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Leichte Trendwende bei den jüngsten Zinserhöhungen


03.11.22 14:00
PGIM Fixed Income

Newark (www.anleihencheck.de) - In ganz Europa ist eine leichte Änderung des Tempos bei den jüngsten Zinserhöhungen zu beobachten, da sich die Zentralbanken auf die Verwaltung ihrer Bilanzen konzentrieren, so Katherine Neiss, Chefvolkswirtin für Europa bei PGIM Fixed Income.

Das bedeute, dass die Zentralbanken ihre Straffung der finanziellen Bedingungen fortsetzen würden und gleichzeitig die Funktionsweise der Wirtschaft verbessern könnten. Außerdem gebe es den Verantwortlichen die Möglichkeit zu sehen, wie sich die früheren Zinserhöhungen auf die Realwirtschaft auswirken würden. Die Betonung des QT-Instruments könne auch mehr Spielraum für spätere Zinserhöhungen schaffen, sollte die Inflation anhalten und erneut eine aggressive Straffung erfordern.

Vor diesem Hintergrund bestehe die wichtigste Veränderung des wirtschaftlichen Umfelds darin, dass die Wirtschaft im vierten Quartal zu schrumpfen beginne. Die Prognose von PGIM Fixed Income gehe von einer stärkeren Verlangsamung aus als allgemein angenommen, da das Schlimmste nach Einschätzung von PGIM Fixed Income noch bevorzustehen scheine. Obwohl eine zweistellige Inflation sicherlich besorgniserregend sei, zeige die detaillierte Betrachtung ein ganz anderes Bild als der Verbraucherpreisindex in den USA, da die Inflation in Europa immer noch hauptsächlich von den Lebensmittel- und Energiepreisen getrieben werde, während die Preisänderungen bei den Dienstleistungen im Monatsdurchschnitt rückläufig seien.

PGIM Fixed Income glaube daher, dass die vorzeitigen Zinserhöhungen in Europa kurz vor dem Höhepunkt stehen könnten - zumindest vorerst. EZB-Präsidentin Lagarde habe betont, dass es für weitere Erhöhungen "noch Luft nach oben" gebe, aber die Zentralbank habe erhebliche Fortschritte auf dem Weg zur Normalisierung gemacht. PGIM Fixed Income gehe nun davon aus, dass die Zinssätze auf der Dezember-Sitzung um 50 Basispunkte angehoben würden, so dass der Zinssatz für die Einlagefazilität auf 2% steige, bevor er über den Winter pausiere und schließlich bei weniger als 3% seinen Höhepunkt erreiche. Sollte die Inflation jedoch weiterhin nach oben überraschen, insbesondere wenn die Nominallöhne oder die Inflationserwartungen beginnen würden, über ein Niveau zu steigen, das mit dem Inflationsziel von 2% im Einklang stehe, könnte sich ein solcher Zinsschritt als verfrüht erweisen. In diesem Fall würde PGIM Fixed Income mit weiteren Zinserhöhungen rechnen, die in der Spitze über 3% liegen dürften.

Die gute Nachricht inmitten der wachsenden Wolke der Unsicherheit sei, dass die Peripherieländer den Energieschock einigermaßen gut verkraften würden. Und fast ein Jahrzehnt nach der Staatsschuldenkrise habe die Pandemie die sich verbessernden Kreditprofile der Peripherieländer nicht entgleisen lassen, da sogar Griechenland kurz davor zu stehen scheine, in den Investment-Grade-Bereich aufzusteigen. Auch wenn die hohe Schuldenquote Italiens im Verhältnis zum BIP besorgniserregend sei, habe sich das Land im historischen Vergleich verbessert, und das anhaltende Wachstum dürfte der Wirtschaft helfen, den Energieschock abzufedern. (03.11.2022/alc/a/a)