im Juni ein Ende ihrer Netto-Anleiheankäufe beschließen und auf die Möglichkeit eines ersten Zinsschritts auf der Folgesitzung hinweisen. Bis zum Jahresende könnte der Einlagensatz dreimal und der Hauptrefinanzierungssatz zweimal angehoben werden. Die Markterwartungen lägen im Schnitt bei vier Zinsschritten mit je 25 Basispunkten. Sollten die Inflationsraten nicht bald wieder in Richtung des 2%-Ziels der EZB tendieren, könnten sich die Währungshüter aber auch gezwungen sehen, konsequenter gegen den Preisdruck vorzugehen.

Höhere Zinsen

Dagegen scheine die Teuerung in den USA ihren Höhepunkt hinter sich zu haben - doch die Hoffnung auf einen zügig nachlassenden Preisdruck könnte verfrüht sein. Die US-Notenbank Federal Reserve (FED) werde daher kaum von ihrem Plan abweichen und die Zinsen weiter sukzessive anheben. Die Postbank erwarte den Leitzinskorridor Ende 2022 bei 2,50% bis 2,75%. Im 1. Halbjahr 2023 könnten weitere drei Anhebungen um jeweils 25 Basispunkte auf dann 3,25% bis 3,50% folgen. (Perspektiven Juni 2022) (06.06.2022/alc/a/a)