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Lateinamerika: Anleihen outperformen, Wirtschaftswachstum von 3% prognostiziert


14.09.22 11:19
Santander Asset Management

Frankfurt am Main (www.anleihencheck.de) - Emerging-Markets-Anleihen haben sich in diesem Jahr über lange Strecken deutlich besser entwickelt als Staats- und Unternehmensanleihen der Industrieländer. Insbesondere Lateinamerika konnte outperformen, so Tobias Friedrich, Senior Manager Markets & Clients bei Santander Asset Management Germany.

Grund genug, einen genaueren Blick auf die Region von Mexiko bis Feuerland zu werfen. "Lateinamerika hat seine kräftige Konjunkturerholung nach der Corona-Pandemie fortgesetzt: Die Wiedereröffnung kontaktintensiver Sektoren, insbesondere des Gastgewerbes und der Reisebranche, der Abbau des Nachholbedarfs aus der Pandemiezeit und die in der ersten Jahreshälfte günstigen externen Finanzbedingungen unterstützten eine solide Expansion, die es dem Dienstleistungssektor ermöglichte, mit dem verarbeitenden Gewerbe gleichzuziehen", so Friedrich.

Aufgrund dieser soliden ersten Jahreshälfte und trotz einer erwarteten Abschwächung in der zweiten Jahreshälfte prognostiziere unter anderem das World Economic Forum für dieses Jahr eine nochmals nach oben angepasste Wachstumsrate von 3,0 Prozent.

Während in der Eurozone die explodierenden Energiepreise und in den USA die aggressive Zinserhöhungspolitik der US-Notenbank Federal Reserve die Rezessionsrisiken größer werden ließen, zeichne sich in kaum einem lateinamerikanischen Land eine Wirtschaftsabschwächung ab, die auf einen drohenden Konjunkturrückgang hindeute - obwohl die ansässigen Notenbanken aufgrund des internationalen Inflationsdrucks die Zinsen ebenfalls proaktiv angehoben hätten.

Insbesondere im ersten Halbjahr hätten viele Währungen der Region aufgewertet. "Unterstützend wirken hier die fortgesetzten Zinsschritte der lateinamerikanischen Zentralbanken, die weiterhin robust gegen den Inflationsdruck vorgehen, so dass das hohe Zinsniveau ausländisches Kapital anzog", erkläre Friedrich. "Aber auch die hohen Rohstoffpreise in den meisten Ländern sorgten für eine solide Währung. So kam es zum erstaunlichen Ergebnis, dass sich die Währungen selbst gegenüber einem starken US-Dollar behaupten konnten. Zwar dürfte sich die aktuelle Stärke der lateinamerikanischen Währungen allmählich wieder auf ‚normalere‘ Niveaus zurückbewegen, dennoch zeigt die vorherige Entwicklung, dass man Lateinamerika bei Investitionsüberlegungen berücksichtigen sollte."

Seit Mitte Juni zeige sich jedoch ein etwas anderes Bild: "Die aggressiven Leitzinserhöhungen der US-Notenbank sorgten dafür, dass Anleger Gelder statt in den lateinamerikanischen Staaten nun wieder verstärkt in den USA investierten und folglich die Währungen Lateinamerikas an Wert verloren haben", habe Friedrich gesagt. "Eine höhere Schwankungsintensität, die derzeit nahezu überall auf den Kapitalmärkten gemessen wird, sollte auf den Währungsmärkten daher nicht ausgeschlossen werden."

Im Hinblick auf die Straffung der globalen Geldpolitik und der größeren wirtschaftlichen Unsicherheiten würden sich die externen Finanzbedingungen auch für Lateinamerika verschlechtern. Hinzu komme, dass einige Rohstoffpreise gefallen seien und voraussichtlich weiter nachgeben könnten, was unter anderem auf den weltweiten Konjunkturrückgang zurückzuführen sei. Dies könnte aber mit der Zeit zu einer willkommenen Entlastung des globalen Inflationsdrucks führen und die positive Entwicklung Lateinamerikas weiter vorantreiben. (14.09.2022/alc/a/a)