Leitzinswende eingeläutet


13.06.22 12:45
DekaBank

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Europäische Zentralbank hat die Zinswende eingeläutet, so die Analysten der DekaBank.

In der kommenden Juli-Sitzung werde der EZB-Rat nach mittlerweile elf Jahren erstmals wieder die Leitzinsen anheben. Zunächst vorsichtig um 0,25 Prozent, danach im September möglicherweise auch um 0,5 Prozent. Bei den nachfolgenden Sitzungen werde es voraussichtlich weitere Anhebungen geben. Diese späte, aber deutliche Umkehr sei einer weiteren Wende der Notenbanker geschuldet, denn sie hätten eingestehen müssen, dass die sehr hohen Inflationsraten nicht kurzer, vorübergehender Natur seien, sondern erschreckend ausdauernd.

An den Kapitalmärkten sei diese Erkenntnis schon vorweggenommen worden. Die Inflationserwartungen seien in den vergangenen Monaten sehr stark angesprungen und hätten die Renditen an den Rentenmärkten dramatisch nach oben gezogen - in der vergangenen Woche nochmals sehr kräftig. Auch die Aktienmärkte würden unter den Inflationssorgen ächzen, ebenso wie unter Lieferkettenproblemen und schwindender Konjunkturzuversicht.

In dieser Woche stehe weiterhin die Notenbankpolitik im Mittelpunkt, denn am Mittwoch werde die FED in den USA den Zinsvorsprung voraussichtlich mit einer erneuten Leitzinsanhebung um 0,5 Prozent ausbauen. Hierbei werde besonderes Augenmerk auf den nachfolgendend avisierten Zinspfad gelegt werden. Aufgrund der nachlassenden Konjunkturdynamik, die nicht zuletzt der schwindenden Kaufkraft der Verbraucher geschuldet sei, würden manche Marktbeobachter glauben, dass die US-Notenbanker bereits im Herbst ihren Zinspfad abflachen könnten. Am Donnerstag dieser Woche werde dann die Bank of Englang folgen, die zum fünften Mal in Folge den Leitzins anheben dürfte. (13.06.2022/alc/a/a)